Es ist ein Mädchen

Glückwünsche an die Siegerin: Dr. Bernd von Garmissen gratuliert Astrid Klinkert-Kittel im Kreishaus.

Glückwünsche an die Siegerin: Dr. Bernd von Garmissen gratuliert Astrid Klinkert-Kittel im Northeimer Kreishaus zur Landratswahl.

An der Spitze des Landkreises Northeim steht erstmals eine Landrätin: Bei der Stichwahl setzte sich die SPD-Kandidatin Astrid Klinkert-Kittel aus Nörten-Hardenberg mit 52,48 Prozent gegen Dr. Bernd von Garmissen (CDU) aus Dassel-Friedrichshausen durch, der auf 47,52 Prozent der Stimmen kam. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 36 Prozent. Alle Ergebnisse im Detail sind hier zu finden. Glückwünsche erhielt Astrid Klinkert-Kittel im zum Wahlzentrum umfunktionierten Sitzungssaal des Northeimer Kreishauses von ihrem unterlegenen Mitbewerber, Dr. Bernd von Garmissen. „Passen Sie gut auf den Landkreis auf“, gab der Rechtsanwalt und Landwirt der bis 2021 gewählten neuen Landrätin mit auf den Weg. Wenige Minuten später gab Kreiswahlleiter Dr. Hartmut Heuer das offizielle vorläufige Endergebnis bekannt, nach dem Klinkert-Kittel mit einem Vorsprung von 2001 Stimmen gegen von Garmissen gewonnen hat. Der Erste Kreisrat überreichte der neuen Landrätin einen Blumenstrauß in den Farben des Landkreises gelb und blau und gratulierte zur Wahl. Es gebe stapelweise Arbeit im Kreishaus, merkte Heuer augenzwinkernd an. Klinkert-Kittel wird vermutlich noch in dieser Woche ihr Amt antreten, nachdem der Kreiswahlausschuss das Ergebnis offiziell am Mittwoch bestätigt hat. Nur wenige Tage bleiben der heutigen Bürgermeisterin von Nörten-Hardenberg, ihre Amtsgeschäfte dort zu übergeben. Die 52-Jährige freut sich auf die Arbeit im Kreishaus, wie sie am Wahlabend in die Mikrophone und Kameras sagte. „Jetzt können wir loslegen mit der eigentlichen Arbeit, das liegt mir mehr als Wahlkampf, die nächsten fünfeinhalb Jahre werden bestimmt spannend.“

Kreiswahlleiter Dr. Hartmut Heuer gratuliert mit Blumen der neuen Landrätin Astrid Klinkert-Kittel (SPD).

Kreiswahlleiter Dr. Hartmut Heuer gratuliert mit Blumen der neuen Landrätin Astrid Klinkert-Kittel (SPD).

Einer der ersten Gratulanten der neuen Landrätin war am Telefon Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Der Landtagsabgeordnete und SPD-Vorsitzende Uwe Schwarz hatte die Verbindung hergestellt. An der Seite von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) hatte Astrid Klinkert-Kittel am Wahlabend das Northeimer Kreishaus betreten. Die neue, bislang parteilose Landrätin dankte ihren Unterstützern, vor allem der SPD. „Ich habe mich gut aufgenommen gefühlt.“

Die Wählerinnen und Wähler wollten offenbar eine Verwaltungsfachfrau, die ihr gesamtes berufliches Leben in der öffentlichen Verwaltung verbracht hat. Und niemanden mit dem Blick von außen, der auch einmal frischen Wind ins Kreishaus hätte bringen können. Mit Blick auf die „historische“ Wahl, nach der erstmals in der Geschichte des Landkreises eine Frau an der Spitze steht, habe ich mir die Überschrift hier erlaubt, die an die mittlerweile legendäre taz-Schlagzeile nach dem ersten Wahlsieg Angela Merkels erinnert.

Spekulativ muss bleiben, warum diejenigen, die vor zwei Wochen Jörg Richert gewählt haben, immerhin 26 Prozent, nicht alle brav der FDP folgend Bernd von Garmissen gewählt haben, und ob alle Grünen bei Astrid Klinkert-Kittel ihr Kreuz gemacht haben. Oder ob manche von ihnen gestern einfach nur zuhause geblieben sind. Dafür fehlt bei der Landratswahl jegliche Datengrundlage. Deutlich wird anhand der Zahlen, dass Klinkert-Kittel mehr mobilisieren konnte, ihr Stimmenanteil wuchs prozentual in allen Gemeinden außer in Dassel stärker als der von Dr. Bernd von Garmissen. Das ist besonders bitter für den unermüdlichen Wahlkämpfer aus Friedrichshausen, der seit Wochen das Bürgergespräch suchte wie kaum ein zweiter. Dem 49-Jährigen gebürt Respekt für das zweimalige Erreichen einer Landrats-Stichwahl. Am Ende fehlten 2000 Stimmen, die seine Mitbewerberin mehr auf ihrem Konto aufweisen konnte. Und am Ende hieß es eben 2:0 für AKK vs. BvG. Aber wie weiland Wickmann, der bis Oktober 2014 bis zu seinem gesundheitsbedingten Ausscheiden amtierende Landrat im Oktober 2013 nach seinem Wahlsieg gegen von Garmissen sagte: Wichtig ist am Ende das Ergebnis auf dem Platz, wie knapp es auch sei. Vom Spielverlauf spricht niemand mehr nach einiger Zeit.

Wie beim ersten Wahldurchgang am 28. Febuar konnte Astrid Klinkert-Kittel neun der elf Gemeinden im Landkreis Northeim für sich entscheiden, allein Dassel und Einbeck bleiben BvG-Land. Bemerkenswert: Diesmal war BvG in seiner Heimatgemeinde stärker als AKK in ihrer. Er kam in Dassel auf 64,61 Prozent und in Sievershausen gar auf stolze 86,38 Prozent, sie in Nörten-Hardenberg auf 63,33 Prozent und in ihrem Wohnort Bishausen auf 71,63 Prozent. Aber auch das half am Ende dem CDU-Mann nichts.

Woran hat’s gelegen? Mit ein paar Tagen zeitlichem und inhaltlichem Abstand erst wird die Analyse klarer werden. Können es auch zu viele Plakate und Zeitungsanzeigen gewesen sein? War nicht vielleicht doch die verbale Umarmung des Jörg Richert mit kaum verklausuliertem Posten-Versprechen kein „normaler Vorgang“, den einige böse skandalisiert haben, wie das die CDU meint. Sondern schlicht eines: ein Fehler. Menschen machen Fehler. Sie zuzugeben zeigt Größe.

Und abschließend noch ein Wort zur Wahlbeteiligung. Natürlich sind knapp 36 Prozent kein Ruhmesblatt. Aber, und das habe ich schon beim ersten Wahldurchgang geschrieben, es hätte schlimmer kommen können. Das darf freilich niemanden trösten, es muss alle gemeinsam anspornen, Wahlen wieder attraktiver zu machen. Und: Wenn Journalisten dabei helfen können, helfen sie. Alarmsignale sind zu erkennen, wer sie erkennen mag: Wenn in mehreren Dörfern (im Bereich der Stadt Einbeck waren das Andershausen, Bartshausen, Holtershausen, Avendshausen, Buensen, Haieshausen) die Auszählung mit anderen Ortschaften gemeinsam erfolgen musste, weil sonst ob der wenigen Stimmzettel das Wahlgeheimnis nicht mehr gewahrt gewesen wäre, sollte das uns alle hellhörig werden lassen.

(Aktualisiert 14.03.2016, 16:10 Uhr)

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FDP für BvG

Die FDP spricht sich bei der Landrat-Stichwahl am 13. März für den CDU-Kandidaten Dr. Bernd von Garmissen aus. Der Kreisvorstand habe am Montag Abend einstimmig diese Empfehlung ausgesprochen, teilte Kreisvorsitzender Christian Grascha heute mit. Inhaltlich sehe man größere Schnittmengen mit dem CDU-Mann als mit SPD-Kandidatin Astrid Klinkert-Kittel. Die Freien Demokraten haben lange mit ihrer Entscheidung über eine Wahlempfehlung gerungen, alles mit beiden Seiten ausgelotet, jetzt ist also die FDP für BvG (parteiinternes Kürzel für Bernd von Garmissen). Dass der von ihnen am 28. Februar unterstützte parteilose Kandidat Jörg Richert selbst keinen der beiden Stichwahl-Kandidaten empfiehlt, können die Liberalen gut verstehen.

Zwei Dinge sind an der Begründung der FDP (2016-03-07 PM Stichwahl FDP) bemerkenswert: Zum einen sagt die FDP, die Richert-Wähler aus dem ersten Wahlgang seien „keine Verfügungsmasse, die man beliebig verteilen kann“. Das ist ganz gewiss so, aber warum dann eine Empfehlung? Zum zweiten halten es die Freien Demokraten für ihre „staatspolitische Verantwortung“, einen der beiden verbliebenen Kandidaten zu empfehlen, damit die Wahlbeteiligung bei der Stichwahl nicht sinkt. Das ist lobenswert, dass offenbar auch die FDP nochmal alle Register ziehen will, um möglichst viele Menschen für die Landratswahl am 13. März zu begeistern.

Was Jörg Richert empfiehlt

Jörg Richert.

Verspricht niemandem die unterstützende Leiter: Der ehemalige Landratskandidat Jörg Richert.

Der mit einem 26-Prozent-Ergebnis am 28. Februar unterlegene Landratskandidat Jörg Richert hat heute eine Wahlempfehlung für die Stichwahl am 13. März abgegeben – die einzig richtige. Nämlich die, keine Empfehlung für einen der verbleibenden Kandidaten abzugeben. Der Salzderheldener bleibt seiner unabhängigen Linie treu und vertraut seinen Wählern, sich ein eigenes Bild von Astrid Klinkert-Kittel (SPD) und Dr. Bernd von Garmissen (CDU) zu machen und dann selbstständig zu entscheiden, wen von beiden sie wählen. Ob auch die FDP, die den 48-jährigen Leitenden Kreisverwaltungsdirektor beim Landkreis Northeim im Wahlkampf unterstützt hatte, so enthaltsam wie Richert sein wird, ist nach wie vor offen.

Jörg Richerts heutige aktuelle Stellungnahme im Wortlaut:

„In den Tagen nach der Landratswahl am 28. Februar 2016 haben mich viele Anfragen erreicht, ob ich meinen Wählerinnen und Wählern empfehlen werde, ihre Stimme in der Stichwahl Astrid Klinkert-Kittel oder Dr. Bernd von Garmissen zu geben. Über diese Frage habe ich zusammen mit meiner Familie und meinem Unterstützerteam intensiv nachgedacht und diskutiert.

Ich habe mich letztlich dafür entschieden, keine Empfehlung abzugeben. Meine Entscheidung beruht auf drei Gründen:

Erstens halte ich meine Wählerinnen und Wähler für mündig, sich selbst ein Bild von den verbliebenden Kandidaten zu machen und eine eigene Entscheidung zu treffen. Sie mögen hierbei nach persönlicher Sympathie, nach sachlich-fachlichen Kriterien, persönlicher Bekanntheit oder sonstigen Gründen votieren. Es werden gute Gründe sein, die jeder Demokrat zu akzeptieren hat.

Zweitens habe ich im Wahlkampf stets betont, dass ich mir als Mitarbeiter der Kreisverwaltung eine gute Zusammenarbeit sowohl mit Frau Klinkert-Kittel als auch mit Herrn Dr. von Garmissen vorstellen kann. Beide bringen die persönlichen Fähigkeiten und Voraussetzungen für das verantwortungsvolle Amt des Landrates mit.

Drittens verstehe ich mich als parteipolitisch unabhängig. Diese Unabhängigkeit möchte ich mir bewahren.“

Wer hat diese Umarmung empfohlen?

Gratulation am Wahlabend: Dr. Bernd von Garmissen (l.), Jörg Richert.

Gratulation am Wahlabend: Dr. Bernd von Garmissen (l.), Jörg Richert.

Eine Umarmung kann freundschaftlich sein, herzlich, sie kann dem Umarmten aber auch die Luft nehmen. Mit seiner überschwänglichen verbalen Umarmung via Pressemitteilung hat Dr. Bernd von Garmissen imgrunde Jörg Richert keine Wahl mehr gelassen. Dass der Salzderheldener nun noch den CDU-Mann aus Dassel-Friedrichshausen in der Stichwahl empfiehlt, halte ich für wenig wahrscheinlich. Warum? Bernd von Garmissen bringt in seiner Pressemitteilung unverhohlen ins Spiel, dass er sich im Falle seines Wahlsieges als neuer Landrat vorstellen könne, „Jörg Richert als möglichen Nachfolger des vermutlich innerhalb der nächsten zwei Jahre in den Ruhestand tretenden Ersten Kreisrats Dr. Hartmut Heuer aufzubauen“. Wird da das Fell schon verteilt, bevor das Tier überhaupt erlegt ist, werden da schon Posten verteilt? Welche Berater haben denn eine solche öffentliche Umarmung empfohlen? Bei der gleichzeitig noch dem aktuellen Ersten Kreisrat ein Tritt vors Schienbein verpasst wird: Garmissen hofft zwar, sicherlich auch im eigenen Interesse, „dass Dr. Heuer der Kreisverwaltung noch möglichst lange erhalten bleibt und somit ein gelungener Übergang erreicht werden kann“. Wenige Zeilen vorher allerdings versucht er sozusagen schon dessen Nachfolge zu regeln. Das vor einigen Monaten zu hörende CDU-Beklagen einer angeblichen Führungsvakanz an der Landkreis-Spitze nach dem krankheitsbedingten Ausfall des bisherigen Landrates haben manche bis heute nicht vergessen. Da nutzen auch die aktuellen Beteuerungen der geleisteten Verdienste desjenigen, der mit seinem Team die Kreisverwaltung gerade angesichts der Flüchtlingsfragen gut am Laufen gehalten hat, nicht mehr viel.

Wenn Richert nun von Garmissen empfehlen würde, wäre das nicht nur eine Steilvorlage für die Mitbewerberin, ein gefundenes Fressen. Es würde immer ein fader Beigeschmack bleiben, sollte von Garmissen gewinnen – und Richert irgendwann mal Erster Kreisrat werden. Jörg Richert wäre jetzt klug beraten, wenn er keine Empfehlung ausspricht.

Die Grünen haben sich unterdessen jetzt mit einem Mal doch für eine Wahlempfehlung entschieden, nachdem sie keinen eigenen Kandidaten aufgestellt und sich vor der Landratswahl am 28. Februar einer Empfehlung enthalten hatten. In einer Mitgliederversammlung haben sich die Grünen in dieser Woche für eine Unterstützung von Astrid Klinkert-Kittel (SPD) entschieden. Ausschlag gebende Argumente seien die langjährige Erfahrung als Führungskraft in der öffentlichen Verwaltung gewesen, außerdem seien die politischen Zielsetzungen Klinkert-Kittels an vielen Stellen mit den Vorstellungen der Grünen deckungsgleich. Und dann zog da noch das Argument Frau, wie die Grünen mitteilten: „Außerdem befürwortet der Kreisverband der Grünen die Aufstellung einer Kandidatin für das Amt in einer Führungsposition“. Nachdem Jörg Richert bei der Stichwahl nicht mehr im Rennen ist, konnten sich bei den Grünen offenbar die Kräfte nicht mehr durchsetzen, die sich für den leitenden Kreishaus-Mitarbeiter stark gemacht hatten. Dass sich die Grünen nun für CDU-Mann Bernd von Garmissen ausgesprochen hätten, war kaum zu erwarten, dann war doch eher wahrscheinlich, keine Empfehlung abzugeben. Aber dem Verlangen aus dem Lager ihres Gruppenpartners im Kreistag, der SPD, konnten die Grünen am Ende wohl auch nicht mehr widerstehen.

Nachtrag 07.03.2016: Die Kreis-SPD hat sich heute zu der Pressemitteilung von Garmissens geäußert. Das öffentliche Buhlen des CDU-Bewerbers nach dem Ausscheiden von Jörg Richert im ersten Wahlgang sei durchsichtig, meinen die Sozialdemokraten. „Wenn jetzt wegen der zweifellos vorhandenen Verwaltungskompetenz Angebote für den Posten eines zukünftigen Ersten Kreisrates gemacht werden, so ist das erstens durchschaubar und zweitens unseriös. Die Besetzung liegt gar nicht in der Zuständigkeit eines Landrates, sondern ist Aufgabe des Kreistages. Wenn es mal soweit ist, wird sicherlich auch Herr Richert für den dann gewählten Kreistag eine Rolle spielen, aber nicht vorher“, heißt es in einer ausführlichen Pressemitteilung (PM Buhlen um Verwaltungskompetenz durchsichtig 07-03-16). SPD-Unterbezirksvorsitzender Uwe Schwarz wird zitiert mit den Worten: „Allein der Respekt ihm (Dr. Heuer) gegenüber gebietet es, nicht aus rein wahltaktischen Gründen eine Debatte über seine gar nicht spruchreife Nachfolge zu starten“. Richtig und wichtig ist der Hinweis, dass der Kreistag einen Ersten Kreisrat wählt. Richtig ist aber auch, dass diese Wahlbeamten-Position der Kreistag auf Vorschlag des Landrates wählt (§ 109 NKomVG). Und der Kreistag, der einen neuen Ersten Kreisrat dann auf Vorschlag des künftigen Landrats wählen wird, wird am 11. September dieses Jahres neu gewählt – seine Zusammensetzung und Mehrheitsverhältnisse sind also noch völlig offen. Genauso, ob die Stelle öffentlich ausgeschrieben wird oder ob der Kreistag im Einvernehmen mit dem Landrat darauf verzichtet.

Nachtrag 10.03.2016: Die CDU hat heute die Äußerungen des SPD-Unterbezirksvorsitzenden Uwe Schwarz mit Befremden und entschieden zurück gewiesen. „Hier soll ein ganz normaler Vorgang skandalisiert werden“, heißt es in einer Pressemitteilung des CDU-Kreisverbandes (PM CDU 100316 Landratswahl) zu den Aussagen Schwarz‘. „Die Öffentlichkeit hat geradezu ein Anrecht darauf zu wissen, wie sich ein Kandidat im Falle seiner Wahl zu positionieren gedenkt, mit wem er sich eine enge Zusammenarbeit vorstellen kann und mit wem nicht“, meint die CDU. Die SPD erachte es offenbar für notwendig, auf den letzten Metern des bislang äußerst fair verlaufenen Wahlkampfs persönliche Angriffe gegen den Mitbewerber lancieren zu müssen.

Keine Empfehlung – noch nicht

Gratulieren, aber zögern noch (v.l.): Torge Gipp, Dr. Reinhard Binder, Marion Villmar-Doebeling, Reiner Jordan, Hans-Martin Glasing, Jörg Richert, Burkhard Grube, Christian Grascha, Dr. Christian Eberl, Eckhard Ilsemann und Irnfried Rabe. Foto: FDP

Gratulieren, aber zögern noch (v.l.): Torge Gipp, Dr. Reinhard Binder, Marion Villmar-Doebeling, Reiner Jordan, Hans-Martin Glasing, Jörg Richert, Burkhard Grube, Christian Grascha, Dr. Christian Eberl, Eckhard Ilsemann und Irnfried Rabe. Foto: FDP

Toll, mehr als respektabel, auf Augenhöhe: Gratuliert mit großen, lobenden Worten hat die FDP dem von den Freidemokraten unterstützten Landratskandidaten Jörg Richert zu seinem 26-Prozent-Ergebnis. Eine Wahlempfehlung für die Stichwahl hat die FDP indes nicht abgegeben – noch nicht. Ob die Liberalen eine Empfehlung zugunsten von Dr. Bernd von Garmissen (CDU) oder Astrid Klinkert-Kittel (SPD) aussprechen werden und wenn ja, für wen, hat die FDP gestern Abend im Vorstand „besprochen, aber noch nicht entschieden“, wie Kreisvorsitzender Christian Grascha heute mitteilte. Man habe noch Beratungsdarf… Spätestens Mitte nächster Woche wolle man sich aber äußern. Und damit wenige Tage vor der Stichwahl am 13. März. Wenn das Taktik sein sollte, mit einer Wahlempfehlung bis fast unmittelbar vor der entscheidenden Abstimmung abzuwarten, dann könnte diese bei vielen Wählern ins Leere laufen. Falls sich Wähler überhaupt nach Empfehlungen richten. Wie gesagt, ist eine Rechnung x+y=z hier zu schlicht kalkuliert. Bei der Stichwahl werden die Karten neu gemischt, und die politischen Akteuren müssen in erster Linie ihre Energie darauf verwenden, die Wahlberechtigten überhaupt zur erneuten Stimmabgabe zu motivieren – auch diejenigen, die sich im ersten Durchgang bereits für die jetzt noch zur Wahl stehenden zwei Kandidaten entschieden hatten.

Wer sticht?

Dr. Bernd von Garmissen (l.) und Astrid Klinkert-Kittel bestreiten die Stichwahl, Jörg Richert schaffte einen Achtungserfolg.

Dr. Bernd von Garmissen (l.) und Astrid Klinkert-Kittel bestreiten die Stichwahl, in die sie der Achtungserfolg von Jörg Richert zwingt.

Die ganz große Überraschung ist ausgeblieben: Wer im achten Stockwerk des Northeimer Kreishauses im seit Monaten verwaisten Chefbüro Platz nehmen wird, entscheidet sich erst in einer Stichwahl am 13. März zwischen Astrid Klinkert-Kittel (SPD) und Dr. Bernd von Garmissen (CDU). Keiner von beiden erreichte die erforderliche absolute Mehrheit, am Ende lag Klinkert-Kittel mit 38,23 Prozent vor von Garmissen (35,64 Prozent). Und doch gab es bei der Landratswahl im Landkreis Northeim kleine Überraschungen am gestrigen Wahlabend. Dass sich alle drei Kandidaten und ihre politischen Unterstützer irgendwie als Sieger sehen, ist keine Überraschung, sondern üblich nach Wahlen. Die FDP, die Jörg Richert als Einzelbewerber unterstützt hat, will sich am Dienstag Abend im Kreisvorstand dazu positionieren, ob es eine offizielle Wahlempfehlung für die Stichwahl geben wird. Die 26 Prozent des Salzderheldeners Jörg Richert nun freilich schlicht der einen Kandidatin oder dem anderen Kandidaten hinzuzurechnen, wäre zu kurz gesprungen, da ist kein Automatismus. Die Karten bei der Stichwahl werden neu gemischt. Zu viele Faktoren spielen eine Rolle, die Zahlen vom Sonntag sind da allenfalls Anhaltspunkte.

Ein Blick auf die Einzelergebnisse in den Städten und Gemeinden macht deutlich, dass die Wähler durchaus regional gewählt haben:

Astrid Klinkert-Kittel ist die Siegerin des Abends, sie erreichte insgesamt die meisten Stimmen. In neun von elf Gemeinden ist die 52-Jährige vorn, nicht aber im Westen. Dass die Bürgermeisterin von Nörten-Hardenberg in ihrer Heimat mit 58,1 Prozent absahnt, überrascht nicht, in ihrem Wohnort Bishausen sind es sogar 66,9 Prozent.

Dr. Bernd von Garmissen erzielte in Dassel und Einbeck seine besten Ergebnisse und konnte sich gegen Klinkert-Kittel als Sieger durchsetzen, hier ist der 49-Jährige bekannter als im östlichen Kreisgebiet. Dass der Landwirt und Rechtsanwalt in seiner Heimat Dassel lediglich auf 56,3 Prozent kommt, ist schon ein bisschen enttäuschend. Das macht auch das starke Ergebnis in seinem Wohnort Sievershausen (81,3 Prozent) nicht wett.

FDP-Kreisvorsitzender Christian Grascha (l.) und Nachbar Jörg Richert.

FDP-Kreisvorsitzender Christian Grascha (l.) und der von den Freidemokraten unterstützte Salzderheldener Jörg Richert.

Jörg Richert erzielte ein Ergebnis, mit dem er selbst hoch zufrieden sein kann. Als Einzelbewerber aus dem Stand kreisweit 26 Prozent der Stimmen zu erreichen, ist eine starke Leistung, in seinem Wohnort Salzderhelden waren es 58,6 Prozent. In Einbeck, Northeim und Kalefeld schaffte Richert es auf Platz 2, in Einbeck hinter von Garmissen, in Northeim und Kalefeld hinter Klinkert-Kittel. Interessant sind die Glückwünsche der beiden Mitbewerber, die Jörg Richert zu seinem Ergebnis gratulieren und im gleichen Atemzug dieses als Beleg dafür anführen, dass die Wähler einen Verwaltungsfachmann wollen (Klinkert-Kittel) und sie diese Kompetenz ja ebenso aufweisen könne bzw. sich überrascht vom Ergebnis Richerts geben (von Garmissen) und dessen Stimmen bei der Stichwahl schon mal quasi vereinnahmen. So einfach ist das aber nicht, Richert hat nicht ausschließlich in konservativem Milieu gefischt, sondern auch (und vor allem im Bereich Kreiensen) auf traditionell sozialdemokratischem Terrain. Das sollte die Parteien für die Kommunalwahl im Herbst hellhörig werden lassen.

Abschließend noch ein Wort zur Wahlbeteiligung. Sie lag knapp unter 40 Prozent. Keine heldenhafte Zahl, aber auch nicht die befürchtete Katastrophe. Viel spannender wird jetzt sein, wie dieser Wert wenigstens gehalten werden kann bei der Stichwahl am 13. März. Die Mobilisierung der Wähler wird entscheidend dafür sein, wer am Ende im achten Stockwerk des Kreishauses sein Namensschild an die Tür dübeln lassen darf.

Auf Facebook bedanken sich die Kandidaten heute bei ihren Wählern.

Astrid Klinkert-Kittel (454 Fans):

Montag, 29. Februar 2016 „Heute ist immer der Tag, an dem die Zukunft beginnt.“- Hans Kudszus – Die erste Hürde…

Posted by Astrid Klinkert-Kittel on Sonntag, 28. Februar 2016

Dr. Bernd von Garmissen (476 Fans):

Gestern war ein spannender und ereignisreicher Tag! Ich danke allen sehr herzlich für Ihre Unterstützung – Im Wahlkampf…

Posted by Dr. Bernd von Garmissen on Montag, 29. Februar 2016

Jörg Richert (442 Fans):

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!Für mich ist der Wahlkampf vorbei, nun möchte ich gerne Danke sagen. Danken möchte…

Posted by Jörg Richert on Montag, 29. Februar 2016