Trinkwasser in Kreiensen wird günstiger

Trinkwasser. Symbolbild

Die Stadtwerke Einbeck senken rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres die Trinkwasserpreise im Bereich der ehemaligen Gemeinde Kreiensen. Eine weitere Senkung kündigte Stadtwerke-Geschäftsführer Bernd Cranen für 2018 an. Unter dem Strich werde der Preis für die rund 2400 Kunden in Kreiensen dadurch um 17 bis 22 Prozent günstiger. Konkret sinkt der Kubikmeter-Preis in diesem Jahr von 2,56 Euro brutto auf 1,71 Euro brutto. Er liegt damit dann auf dem Niveau wie im übrigen Stadtgebiet von Einbeck. „Durch die stufenweise Angleichung der Wasserpreise wird ein weiterer Beitrag zum Zusammenwachsen der ehemaligen Gemeinde Kreiensen und der alten Stadt Einbeck getan“, sagte Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek. „Die schrittweise Angleichung kommt durch die gefundene Vereinbarung auch ganz konkret ein spürbares Stück voran.“

Durch die Preissenkung ist laut Stadtwerke Einbeck sichergestellt, dass die verbrauchsabhängigen Wasserpreise in der Lieferzone 2 (ehemals Kreiensen) bis Ende 2021 auf dem jetzt festgelegten Niveau stabil bleiben, sofern keine gesetzlich vorgeschriebenen Erhöhungen oder Abgaben dazu kommen. Die Grundpreise (pro Zähler) werden von 5,83 Euro auf 7,06 Euro (bis 80 Kubikmeter) und von 7,60 Euro auf 9,13 Euro (bis 150 Kubikmeter) steigen, es gibt außerdem jetzt sechs statt drei Grundpreis-Stufen, unterm Strich bleibe aber für die Kunden eine Preissenkung, sagte Bernd Cranen.

Die Stadtwerke Einbeck freuen sich nach den Worten ihres Geschäftsführers, dass sich das Unternehmen mit Unterstützung des Wirtschaftsministeriums in Hannover mit der Eurawasser Betriebsführungsgesellschaft mbH und der Wasserver- und Entsorgungsgesellschaft Kreiensen mbH (WVEK) auf eine kundenfreundliche vertragliche Regelung einigen konnten. Seit 2016 bekommen die Haushalte in Kreiensen ihr Wasser aus Einbeck; an der WVEK ist die Stadt Einbeck mit 51 Prozent beteiligt. Nach der Entscheidung, das Trinkwasser auch in Kreiensen zu liefern, sei die Preisanpassung „ein weiterer Schritt für mehr Verantwortung in der Zuständigkeit unserer Stadtwerke“, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Ulrich Minkner.

Stadtwerke: Nitrat kein Problem

Die Stadtwerke Einbeck sehen zurzeit keine Gefahr, die Trinkwasser-Preise wegen zu hoher Nitratwerte erhöhen zu müssen. Das sagte mir Geschäftsführer Bernd Cranen heute auf Anfrage. Das Umweltbundesamt hatte am Wochenende mit Hinweis auf eine Studie davor gewarnt, dass Wasserversorger die Preise erhöhen müssten. Die Stadtwerke haben laut Cranen seit Jahren relativ konstante Werte deutlich unter dem vorgeschriebenen Nitrat-Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter. In Einbeck lag der im vergangenen Jahr gemessene Wert bei 11,7. „Wir müssen daher keine Aufbereitung des Trinkwassers durchführen“, sagte Cranen. Auch eine Preiserhöhung sei deshalb kein Thema. Alle Daten sind auf der Internetseite des Wasserversorgers nachlesbar. Die Stadtwerke Einbeck leiten eine der nach eigenen Angaben größten Trinkwasser-Kooperationen in Niedersachsen. Ziel ist es, gemeinsam mit der Landwirtschaft gutes Trinkwasser nachhaltig zu schützen. Fachlich werden die Stadtwerke durch die Landwirtschaftskammer Northeim unterstützt.

O’zapft is!

Verlegung der neuen Trinkwasserleitung in Greene. Foto: Stadtwerke Einbeck GmbH

Verlegung der neuen Trinkwasserleitung in Greene. Foto: Stadtwerke Einbeck GmbH

Zum offiziellen Start haben Bürgermeisterin und Aufsichtsratsvorsitzender am Rad gedreht, dann hieß es: „Wasser marsch“: Die rund 7000 Einwohner in den Ortschaften der ehemaligen Gemeinde Kreiensen bekommen seit ein paar Tagen ihr Trinkwasser aus Einbeck. O’zapft is! Nach fünf Monaten sind die zwei jeweils rund 7,5 Kilometer langen neuen Transportleitungen von Naensen nach Greene und von Volksen nach Garlebsen gelegt, das Trinkwassernetz auf die neuen Anforderungen umgestellt. Wie die Stadtwerke mitteilen, habe der Bauzeitenplan trotz Erschwernissen durch Felsen in den Trassenbereichen eingehalten werden können, ebenso seien die Baukosten konstant geblieben, die das Unternehmen mit 1,5 Millionen Euro angegeben hatte.

Die Versorgung der Stadt Einbeck ist durch eine Mischwasserversorgung aus den zwei Wassergewinnungsanlagen Solling und Ölmühle gewährleistet. Bislang haben die Kunden in Kreiensen ein 50:50 Mischwasser aus dem Tiefbrunnen Kreiensen sowie von den Harzwasserwerken erhalten. Die Trinkwasserqualität im Vergleich des bisherigen Mischwassers zum jetzt neuen Trinkwasser von den Stadtwerken Einbeck ist gleichwertig und entspricht der Trinkwasserverordnung, teilen die Stadtwerke mit. Die Trinkwasserhärte von 12 Grad deutsche Härte (Härtebereich „mittel“ gemäß Wasch- und Reinigungsmittelgesetz) bleibe konstant. Durch die Versorgung mit Einbecker Trinkwasser entstehe sowohl dem privaten wie dem industriellen Kunden als auch der öffentlichen Hand keine Nachteile, sondern positive Aspekte durch eine sichere Wasserversorgung.

Informationen – holen oder bringen?

Darüber lässt sich trefflich unterschiedlicher Meinung sein. Und das jüngste Beispiel aus Garlebsen ist auch nur eines von mehreren, das ich locker aus dem Handgelenk aufzählen könnte, aber eben das aktuellste: Wenn jemand keine Informationen über etwas hat, ist das eine Holschuld oder eine Bringschuld? Der Ortsrat der Einbecker Ortschaft Garlebsen hat in seiner jüngsten Sitzung ausweislich des Protokolls einstimmig einen Ortstermin gefordert. Anlass ist die Wasserleitung, die derzeit von Einbeck in Richtung Kreiensen gelegt wird. Der Ortsrat stellt kritisch fest, „dass die geplante Baumaßnahme ihm erst im Juni zur Kenntnis gegeben worden“ sei und eine Beteiligung überhaupt nicht stattgefunden habe. Das mit der Beteiligung kann ich aktuell nicht beurteilen, was ich aber sagen kann ist, dass alle Einbecker Medien Anfang März nach einem Pressegespräch der Stadtwerke Einbeck GmbH über die geplante Baumaßnahme berichtet haben, beispielsweise hier. Wer also Nachrichten verfolgt, hätte wissen können, dass da eine Leitung gelegt werden soll. Und dann kommt die entscheidende Frage, siehe oben: Ist es Aufgabe eines Ortsrates, sich die genaueren Infos aus dem Rathaus zu holen (ich denke, zu einem guten Teil kann man dies durchaus verlangen, jeder Ortsrat bzw. Ortsbürgermeister sollte mit der Verwaltung im ständigen und stetigen Dialog stehen) oder auf Infos aus dem Rathaus zu warten (ich denke, zu einem guten Teil kann man erwarten, dass die Stadtverwaltung von sich aus informiert).

Zweifellos ärgerlich und aufgeklärt gehört die Kritik aus Garlebsen, die eingesetzte Baufirma habe erhebliche Schäden an den öffentlichen und auch privaten Flächen verursacht. Laut Ortsrat seien Hinweise und Anfragen entweder nicht oder unverschämt  kommentiert worden, Baustellenabsicherungen hätten fast immer gefehlt, Bauschuttablagerungen seien willkürlich im Straßenseitenraum vorgenommen worden und ein Entwässerungsgraben vollständig mit Bauschlamm verfüllt worden.

Nachtrag 15.09.2015: Die Stadtwerke Einbeck haben heute den offiziellen Start der Umstellung der Trinkwasserversorgung für den 28. September angekündigt. Vier Monate habe es gedauert, die Transportleitungen von Naensen nach Greene und von Volksen nach Garlebsen mit einer Gesamtlänge von rund 7,5 Kilometer zu legen.

Wasser-Transparenz

Einige mögen flappsig schon dazu aufrufen, einfach mal öfter den Wasserhahn aufzudrehen in Kreiensen – damit mehr Wasser verbraucht wird und die Gebühren für das Abwasser nicht mehr so steigen mögen, immerhin liegt im über siebenprozentigen Wasserverbrauch-Rückgang eine der Ursachen für die geplante Grundgebührenerhöhung. Dem Aufruf kann ich mich schon allein aus ökologischen Gründen nicht anschließen. Vor allem aber auch nicht aus logischen Gründen. Denn die Ursachen, warum die Gebühren in der ehemaligen Gemeinde Kreiensen steigen sollen, liegen nicht in diesem oder im vergangenen Jahr begründet. Sie sind aber selbst durch das trübe Abwasser der vergangenen Jahre noch zu erkennen, wer erkennen möge. Und sie werden in einer nach einer Verwaltungsausschuss-Initiative heute veröffentlichten, mit vielen Zahlen und Fakten gespickten Pressemitteilung der Stadtentwässerung Einbeck (Wortlaut: 2015-05-28 Abwasser Kreiensen) auch deutlich benannt: Es sind die Betriebskosten für den Betrieb der Abwasserreinigungsanlage Kreiensen und des Kanalnetzes Kreiensen sowie die Zinsbelastung. „Die Betriebskosten werden sich in den nächsten Jahren nicht grundlegend verändern“, schreibt die Stadtentwässerung. Nur bei den Zinsen, die aus der Umfinanzierung bis 2024 festgeschrieben und auch für tilgungsfreie Darlehen zu zahlen seien, werde ein geringer Rückgang eintreten, der eventuell die steigenden sonstigen Kosten auffangen könne. Eventuell. In den Kalkulationen werden im Übrigen, darauf hat die Betriebsleitung der Stadtentwässerung nochmal hingewiesen, nur die tatsächlich angefallenen Kosten für die zentrale Abwasserbeseitigung der ehemaligen Gemeinde Kreiensen Berücksichtigung finden. Die Ursache ist also in Kreiensen zu finden, in der Vergangenheit.

Der Stadtrat hat die Gebührenerhöhung am nächsten Mittwoch (3. Juni, 17 Uhr, Rathaushalle) auf seiner Tagesordnung. Ob die Politiker – vor allem diejenigen aus dem ehemaligen Kreiensen – die Debatte führen möchten, wird spannend zu beobachten sein.

Den Vorwurf der SPD, wenig transparent eine Gebührenerhöhung durchsetzen zu wollen, haben die Stadtentwässerung und die Bürgermeisterin heute deutlich zurück gewiesen: Alle Beratungen um die Gebührenanpassung würden in öffentlichen Sitzungen stattfinden, alle Kalkulationen und das zugrunde liegende Zahlenwerk für die Gebührenkalkulation seien öffentlich. Jeder könne die Vorlagen für die öffentlichen Sitzungen transparent im Internet nachlesen.

Nachtrag 04.06.2015: Der Rat hat einer Erhöhung der Grundpreise je Wasserzähler zum 1. Juli 2015 mit deutlicher Mehrheit zugestimmt. Die seit 2012 gültige Abwassergebühr von 5,38 Euro/Kubikmeter bleibt unverändert. Die aus Kreiensen kommenden Ratsmitglieder Ralf Messerschmidt (SPD), Dr. Oliver Rittmeyer und Reinhard Brinckmann (beide Bürgerliste) stimmten gegen die Erhöhung. Der Grundpreis je Hauptwasserzähler bis drei Kubikmeter steigt um 5 Euro auf 12 Euro/Monat, bis sechs Kubikmeter um 5,50 Euro auf 18 Euro/Monat und über sechs Kubikmeter um 5,50 Euro auf 24 Euro/Monat. Einige Alt-Kreiensener stellten sich der Debatte: Die Gebührenerhöhung sei keine Folge der Fusion mit Einbeck, betonte Willi Teutsch (CDU) aus Ahlshausen. Die Gründe lägen schon länger zurück. Vor 15 Jahren habe sich die damalige Gemeinde Kreiensen unter dem Druck des Landkreises dazu entschieden, die 15 Orte in der Fläche an eine zentrale Kläranlage anzuschließen. Und die sei heute zu groß dimensioniert, sagte Bernd Huwald (CDU) aus Opperhausen: „Wir haben keinen VW gekauft, sondern einen Mercedes.“ Eine Erhöhung der Zählergebühr sei besser als die des Verbrauchspreises, meinte Klaus-Reiner Schütte (SPD) aus Greene. Die Gründe für das entstehende Defizit seien bekannt, müsse man akzeptieren und sich der Verantwortung stellen. Allerdings wünschte er sich eine frühere, umfänglichere und verständlichere Erläuterung von Allris-Bürgerinfo-Unterlagen für den Bürger. Reinhard Brinckmann (Bürgerliste) aus Billerbeck war eine Preiserhöhung „zu billig“: Man müsse die Kosten aufdecken und nicht einfach den Bürger zur Kasse bitten. Frank-Dieter Pfefferkorn (Bürgerliste) aus Greene appellierte, einmal grundsätzlich für das gesamte Stadtgebiet über die unterschiedlichen Abwassergebühren nachzudenken. Die Höhe in einzelnen Ortschaften sei „ein Beitrag zur Landflucht“ und treibe die Menschen aus den Dörfern hinaus, die sich hohe Wasser- und Abwasserpreise nicht mehr leisten könnten.

Transparentes Wasser

Wird das Wasser in Kreiensen teurer?

Wird das Wasser in Kreiensen teurer?

Unverzüglich und noch vor der nächsten öffentlichen Sitzung des Betriebsausschusses Stadtentwässerung (19. Mai, 17.30 Uhr, Sitzungssaal der Stadtwerke Einbeck) hat die SPD eine Information für die Bürger in Kreiensen gefordert, warum die Gebühren dort steigen sollen. Laut Verwaltungsvorlage ist vorgesehen, zum 1. Juli 2015 die Grundpreise für den Hauptwasserzähler um mindestens 5 Euro je nach Abnahmemenge zu erhöhen, die Abwassergebühr soll mit 5,38 Euro/Kubikmeter unverändert bleiben. Zu diesem Beschlussvorschlag fordert die SPD-Fraktion in einer Mitteilung von heute (Wortlaut: PM SPD Abwasser Kreiensen 120515), es müssten noch unbedingt Alternativberechnungen vorgelegt werden. Nur dann könnten die Ausschussmitglieder sachgerecht entscheiden. Der Preis von 5,38 Euro sei ohnehin schon sehr hoch.

„Wir fordern von der Bürgermeisterin eine Unterrichtung der Einwohner über die Ursachen für die derzeitige Höhe der Abwassergebühr und eine ausführliche Erläuterung der aktuell geforderten Erhöhung“, erklärte SPD-Ratsherr Klaus-Reiner Schütte in der Presseinfo. Nur wenn offen und vollständig informiert werde, sei Transparenz gegeben. Es sei nicht ausreichend, wenn nur die Entscheidungsträger über die Informationen verfügten.

Laut der Verwaltungsvorlage kommt die angekündigte Erhöhung unter anderem dadurch zustande, dass weniger Wasser verbraucht wurde. 2014 wurden 450.000 eingebucht, um die Gebühren zu stützen; 40 Prozent davon sind bereits für das Jahr 2014 zum Ausgleich der Unterdeckung aufgebraucht worden. Für die Jahre 2015, 2016 und 2017 rechnet die Betriebsleitung der Stadtentwässerung mit einer Unterdeckung von 348.900 Euro, sollten die Gebühren unverändert bleiben.

Nachtrag 18.05.2015: Bei der CDU-Ratsfraktion hat das Ansinnen der SPD für Kopfschütteln gesorgt, wie sie heute in einer Pressemitteilung schreibt (Wortlaut: PM CDU Abwasser Kreiensen 180515). Das sei ein populistisches Manöver, das ganz offensichtlich gegen die Bürgermeisterin ziele. Die hat im Übrigen die ganze Angelegenheit unkommentiert gelassen und auch keine Information zu dem Thema vor der Ausschuss-Sitzung mehr veröffentlicht. Die SPD-Ratsherren, die bereits in der damaligen Gemeinde Kreiensen dabei und heute im zuständigen Betriebsausschuss seien, wüssten doch ganz genau, warum die Stadtentwässerung Einbeck den Vorschlag zur Beratung vorlegen müsse, meint die CDU-Ratsfraktion in ihrer heutigen Mitteilung: „Jetzt so zu tun, als wisse man von nichts und zu versuchen, der Bürgermeisterin, der Fusion oder der Stadtentwässerung den Schwarzen Peter in die Schuhe zu schieben, ist in unseren Augen scheinheilig und unredlich“, so die CDU-Fraktion in ihrer Stellungnahme. Die Gebührenerhöhung sei Konsequenz der vom Rat der Gemeinde Kreiensen beschlossenen Abwasserentsorgung, der geringen Kanalbaubeiträge, der Zinsen für langfristig laufenden Kredite, der vertraglich ausgeschlossenen vorzeitigen Kreditablösungen mit Neuaufnahme zu heutigen Konditionen sowie der beschlossenen Tilgungsmodalitäten.