Kein Ilmeblitz mehr bis Salzderhelden

Der Ilmeblitz am PS-Speicher. Archivfoto.

Wenn die Bahnstrecke zwischen Einbeck-Mitte und Salzderhelden für den Schienen- Personennahverkehr (SPNV) reaktiviert ist, wird der historische Ilmeblitz-Triebwagen auf diesem Streckenabschnitt nicht mehr fahren können – jedenfalls nicht so ohne Weiteres. Das geht aus den Antworten hervor, die Ilmebahn-Geschäftsführer Christian Gabriel auf die von Grünen-Ratsherr Dietmar Bartels im Stadtrat gestellten Fragen schriftlich gegeben hat. Leider ist der Sachstandsbericht mit den Antworten nicht im öffentlichen Allris-Ratsinformationssystem hinterlegt, wie dies das ja öffentlich einsehbare Protokoll vom 17. Mai 2017 ankündigt. Die Antworten auf die Bartels-Fragen wurden im Verwaltungsausschuss gegeben. Der Ilmeblitz wird dann zunächst nur noch zwischen Einbeck-Mitte und PS-Speicher verkehren können. Die reaktivierte Trasse nach Salzderhelden wird vollsignalisiert, wie die Bahner sagen. Die Leit- und Sicherungstechnik erfordere sicherheitsrelevante Einrichtungen auf den Triebwagen, die der Ilmeblitz nicht hat. Dieser Sachverhalt sei auch ein Grund gewesen, warum der historische Triebwagen in der Vergangenheit nicht auf das DB-Netz über Einbeck-Salzderhelden hinaus fahren durfte. Eine Nachrüstung des Ilmeblitzes mit der modernen Technik sei allerdings möglich, sie werde „zu gegebener Zeit unter touristischen, aber auch betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten geprüft“, antwortet der Ilmebahn-Geschäftsführer auf die Frage des Grünen-Ratsherrn.

Nach Kenntnis der Ilmebahn GmbH, die allerdings nur Infrastrukturbetreiber ist und selbst mit Vertrieb und Verkauf von Fahrkarten nichts zu tun haben wird, wird die DB Regio mit Beginn des regelmäßigen Schienenverkehrs in Einbeck-Mitte einen Fahrkartenautomat aufstellen.

Nachtrag 28.06.2017: Wie die Stadt Einbeck heute mitteilt, ist die Anlage zum Ratsprotokoll vom 17. Mai 2017 mit den Antworten auf Dietmar Bartels Fragen aus technischen Gründen nicht im Allris-System abrufbar. Hier ist sie deshalb nachgetragen: SachstandsberichtReaktivierungBahnstreckeMai20

Nächster Halt…

Freie Fahrt für den neuen Haltepunkt am PS-Speicher (v.l.): Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, Landrätin Astrid Klinkert-Kittel, Kulturstiftung-Kornhaus-Vorstand Holger Eilers, Stifter-Ehepaar Gabriele und Karl-Heinz Rehkopf sowie Ilmebahn-Geschäftsführer Christian Gabriel und Aufsichtsratsvorsitzender Ulrich Minkner.

Freie Fahrt für den neuen Haltepunkt am PS-Speicher (v.l.): Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, Landrätin Astrid Klinkert-Kittel, Kulturstiftung-Kornhaus-Vorstand Holger Eilers, Stifter-Ehepaar Gabriele und Karl-Heinz Rehkopf sowie Ilmebahn-Geschäftsführer Christian Gabriel und Ilmebahn-Aufsichtsratsvorsitzender Ulrich Minkner.

Viele der 1800 Besucher bei der Eröffnung des PS-Depots im Otto-Hahn-Park im Osten Einbecks haben am Sonnabend die bequeme Anreise direkt vom PS-Speicher genutzt und sind einmal mit dem „Ilmeblitz“-Triebwagen der Ilmebahn GmbH quer durch die Stadt gefahren. Das Unternehmen hat gemeinsam mit der Kulturstiftung Kornhaus nach langer Planungs- und Genehmigungszeit den 40 Meter langen Haltepunkt-Bahnsteig zwischen dem PS-Speicher und dem Hotel Freigeist am Tiedexer Tor eröffnet. Für rund 80.000 Euro ist dort ein Außenbahnsteig gebaut worden, der kombiniert auch als Geh- und Radweg der benachbarten Fichtestraße genutzt wird. „Der Haltepunkt ist neben Ausstellung, Hotel Freigeist und bald der PS-Halle ein weiterer Baustein, der den neu entstandenen Stadtteil langsam komplett macht“, sagte Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek.

Gefördert wurde das Haltepunkt-Projekt am PS-Speicher von der Kultur- und Denkmalstiftung des Landkreises Northeim, da vorerst nur Tourismus-Sonderzüge dort abgewickelt werden sollen. Durch den Haltepunkt können größere Besuchergruppen direkt vom Netz der Deutschen Bahn AG bis vor die Tür des Oldtimer-Ausstellungshauses PS-Speicher fahren. „Mit dem Haltepunkt wird der PS-Speicher noch fortschrittlicher und überregional erschlossen und vernetzt“, freute sich Landrätin Astrid Klinkert-Kittel. „Die reaktivierte Bahnstrecke bis Salzderhelden rückt bald Einbeck wieder ein Stück näher an das nationale Schienennetz heran“, sagte der Vorstand der Kulturstiftung Kornhaus, Holger Eilers. „Das ist gut für Einbeck und für den PS-Speicher.“ Künftig wird an jedem ersten Sonnabend im Monat das PS-Depot für Besucher öffnen; vom Haltepunkt am PS-Speicher fährt dann der „Ilmeblitz“ dorthin. Für angemeldete Gruppen soll es einen ähnlichen Service geben – auch während der Woche, kündigte Eilers an.

Und wer weiß, deutete der Vorstand der Kulturstiftung Kornhaus an, vielleicht werde der neue Haltepunkt ja mal zum regulären Zuganschluss für Schüler der nahen BBS Einbeck, wenn erst wieder regelmäßig die Züge zwischen Göttingen/Salzderhelden und Einbeck-Mitte fahren… Auch Einbecks größter Arbeitgeber KWS baggert ja kräftig, einen Halt an der reaktivierten Bahnstrecke nach Salzderhelden zu bekommen…

Bei aller Euphorie für eine wieder regelmäßig genutzte Bahntrasse: Wenn der Zug zwischen Einbeck und Salzderhelden zu oft zwischenhält, ist der zeitliche Vorteil gegenüber dem Bus schnell wieder aufgebraucht. Außerdem dürften auch die öffentlich gemachten 600 Personen pro Werktag, die ab 2018 am Bahnhof Einbeck in den Zug ein- und aussteigen sollen, mit all den Infrastruktur-Überlegungen danach berechnet worden sein, dass nicht noch ein oder zwei andere stark frequentierte Zustiegmöglichkeiten zwischendrin geschaffen werden.

Wirtschaftsminister-Ingenieur

Wirtschaftsminister Olaf Lies im Porsche-Fahrsimulator auf der Grand-Prix-Strecke in Brasilien.

Wirtschaftsminister Olaf Lies im Porsche-Fahrsimulator des Einbecker PS-Speichers, unterwegs auf der Grand-Prix-Strecke in Brasilien.

Der Mann weiß, wovon er spricht. Wenn er über Motorräder, alte Autos und Maschinen spricht. Olaf Lies (48) ist Diplom-Ingenieur, der Wilhelmshavener hat Elektrotechnik studiert, während seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fachhochschule an mehreren Entwicklungsprojekten der Automobilindustrie mitgewirkt. Heute ist Lies Minister für Wirtschaft, Verkehr und Arbeit in Niedersachsen – und jedes Mal leuchteten bei seinem Besuch in Einbeck seine Augen, wenn er in der Ausstellung des PS-Speichers ein Fahrzeug entdeckte, zu dem er eine Verbindung hatte (etwa der goldene Achilles-Motorroller aus den 50-ern, dem ersten Fahrzeug seiner Schwiegereltern). Und das war öfter bei dem Mann der Fall, der als erstes Auto einen Opel Kadett C fuhr. Olaf Lies versprach, wieder zu kommen in die Erlebnisausstellung. Er habe noch nicht alles sehen können (was nicht allein an der 55-minütigen Verspätung des diesmaligen Einbeck-Besuchs lag). Der SPD-Politiker ist Mitglied im Kuratorium der Kulturstiftung Kornhaus, außerdem Mitglied bei den Förderfreunden und schon deshalb ein Fan des PS-Speichers. „Sie können sehr stolz sein, was Sie hier geschaffen haben“, sagte der Minister an die Adresse von Karl-Heinz Rehkopf und seinem Team, würdigte die 25-Millionen-Euro-Investition, die das Land gefördert hat. „Danke, dass Sie es in Niedersachsen gemacht haben.“

Olaf Lies (r.) mit Ilmebahn-Geschäftsführer Christian Gabriel im "Ilmeblitz" auf dem Weg von Salzderhelden nach Einbeck.

Olaf Lies (r.) mit Ilmebahn-Geschäftsführer Christian Gabriel im „Ilmeblitz“ auf dem Weg von Salzderhelden nach Einbeck.

Zum zweiten Mal fuhr Wirtschaftsminister Olaf Lies mit dem „Ilmeblitz“-Triebwagen der Ilmebahn GmbH die 4,4 Kilometer von Salzderhelden nach Einbeck-Mitte. Anders als vor zwei Jahren, ließ der SPD-Politiker am Ende seiner diesjährigen Sommerreise keine Zweifel mehr aufkommen: „In zwei Jahren fahren wir planmäßig auf dieser Strecke.“ Rund acht Millionen Euro kostet das Projekt, die Bahntrasse für den regelmäßigen Personenverkehr zu reaktivieren: Schienen, Schotter, Weichen – alles wird neu. Der Wirtschaftsminister denkt schon weiter, wie er nach seinem Besuch der Erlebnisausstellung PS-Speicher in Einbeck sagte: Optimal sei eine wieder aktive Bahnstrecke, um das am 1. November eröffnende Hotel Freigeist, das Oldtimer-Museum und die im nächsten Jahr fertig gestellte, 750 Menschen Platz bietende Event-Halle mit dem Zug zu erreichen. Dass es einen Bahn-Haltepunkt zwischen Salzderhelden und Einbeck-Mitte am Firmenstandort der KWS Saat SE in Einbeck geben soll, sagte Unternehmensvertreter Georg Folttmann bei der von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Göttingen organisierten Abschluss-Veranstaltung. „Wir sind da dran.“

Welchen besseren Ort könne es geben, eine Mobilität-Reise zu beenden als im PS-Speicher in Einbeck, in der vor einem Jahr eröffneten Oldtimer-Erlebnisausstellung zur Geschichte der individuellen Mobilität mit bislang mehr als 75.000 Besuchern. „Alte Motorräder, alte Autos ansehen – das freut mein Ingenieur-Herz“, sagte Olaf Lies dann auch zufrieden. Zuvor hatte er im Porsche-Fahrsimulator souverän die Kurven gemeistert.

IHK-Diskussion als Abschluss: Uwe Schwarz MdL (l.), Dr. Florian Schröder mit Minister Olaf Lies im Victoria-Saal des PS-Speichers in Einbeck.

IHK-Diskussion als Abschluss: Uwe Schwarz MdL (l.), Fachbereichsleiter Dr. Florian Schröder (2.v.l.) mit Wirtschaftsminister Olaf Lies im Victoria-Saal des PS-Speichers in Einbeck.

Den für Verkehr zuständigen Minister treibt bei seiner viertägigen sommerlichen Reise quer durch Niedersachsen auf Straße, Schiene und Schiff eine Sorge um: „Mir fehlt die Aufbruchstimmung, wenn Verkehrsinfrastruktur gebaut wird“, sagte Olaf Lies. Viele würden nur die Bedenken sehen, wenn beispielsweise eine neue Straße gebaut werde. Bei Investitionen dürfe der ländliche Raum nicht vernachlässigt werden, nur so könne dieser an die Metropolen angebunden werden. Schließlich könnten und sollten nicht alle Menschen nach Hannover umziehen.

Zum Abschluss seiner Tour zur Verkehrsinfrastruktur hat der Wirtschaftsminister mit rund 50 Gästen in Einbeck über Infrastrukturprojekte in Südniedersachsen diskutiert. Gekommen waren vor allem Vertreter von Unternehmen, aber auch Bürgermeister und Bürgerinitiativen. Vize-Rathauschef Dr. Florian Schröder nutzte die Gelegenheit, beim Besuch aus Hannover für das Thema Breitbandversorgung zu werben, die virtuelle Mobilität des ländlichen Raumes. Der Minister machte jedoch wenig Hoffnung, dass zusätzliches Geld vorhanden sei, um das schnelle Internet in der Provinz fördern zu können.