Im März kommt der Maler

Das wird das neue Haus der Jugend, die Arbeiten im Innern laufen.

Das wird das neue Haus der Jugend am Kohnser Weg, die Arbeiten im Innern des einstigen Flüchtlingswohnheimes laufen, rechts die Fundamentierungen für Balkon und Fluchttreppe.

Bald am Kohnser Weg.

Ein Transparent weist den Weg.

Eine (politische) Langzeitbaustelle neigt sich dem Ende zu: Die Arbeiten am neuen Haus der Jugend am Kohnser Weg gehen laut Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek planmäßig voran. Geplant sei, im März mit den Malerarbeiten zu beginnen. Anschließend folge die Schlussmontage bei Heizung, Sanitär und Elektro. Es könnte also beim Zeitplan Eröffnung im April 2016 bleiben. Zurzeit werden von Jugendlichen aus dem Jugendzentrum im ehemaligen Flüchtlingswohnheim in sämtlichen Räumen die alten Tapeten entfernt. Die Verwaltungschefin dankte für diese tatkräftige Unterstützung. Die erforderlichen Grundleitungen für das neue Haus der Jugend, dessen Standort der Stadtrat bereits im Mai 2014 (also vor fast zwei Jahren) beschlossen hatte, sind verlegt und auf Dichtigkeit geprüft, sagte Michalek in ihrem Baurapport vor dem Stadtrat. Die Heizung sei in Betrieb, Fenster und Außentüren seien eingebaut. Begonnen haben laut Bürgermeisterin auch die Ausbauarbeiten im Innenbereich (Stellung von Trennwänden, Verlegung von Elektrokabel und Sanitärleitungen). Zurzeit laufen die Fundamentierungsarbeiten für Balkon und Fluchttreppe.

Agenda 2016

Auf diesen Stühlen wird in Einbeck Politik gemacht.

Auf diesen Stühlen wird in Einbeck Politik gemacht.

Bevor sich die kommunale Politik in die Weihnachtstage verabschiedet und auch die Verwaltung im Rathaus „zwischen den Jahren“ ihre Pforten schließt, bevor an den Festtagen im Kreise der Familien Kraft tankende Erholung und Entspannung im Vordergrund stehen, vielleicht sogar die eine oder andere politische Diskussion, lege ich hier schon einmal die Agenda 2016 der Einbecker Politik vor, meine Tagesordnung für das nächste Politik-Jahr in Einbeck. Gleichzeitig die Bilanz zur Agenda 2015 und zum sommerlichen Zwischenfazit. Damit Sie etwas zum Diskutieren haben, wenn die Gans gegessen ist. Kommentieren Sie gerne.

Dieser Blog wird in den nächsten Tagen mit Sicherheit ein wenig ruhiger sein… bevor dann ziemlich zügig im neuen Jahr, einem kommunalen Wahljahr, die Taktzahl der Termine wie der Blogbeiträge wieder dichter sein wird. Schließlich wird am 28. Februar ein neuer Landrat im Landkreis Northeim gewählt. Die drei Kandidaten haben sich vor Weihnachten stets bemüht, die Balance zwischen Präsenz und Penetranz zu wahren, schließlich wollen sie den hektisch Geschenke suchenden Wählern von morgen ja nicht auf die Nerven gehen, dennoch aber müssen sie jeden der noch verbleibenden Tage nutzen, um sich bekannt zu machen und vielen Menschen überhaupt erst einmal erzählen, dass es am 28. Februar diese Landratswahl gibt. Nach der Wahl ist dann auch gleich wieder vor der Wahl: Kaum ist der neue Chef (oder erstmals eine Chefin?) ins Kreishaus gewählt, dürften die ersten auch personellen Vorentscheidungen getroffen werden für die Kreistags-, Stadtrats- und Ortsräte-Wahl, die am 11. September stattfindet. Einige aktive und langjährige Kommunalpolitiker werden die jetzt beginnende kurze Weihnachtspause auch dafür nutzen, im Kreise der Familie in sich zu gehen und zu entscheiden, ob sie noch einmal auf den manchmal ziemlich harten Stühlen des Stadtrates Platz nehmen wollen, sprich: ob sie wieder kandidieren.

Nun aber zur Einbecker Politik-Agenda 2016:

Neues Rathaus: Ja, das Thema wird im nächsten Jahr auf der Tagesordnung bleiben – auch wenn der Stadtrat entschieden hat. Natürlich ist es richtig, dass die getroffene, deutliche Ratsentscheidung demokratisch zu akzeptieren ist. Auch oder vor allem von denen, die das Rathaus nicht kaufen wollten. Aber, und das hat nichts mit Nachtreten zu tun, nur mit Fakten: Zum einen ist der Kauf formal noch nicht abgewickelt. Der Stadtrat hat lediglich entschieden, die Bürgermeisterin zu beauftragen die Kaufverhandlungen abzuschließen. Und hat das Geld in den Haushalt 2016 eingeplant. Verträge sind aber bekanntlich erst dann bindend geschlossen, wenn beim Notar von beiden Seiten die Unterschrift geleistet und die Tinte trocken ist. Diese Vollzugsmeldung gab es bislang nicht. Zum anderen wird das Thema Rathauskauf wie gesagt im Kommunalwahlkampf eine politisch prägende Rolle spielen. Ich bin schon gespannt, welche interpretativen Winkelzüge einige vollziehen werden, um sich die Angelegenheit für ihre Zwecke passend zu machen. Eine nachträgliche Abstimmung der Bürger über den Rathauskauf wird die Stadtratswahl sowieso.

Rathaus 2020: Unter diesem Stichwort läuft die Umstrukturierung der Stadtverwaltung. Aus fünf werden im nächsten Jahr drei Fachbereiche, das Rathaus wird neu organisiert. Nach Mitteilung der Verwaltungschefin haben die ersten drei aus Mitarbeitern bestehenden Arbeitsgruppen Ideen und Vorschläge ausgearbeitet, wie interne und externe Kommunikation in Zukunft aussehen sollen. Und wie die „Wegweisung, Flure und Wartezonen im Neuen Rathaus“. Das alles ist bitter notwendig und überfällig, bei einem Gang durch die Rathausflure fällt jedem einigermaßen aufmerksamen Zeitgenossen ein derartiger Wildwuchs an den Bürotüren auf, dass es einen schaudern lässt. Personalrat und Mitarbeiter mögen von Beginn an eng in das Projekt „Rathaus 2020“ eingebunden sein, wie die Bürgermeisterin betont. Die SPD jedenfalls fühlt sich außen vor gelassen. Und hat einen ersten Vorgeschmack gegeben, wie sie in der politischen Auseinandersetzung vor der nächsten Stadtratswahl agiert, wenn sie sich die CDU-Bürgermeisterin frontal zur Brust nimmt.

Magistrale der Baukultur: Am 9. Februar soll eine planerische Gestaltungsleitlinie öffentlich vorgestellt, bis Mitte April sollen dann die fertigen Pläne dem Stadtentwicklungsausschuss vorgelegt werden. So lautet der aktuelle Stand der Dinge bei diesem Projekt im Rahmen des Fachwerk-Fünfecks; die Sanierung und künftige Nutzung des Alten Rathauses könnte im Rahmen einer so genannten Konzept-Immobilie geplant werden. Im Fokus steht vor allem die Tiedexer Straße, Einbecks Fachwerk-Boulevard, der dringend eine Frischzellenkur benötigt. Das Denkmal-Ensemble kann zurzeit von Passanten wie Touristen gar nicht in seiner ganzen Bedeutung erfasst werden. Weil sich auf den engen Gehwegen niemand lange aufhalten mag, von Außengastronomie mit Aufenthaltscharakter wollen wir gar nicht reden. Nach einer ersten öffentlichen Veranstaltung zur geplanten Neugestaltung der Straßenzüge zwischen PS-Speicher und ZOB mit rund 80 Teilnehmern gab es vor ein paar Tagen ein internes Treffen von Planungsbüro, Stadt und den Hauseigentümern und Anliegern. Das ist gut und richtig so, solche Treffen nicht öffentlich zu veranstalten. Nur so können Anwohner und Stadt im kleinen Kreis miteinander diskutieren ohne immer darauf achten zu müssen, jedes Wort auf die Goldwage zu legen. Eigentümer durften schon erste Skizzen möglicher Veränderungen sehen, um ihre Meinungen und Bewertungen dazu früh und praxisbezogen in die Planungsphase einzubeziehen. Eine schmalere Fahrbahn und längs der Fahrbahn angelegte Parkbuchten sind überlegenswerte Empfehlungen des beauftragten Planungsbüros. Aber allzu viele Parkplätze, wenn überhaupt welche, dürfen dabei nicht verloren gehen. Die Menschen möchten die Tiedexer Straße besser nutzen als heute. Das haben den Planern auch Interessengruppen aus den Bereichen Stadtmarketing, Politik, Kirchengemeinde, Denkmalpflege, Jugend- und Seniorenverbänden und Kulturschaffenden mit auf den weiteren Weg gegeben. Auf erste für die Öffentlichkeit bestimmte Planungsskizzen dürfen wir gespannt sein.

Neustädter Kirchplatz: Hier muss 2016 endlich einmal Entscheidendes passieren. Vor dem Herbst ist damit freilich nicht zu rechnen, denn für März ist zunächst die Vorstellung der prämierten Entwürfe des zurzeit laufenden Architektur-Wettbewerbs geplant. Und danach braucht es ja noch die entsprechenden politischen Beschlüsse, bevor ein Bagger mal baggert… Insgesamt elf gesetzte und geloste Büros nehmen an dem Wettbewerb teil (40 Landschaftsarchitekten hatten sich beworben), im Januar geben die Planer ihre Vorschläge bei einer Preisjury ab, die dann im März entscheiden will. Das Ganze darf keinesfalls so ausgehen wie andernplatzes in Einbeck: Vom Möncheplatz ist mir letztmalig eine Galerie bunter Zeichnungen mit Ideen im Gedächtnis geblieben, datiert Ende Oktober 2013. Passiert ist seitdem: nahezu nichts!

City: Alle schönen Architekten-Zeichnungen dürfen nicht darüber hinweg täuschen, dass die Einbecker Innenstadt als Einkaufsort attraktiver werden muss. Man muss Magneten schaffen, um Kunden anzulocken, heißt es dann immer. Im Physik-Unterricht habe ich mal gelernt, dass Magneten nicht immer anziehend sein müssen (so ist das ja gemeint), sondern sich auch unter bestimmten Voraussetzungen abstoßen können. Das wäre das Schlimmste, das der City passieren könnte! Einkaufswillige Kunden müssen aber erst einmal einen Impuls haben, ausgerechnet in Einbeck einkaufen zu wollen – in der Innenstadt. Das funktioniert mit attraktiven Firmen und ihrem Angebot, das die Kunden nirgendwo sonst bekommen können, mit einer gut geölten Gastronomie und der Kombination von allem. Die Grüne Wiese ist in Einbeck genügend gemäht, das Handelsherz City schlägt auch noch. Aber niemand ist gezwungen, bis zum ersten schweren Herzinfarkt zu warten, um tätig zu werden. Lobenswert ist es in diesem Zusammenhang, dass die Stadt die Marktstraße umgestalten, beleben und aufwerten will. Die 1A-Lage hat es nötig, das Pflaster und die Möblierung sind in die Jahre gekommen. Erste Überlegungen dazu soll es im Januar im Stadtentwicklungsausschuss geben, die Planungen im April starten.

Stukenbrokpark: Nach bunten Zeichnungen, Skizzen und Ortsterminen wäre es zu schön, wenn sich hier 2016 mal etwas Sichtbares tun würde. Vielleicht kann ich ja wenigstens im Sommer 2016 mal gemütlich in einem Buch aus Stadtbiliothek im Liegestuhl im Stukenbrokpark lesen… Der Zeitplan sieht allerdings nicht danach aus. Die bis Ende 2017 in unmittelbarer Nähe vorgesehene Umgestaltung des ZOB könnte dem Ganzen allerdings ein bisschen Drive geben. Das wäre gut.

Wirtschaftsförderung: Durch die veränderte Verwaltungsorganisation („Rathaus 2020“) wandert die Zuständigkeit im Rathaus für das Thema Wirtschaftsförderung vom Allgemeinen Bürgermeisterin-Vertreter Dr. Florian Schröder zum Bauamtsleiter. Frithjof Look kann das durchaus als Kompetenz-Zugewinn und Vertrauensvorschuss werten – und Schröder nicht als Degradierung, schließlich bekommt er in seinen Fachbereich die wichtigen Finanzen. Der 29-jährige Frithjof Look hat sich seit seinem Start im Mai in Einbeck intensiv, strukturiert und gut eingearbeitet (und bei der Inventur und beim Aktenstudium auch so manches entdeckt, was viele gar nicht mehr auf dem Schirm hatten, zum Beispiel die „vergessene“ Fußgängerzone und Verkehrssituation in der Oleburg). Allmählich wird seine Arbeitsstruktur sichtbar, die er transparent (beispielsweise auf der Website der Stadt) öffentlich abbildet. Ob er meine Forderung (und nicht nur meine), einen Denkmalschutz mit Augenmaß und keinen Maximalismus zu betreiben, wird umsetzen können, bleibt abzuwarten und kann man nur an ersten konkreten Projekten sehen. Zu wünschen ist Look jedenfalls, dass er bei (politischem) Gegenwind standhaft bleibt und diesen Gegenwind argumentativ erklärend zu entkräften sucht. Bei der Einbeck Marketing GmbH hat Look mit Florian Geldmacher (30) einen ebenso jungen Mitspieler im Bereich Wirtschaftsförderung an seiner Seite, mit dem er sich inhaltlich abstimmen muss. Ob und wie das junge Duo harmoniert, werden wir im neuen Jahr sehen. Ich bleibe dabei: Junge Führungskräfte brauchen erfahrene Menschen an ihrer Seite, die ungestümes Verhalten sanft, aber bestimmt drosseln, wenn dies notwendig sein sollte. Trotzdem darf jugendlicher Elan durchaus spürbar werden. Denn davon kann Einbeck nie genug haben. Es wird Zeit, dass sich was bewegt.

Und wäre das alles noch nicht genug, darf ich nur noch mal an ein paar nervige Warteschleifen erinnern, an Themen, von denen man lange nichts mehr gehört hat, die aber immer noch entschieden werden müssen (und sei es nur, das Projekt endgültig zu beerdigen). Ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Leerstandsimmobilien-Kataster, freies WLAN in der City, Runder Tisch Ärzte, Interessenvertretung für Jugendliche… wobei mir gerade beim letzten Punkt im Zusammenhang mit dem neuen Haus der Jugend angesichts einer jungen Linde die Frage durch den Kopf geht, warum eigentlich nach langen Irrungen und Wirrungen für viel (Steuer-)Geld ein neues Jugendzentrum gebaut wird, während andere jetzt ihre eigene Freizeithütte für Jugendliche in einer Jugendstil-Villa gestalten – und das auch noch in Sichtweite des Rathauses… Können die nur nicht abwarten, bis das neue Haus der Jugend am Kohnser Weg fertig ist? Laut Bürgermeisterin sollen im Januar im neuen Haus der Jugend die Fenster und Außentüren eingebaut werden, so dass der Innenausbau dann im Winter folgen kann, geplante Eröffnung Mai 2016. Oder wollen die jungen Linden nur mal zeigen, dass es auch schneller gehen kann? Das neue Jahr wird die Antwort geben.

Haus der Verzögerung

Das städtische Jugendzentrum am Standort Kohnser Weg in einem der ehemaligen Flüchtlingswohnheime wird später eröffnet als geplant. Das neue Haus der Verzögerung, pardon Haus der Jugend, soll dort erst im Mai 2016 seine Pforten für die Jugendlichen öffnen. Und warum? Noch immer liegt keine Baugenehmigung für den Umbau vor, als Grund für notwendig gewordene Veränderungen der Planungen nannte heute die stellvertretende Fachbereichsleiterin Angelika Winkler im Jugend-Ausschuss des Stadtrates Auflagen des Brandschutzes. Man hoffe aber, bis Ende der Woche alle Unterlagen beisammen zu haben für die Baugenehmigung. „Das ist für uns alle unbefriedigend“, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek. Und erntete immerhin allgemeine Zustimmung. Zwischenzeitlich konnte man als Beobachter den Eindruck gewinnen, das im Frühjahr vergangenen Jahres so emotional diskutierte Thema interessiere niemanden mehr so wirklich – niemanden in der Politik, und auch niemanden in der Jugendarbeit. Die Auflagen der Brandschutzes seien nicht absehbar gewesen für das beaufragte externe Ingenieurbüro, sagte Michalek, die jüngste Verzögerung dort wegen Urlaubs jedoch ärgerlich. Klaus-Rainer Schütte (SPD) möchte geprüft wissen, ob von dem Honorar für das externe Büro nicht ein Teil einbehalten werden könnte, wenn Unterlagen nicht vollständig gewesen seien und die Angelegenheit sich daher verzögere.

Nachtrag 20.07.2015: Laut Sitzungsprotokoll ist eine Honorar-Reduzierung rechtlich nicht durchsetzbar. Ein Verzug könne nur geltend gemacht werden, wenn es eine Terminierung gegeben hätte. Es sei aber versäumt worden, die Beauftragung mit einem Fixtermin für die Vorlage zu versehen. Zusätzliche Kosten für die Änderung entstehen laut Stadt nicht, es sei schriftlich zugesichert worden, dass alle im Genehmigungsverfahren erforderlichen Änderungen im Rahmen des Gesamthonorars geleistet würden.

Es wird Herbst…

Nach allem, was man so hört, wenn man überhaupt etwas hört, dürfte das neue Haus der Jugend im ehemaligen Flüchtlingswohnheim am Kohnser Weg erst im Herbst kommenden Jahres eröffnen. Auch wenn die Vorsitzende des Ausschusses für Jugend, Familie und Soziales, Margrit Cludius-Brandt (SPD), heute nochmal nachfragte, ob man das beschleunigen könne, bleibt es nach den Worten von Fachbereichsleiter Albert Deike bei dem bereits vor Monaten genannten Zeitplan: September/Oktober 2015. Das habe ihm auch der Fachbereich Bau nochmal aktuell bestätigt. Die Baugenehmigung werde in Kürze erteilt. Die statische Berechnung sei beauftragt und Anfang des neuen Jahres vorliegen.

Wie bereits geschrieben, hätte man den ursprünglichen Termin April 2015 nur halten können, wenn man die weitere Bauplanung mit Ausschreibungen extern vergeben hätte und nicht im durch andere Projekte belasteten Bauamt. Das dadurch nicht ausgegebene Geld möchte die Stadt lieber für eine Multifunktionshalle und ein neues Jugendgästehaus ansparen, die dann bei gewährten Zuschüssen eventuell 2016 realer werden könnten.

 

Priorität Haus der Jugend?

Das Haus der Jugend liegt seit Juli 2014 am Rande des Parkplatzes des PS-Speichers.

Das Haus der Jugend (mit Grafiti-Giebelwand) liegt seit Juli 2014 am Rande des Parkplatzes des neuen PS-Speichers.

Der Zeitplan für den Umbau des ehemaligen Flüchtlingswohnheims am Kohnser Weg zum neuen Haus der Jugend ist massiv in Gefahr. Wahrscheinlich wird es mehrere Monate länger dauern, bis das städtische Jugendzentrum umziehen kann. Das wurde heute im Jugendausschuss des Stadtrates deutlich. Ursprünglich war der April 2015 als anvisierter Umzugszeitpunkt genannt worden, im Juni war im zuständigen Fachausschuss gar noch davon die Rede, dass es schneller gehen könnte, wenn man am vorgestellten Zeitplan „noch etwas zusammenschiebe“, sagte damals Fachbereichsleiter Albert Deike. Heute hörte sich das anders an. Die Maßnahme lasse sich leider nicht so wie vorgesehen umsetzen, erklärte er. Der von einem externen Architekturbüro erarbeitete Bauantrag ist am 20. August gestellt worden. Soweit so gut. Parallel sollte jedoch die Ausschreibung der Aufträge erfolgen, erläuterte der Jugend-Fachbereichsleiter. Der Fachbereich Bauen sehe sich aber zurzeit wegen anderer Projekte nicht in der Lage, dieses abzuarbeiten. Daher gebe es zwei Optionen: Entweder man vergebe den Gesamtauftrag an das Architekturbüro, dann sei der Termin April/Mai 2015 zu halten, das verursache aber etwa 63.000 Euro zusätzliche Kosten. Oder aber der Rathaus-Fachbereich übernehme die Aufgabe, dann müsse man als Umzugstermin September/Oktober 2015 nennen.

Wenn sich die Rathausspitze schon für die hausinterne Variante entschieden hat, kann die Politik dieses durchaus noch ändern – im Verwaltungsausschuss zum Beispiel. Für mich wäre das auch die logische Schlussfolgerung aus der heutigen einmütigen Äußerung des Jugendausschusses, man wolle schnellstmöglich ein neues Haus der Jugend. In der Tat ist es schon sehr bemerkenswert, wie schnell im vergangenen Jahr im städtischen Bauamt die wesentlich umfangreicheren Planungen zum PS-Speicher abgewickelt werden konnten. Die Jugend aber habe offenbar diese Prioritäten-Lobby nicht, meinten heute auch Rolf Hojnatzki (SPD) und Heidrun Hoffmann-Taufall (CDU) fast unisono. Ich bin gespannt, ob sich die Politik traut, beim Haus-der-Jugend-Projekt ein bisschen Dampf zu machen, auch auf die Gefahr, dass beispielsweise eventuell Projekte der heiligen Feuerwehr ein wenig warten müssten. Oder aber eben das Geld in die Hand zu nehmen, wenn sie es ernst damit meint, dass die Jugend ihr wichtig ist. Und übrigens: Schon in der Ausschuss-Sitzung im Juni war gesagt worden, dass sich der Bau-Fachbereich nicht in der Lage sehe, alle Aufgaben zu erledigen. Warum hat man damals nicht schon gehandelt?

Auf der einen Seite ist es verständlich, dass die Stadtjugendpflege die rund 60.000 Euro Planungskosten viel lieber als Grundstock für eine als Anbau geplante Multifunktionshalle nehmen würde. Auf der anderen Seite klingt es schon merkwürdig, wenn Stadtjugendpfleger Henrik Probst heute sagt, es sei von den Mitarbeitern durchaus zu verschmerzen, wenn es ein paar Monate länger bis zum Umzug dauere. Die schwierige Baustellen-Situation mit dem PS-Speicher gebe es ja nicht mehr, es sei wieder Ruhe eingekehrt, der Ferienpass im Sommer beispielsweise sei gut und problemlos gelaufen. Da könnte man ja die fast ketzerische Frage stellen, ob das Haus der Jugend überhaupt noch umziehen muss, wenn es doch auch am heutigen Standort irgendwie geht. Der PS-Speicher scheint ja das Gebäude und HdJ-Gelände (mit einem Mal?) nicht mehr allzu dringend zu benötigen…

Nachtrag 24.09.2014: In der heutigen Ratssitzung war das Haus der Jugend nur in den Mitteilungen der Bürgermeisterin kurz Thema. Aber auch nur in der Weise, dass die Jugendlichen bei der konkreten Planung des Umbaus beteiligt würden. Kein Wort von der Verwaltungschefin zum ja ins Rutschen gekommenen Zeitplan, kein Wort zu den oben von mir beschriebenen möglichen Alternativen, den Zeitpunkt April/Mai 2015 doch noch einhalten zu können, wenn man wirklich will. Schade. Aber noch gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass Politik vielleicht doch noch mehrheitlich mutig wird.

Haus der Jugend: Schneller als April 2015?

Die zwei Gebäude des ehemaligen Flüchtlingswohnheimes am Kohnser Weg, im Vordergrund der Festplatz an der Twetge.

Die zwei Häuser des ehemaligen Flüchtlingswohnheimes am Kohnser Weg: Im Gebäude links soll das Haus der Jugend entstehen, links daneben in einem zweiten Schritt eine Multifunktionshalle, im Gebäude rechts das Jugendgästehaus.

Es wäre den Beteiligten zu wünschen, dass sich der heute im Jugend-Ausschuss vorgestellte Zeitplan für die Zeit bis zum Umzug des Hauses der Jugend an den Kohnser Weg „noch etwas zusammenschieben lässt“, wie sich auch Fachbereichsleiter Albert Deike wünschte. Denn wenn es nicht noch irgendwo im Ablauf schneller gehen sollte, wäre ein Umzug des Jugendzentrums erst im April 2015 möglich, nachdem im November die Umbauarbeiten begonnen haben. Die Zeit davor geht mit Planung, Bauantrag, öffentlicher Ausschreibung und Auftragsvergabe drauf. Aber vielleicht ist da ja noch Luft, zumal den gesamten Job ein externes Architekturbüro übernehmen soll, weil sich laut Deike der Fachbereich Bauen und Planung im Rathaus aktuell nicht in der Lage sieht, die Aufgaben zu erledigen. Die SPD, die zuletzt Tempo verlangt hatte, ist offenbar mit dem aufgestellten Zeitplan zufrieden. „Das hört sich schon ganz gut an“, sagte Ausschuss-Vorsitzende Margrit Cludius-Brandt (SPD). Wenn es April würde, wäre sie froh. Wenn’s schneller ginge, natürlich auch. Wichtig sei, dass nach der Grundsatz-Entscheidung des Rates für den Standort Kohnser Weg der Fachausschuss beim weiteren Vorgehen beteiligt werde. Der Jugend-Ausschuss hat sich jedenfalls heute einstimmig „mit den Veränderungen zur räumlichen Unterbringung von Haus der Jugend und Jugendgästehaus sowie Multifunktionshalle einverstanden erklärt“.

Das von der Stadtjugendpflege und den Mitarbeitern des HdJ weiter entwickelte Raumkonzept für das neue Haus der Jugend im hinteren Gebäude der zwei ehemaligen Flüchtlingswohnheime hatte zuvor Stadtjugendpfleger Henrik Probst den Ausschuss-Mitgliedern vorgestellt. Für die Detailplanung möchte er den Arbeitskreis reaktivieren, in circa drei Wochen soll es hier ein erste Treffen der Jugendlichen geben. Das Konzept sieht zurzeit vor, auf dem Außengelände unter anderem Fläche für einen Fußballkäfig bereit zustellen, außerdem soll zwischen den Häusern in einem Atrium Platz zum Chillen und Grillen sein.

Laut Raumkonzept soll es im Erdgeschoss des Gebäudes vor allem ein 100 Quadratmeter großes Jugendcafé geben, mit Bühne und direktem Eingang von außen. Hinzu kommt eine Küche, ein Büro und die große WC-Anlage. Außerdem für das Erdgeschoss vorgesehen ist ein etwa 70 Quadratmeter großer Fitnessraum. Die 40×20 Meter große eingeschossige Multifunktionshalle soll sich direkt südlich an das neue Haus der Jugend anschließen, beide Gebäude sollen die große Toilettenanlage gemeinsam nutzen. Herzstück des Halle soll 10×20 Meter Sportfläche sein, hinzu kommen Bühne, Theke, Kletterwand, Platz für Streeball und Skater sowie eine „Chill out area“.

Im Obergeschoss des neuen Hauses der Jugend in dem einen Gebäude des einstigen Flüchtlingswohnheims soll es laut derzeitigem Konzept drei Proberäume für Musikgruppen geben, außerdem ein Multimedia/Tonstudio. Die Kreativwerkstatt bekommt zwei Räume (nass & trocken), außerdem einen Lagerraum. Auch Zimmer für die Funker und die Zierfischfreunde sind geplant, sie könnten dann aus ihren Provisorien wieder ins städtische Jugendzentrum zurückkehren. Außerdem soll es im Oberschoss einen großen, teilbaren Multifunktionsraum geben.

Die Jugendlichen seien von dem Konzept begeistert, sagte Henrik Probst: „Das kann ein großer Wurf für Einbeck werden, so eine Chance bekommen wir nie wieder.“

Für den Bau einer Multifunktionshalle muss der Flächennutzungsplan der Stadt Einbeck geändert werden. Das dauert laut Fachbereichsleiter Albert Deike ein Dreivierteljahr, „passt gut in die Zeitschiene“. In der Tat: Wann sie, über die seit bald 20 Jahren diskutiert wird, gebaut wird, werden am Ende erst die Haushaltsberatungen für 2015 zeigen.

Und wann das Jugendgästehaus neben dem Haus der Jugend Realtität wird, werden ebenfalls die Etat-Debatten im Herbst weisen. Wie Fachbereichsleiter Albert Deike sagte, sei das DRK jedenfalls wieder daran interessiert, am Kohnser Weg im vorderen Gebäude ein Gästehaus für Jugendliche zu betreiben. Am Umbau finanziell beteiligen werde sich das DRK jedoch nicht. Und auch eine Miete werde vermutlich nicht kostendeckend für die Stadt sein, sagte Deike. Die Gespräche mit dem Roten Kreuz liefen aber noch.

Das hintere Haus (der Jugend)

Ort des neuen Hauses der Jugend: das Flüchtlingswohnheim am Kohnser Weg. Archivfoto

Das hintere Gebäude soll das neue Haus der Jugend am Kohnser Weg werden. Archivfoto

Nachdem die SPD kürzlich mehr Tempo bei der Umsetzung des Ratsbeschlusses für den neuen Standort des städtischen Jugendzentrums angemahnt hatte, ist heute vor der nächsten (auf Antrag der SPD zustande gekommenen) Ausschuss-Beratung des Themas ein neues Detail bekannt geworden: Wie es in der Vorlage für das Treffen am Donnerstag, 12. Juni, heißt, soll das Haus der Jugend entgegen der ursprünglichen Planung im hinteren der zwei Gebäude des ehemaligen Flüchtlingswohnheims unterkommen.

Beginn der öffentlichen Sitzung ist um 17 Uhr im Neuen Rathaus (Zimmer 107). Entgegen den ursprünglichen Überlegungen soll das vordere Haus am Kohnser Weg als Jugendgästehaus und das hintere Haus als Haus der Jugend genutzt werden, so dass für die Multifunktionshalle hinter dem Haus der Jugend mehr Platz zur Verfügung stehen könnte und dafür kein Gelände des Festplatzes mit in Anspruch genommen werden müsse, so die Planungen im Rathaus. Nähere Einzelheiten will die Stadtverwaltung in der Sitzung mitteilen. Das gelte auch für den aufzustellenden Zeitplan, den die SPD von der Bürgermeisterin angemahnt hatte.