Fehlte nur der Apfelbaum…

Landrätin Astrid Klinkert-Kittel in der Hullerser Dorfkirche mit Landesbischof Ralf Meister (links).

Einzige Politikerin beim großen Kirchenfest anlässlich der Erinnerung an 500 Jahre Reformation in Hullersen war am Sonntag Landrätin Astrid Klinkert-Kittel. Sie erinnerte in ihrem kurzen Grußwort in der kleinen Dorfkirche an die umwälzenden Auswirkungen der Thesen Martin Luthers vor einem halben Jahrtausend auf Politik und Gesellschaft. Die Landrätin wünschte sich Zuversicht bei den Menschen, egal wie düster die Aussichten auch sein mögen, appellierte an die Menschen, sich für Freiheit, Frieden und Toleranz einzusetzen. Und Astrid Klinkert-Kittel zitierte Luther: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“. Fehlte eigentlich nur der Apfelbaum…

Kunst-Kästen dezentral gestalten

Gestalteter Stromkasten in Hullersen an der Feuerwehr.

Von BBS-Schülern gestalteter Stromkasten in Hullersen an der Feuerwehr.

Der Kulturausschuss hat sich auf die weitere Vorgehensweise beim Projekt „Kunst an Kästen“ geeinigt. Die Ortsräte und der Kernstadtausschuss sollen, wenn dieses jeweils auch gewollt ist, die Federführung für die künstlerische Gestaltung der in ihrem Zuständigkeitsbereich liegenden Verteilerkästen der Telekom und der Stadtwerke übernehmen. Allein die Stadtwerke haben mehr als 1000 Kästen. Durch die Federführung der Ortsräte komme Vielfalt in die Angelegenheit, sie müsse nicht zentral gesteuert oder vorgegeben werden, sagte Klaus-Rainer Schütte (SPD). Die Finanzierung der notwendigen Arbeitsmittel soll aus vorhandenen Ortschaftsmitteln oder durch Sach- und Geldspenden erfolgen, heißt es. Heidrun Hoffmann-Taufall (CDU) dankte der Verwaltung, dass diese den Antrag ihrer Fraktion nach einem Konzept so schnell auf den Weg gebracht habe. Sie hoffe, dass es nun nicht wieder Jahre dauere, bis die Ortsräte tätig würden. In Hullersen hatten sich Initiatoren um Ortsbürgermeisterin Eunice Schenitzki schon vor dem CDU-Ratsantrag auf den Weg gemacht, die Verteilerkästen im Ort durch Schüler der BBS Einbeck gestalten zu lassen, seit Juli dieses Jahres sind die bunten Kästen zu sehen. Interessierte könnten sich gerne in Hullersen melden, wenn sie wissen wollen, wie sie das Projekt angegangen sind, sagte Schenitzki. Von Gestaltungsregeln in der Innenstadt, wie sie noch im Sommer zu hören waren (die Kästen müssen grau/weiß bleiben, um nicht vom Fachwerk oder von der Umgebung abzulenken), ist jetzt keine Rede mehr gewesen. Ich bin mal gespannt, wann die ersten dem Hullerser Beispiel folgen. Wetten könnte ich, dass dies ein anderer Ortsteil sein wird, ist man doch auf dem Dorf handfestes Anpacken gewohnt. Aber ich lasse mich auch gerne vom Gegenteil überzeugen, dass in der Kernstadt die nächsten Kästen-Gestaltungen nach Hullersen von einer Gruppierung realisiert werden. Street-Art-Künstler, an die Dosen, fertig, los! Vielleicht kann man sogar irgendwann einmal einen Wettbewerb ausloben: Wer hat den schönsten Kasten?

Kunst-Kästen

Ortsbürgermeisterin Eunice Schenitzki (SPD).

Ortsbürgermeisterin Eunice Schenitzki (SPD) vor einem Stromverteilerkasten mit Bienenmotiv.

Grau ist alle Theorie. Sagt das Sprichwort. Grau sind auch die Stromkästen, die an der Straße stehen. Aber Theorie ist nicht viel notwendig. Eher eine handfeste, praktische Begabung und der Wille, konkret anzupacken und nicht nur Konzepte ausarbeiten zu lassen. Hullersen hat jetzt vorgemacht, wie es geht. Schon 2013 hatte Ortsbürgermeisterin Eunice Schenitzki erste Kontakte zum Stromversorger Eon aufgenommen und das Projekt initiiert. Nach vielen Gesprächen, auch mit den Berufsbildenden Schulen Einbeck, konnte es in diesem Jahr konkret werden: Rund 20 Schülerinnen und Schüler der BBS Einbeck im Berufsvorbereitungsjahr-Farbtechnik aus den Klassen von Karin Beinsen und Thorsten Espe haben seit Ende Mai mehrmals in der Woche die grauen Kästen verschönert. Richtige Kunstwerke sind entstanden. „Das habt ihr toll gemacht“, dankte heute Eunice Schenitzki den Schülerinnen und Schülern für ihren Einsatz. „Von jedem, der hier mitgemalt hat, ist das Selbstbewusstsein um mindestens 20 Zentimeter gewachsen“, sagte Beinsen. Alle von den BBS-Schülern gemalten Bildmotive auf den Stromkästen haben einen Bezug zur Umgebung, in der die Stromkästen im Dorf steht. Auch die Anwohner wurden in das Projekt mit einbezogen. Neben der Imkerei sind Bienen, neben einer Ferienwohnung beispielsweise ist eine Weltkugel zu sehen, neben der alten Amtsmühle ein Müller-Motiv, neben der Feuerwache ein auf dem Schlauch stehender Feuerwehrmann.

Stromkasten in Hullersen.

Stromkasten in Hullersen.

Und während in Hullersen schon der Malerpinsel geschwungen und konkrete Fragen nach Spezialfarbe geklärt waren, kam in der Juni-Ratssitzung die CDU mit einem Antrag „Kunst an Kästen“ um die Ecke. Die Stadtverwaltung wurde gebeten, „einen Vorschlag zur Herangehensweise und Umsetzung für die künstlerische Gestaltung der Verteilerkästen im gesamten Stadtgebiet zu entwickeln und dieses im Ausschuss für Kultur, Tourismus, Wirtschaftsförderung vorzustellen“, wie es in dem von Ratsfrau Heidrun Hoffmann-Taufall begründeten CDU-Antrag heißt. Im jüngsten Kulturausschuss hat Fachbereichsleiter Dr. Florian Schröder als erste Wasserstandsmeldung mitgeteilt, dass im Bereich innerhalb der Wallanlagen die Verteilerkästen einheitlich grau gestaltet seien, um nicht vom Stadtbild der Innenstadt mit dem Fachwerk abzulenken. Fortsetzung offen, wann es ein Konzept gibt, wie die Kästen gestaltet werden können, sollen und dürfen. Vor allem, von wem. Allein die Stadtwerke haben 1000 Stromkästen, da könnten sich einige Schulklasse austoben.

Sie freue sich sehr, dass die CDU-Fraktion ihre Idee mit ihrem Antrag aufgenommen habe, erklärte Hullersens Ortsbürgermeisterin Eunice Schenitzki, die für die SPD im Stadtrat sitzt. Sie lädt die Christdemokraten und alle Interessierten dazu ein, zur Besichtigung und Erläuterung der Details gern nach Hullersen zu kommen. Von Hullersen lernen, heißt anpacken zu lernen.

In ganz anderem Zusammenhang hat CDU-Ratsfrau Heidrun Hoffmann-Taufall übrigens genau das gemacht: Konkret in einem Kreis von Mitstreiterinnen eine ansehnliche Willkommensplattform im Internet für Flüchtlinge und Migranten mitkonzipiert und mit Inhalt gefüllt. Da musste kein Konzept in Auftrag gegeben werden, doch mal eine solche Website zu konzipieren. Da haben sie einfach angepackt.