Bahnhof Kreiensen: Nutzungskonzept wird erarbeitet

Bahnhofsgebäude in Kreiensen.

Was passiert mit dem weitestgehend leer stehenden Bahnhofsgebäude in Kreiensen? Seit dem vergangenen Jahr hat die Immobilie mit 2800 Quadratmetern Nutzfläche nach einer Versteigerung einen neuen Besitzer. Wie Einbecks Bauamtsleiter Frithjof Look jetzt auf meine Anfrage mitteilte, habe die Stadt mit dem neuen Eigentümer mittlerweile mehrere Gespräche geführt, und es haben gemeinsame Ortsbesichtigungen stattgefunden. Derzeit werde in Abstimmung mit der Stadt Einbeck ein Nutzungskonzept für das gesamte Objekt entwickelt. Sobald die Planungen etwas konkreter gediehen seien, werde man öffentlich mehr darüber sagen können, erklärte Look.

Keine Rotkäppchen mehr

Bei der Einweihung des Bahnhofs Kreiensen im Mai 2014 nach der Modernisierung gab es noch die "Rotkäppchen", hier neben Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek. Archivfoto

Bei der Einweihung der Bahnhofaufzüge in Kreiensen im Mai 2014 nach der Modernisierung gab es noch die „Rotkäppchen“, hier neben Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek. Archivfoto

Am Bahnhof Kreiensen wird es kein Service-Personal der Deutschen Bahn mehr geben. Ein wenig hatte es zuletzt noch Hoffnung gegeben, dass das nach Abschluss der Bahnhofmodernisierung abgezogene Personal, liebevoll gerne „Rotkäppchen“ genannt, doch noch wieder in Kreiensen Bahnreisenden würde zur Verfügung stehen können. Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek hat dem Verwaltungsausschuss jetzt nach Gesprächen mit der Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) und der Bahn mitgeteilt, dass die DB Station und Service AG keine Notwendigkeit sehe, Servicepersonal zu stellen. Der Bahnhof Kreiensen sei in die Kategorie 4 eingestuft, in dieser gebe es kein Personal mehr. Auch der Charakter des Umsteigebahnhofs verändere dies nicht. In Kreiensen sind laut Bahn täglich rund 3000 Fahrgäste unterwegs. Service-Personal war da immer dann hilfreich, wenn Reisende wegen Verspätungen ihre Anschlussverbindungen nicht oder nur sehr knapp erreichen konnten. Wie die Bürgermeisterin nach den Gesprächen außerdem mitteilte, habe die LNVG Gespräche über den Austausch von Vorankündigungen bei verspäteten Zügen mit allen in Kreiensen verkehrenden Eisenbahnunternehmen geführt. Die Informationen untereinander sollen verbessert werden, in weiteren Gesprächen soll zudem erreicht werden, dass die Umsteigezeiten erhöht und damit die Umsteigesicherheit und -möglichkeit gewährleistet werden können. Auch die Wegweisung im Bahnhof Kreiensen soll durch die DB Station und Service AG verbessert werden, berichtete die Rathauschefin auf Anfrage.

Hoffnung auf Rotkäppchen

Zweimal gelb: Nur noch Metronom-Fahrkartenautomaten gibt es am Bahnhof in Kreiensen (Foto) und in Salzderhelden.

Zweimal gelb: Nur noch Metronom-Fahrkartenautomaten gibt es am Bahnhof in Kreiensen (Foto) und in Salzderhelden.

Das kleine Gebäude direkt am Gleis ist verwaist, nur noch leere Schreibtische sind von außen durch die großen Glasscheiben zu erkennen. Hier hatten früher die Mitarbeiter des Service-Personals der Deutschen Bahn AG ihren Platz, wenn sie nicht gerade auf dem Bahnhof in Kreiensen unterwegs waren, um Auskunft zu geben und Bahnreisenden zu helfen. Seit Monaten schon gibt es keine Rotkäppchen mehr am Bahnhof im Einbecker Ortsteil Kreiensen, so werden die Service-Mitarbeiter der Bahn mit der markanten roten Kappe liebevoll genannt.

Ein bisschen Hoffnung gibt es aber noch. Wie mir Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek auf meine Frage sagte, soll es nach einem von der SPD-Ratsfraktion angeschobenen Gesprächstermin mit Vertretern der Schienenverkehrsbetreibern und der Politik Ende August nun Mitte Dezember auf Einladung der Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) ein Gespräch mit der DB Netz geben. Die Bahn hatte immer argumentiert, dass es das Service-Personal grundsätzlich nur noch auf Bahnhöfen mit einer gewissen Größe (Fahrgastzahlen) gebe. In Kreiensen sind laut Bahn täglich rund 3000 Fahrgäste unterwegs.

Unterdessen finden Bahnreisende seit einigen Wochen keinen Fahrkarten-Automaten der Deutschen Bahn AG mehr am Bahnhof in Kreiensen. Auch in Einbeck-Salzderhelden stehen nur noch zwei gelbe Geräte des Unternehmens Metronom im Bahnhofsgebäude. Die Veränderung ist Teil eines neuen Vertriebsmodells, erklärte Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis auf meine Anfrage. Die LNVG habe den stationären Fahrkartenverkauf vollständig einem einzigen Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) übertragen. Durch das daraus resultierende Fahrkarten-Vertriebsverbot für andere EVU rund um den Bahnhof mussten die DB-Automaten abgebaut werden. Im Bahnhofsgebäude in Kreiensen gebe es aber unverändert eine Agentur mit DB-Lizenz, in der alle Fahrkarten der Deutschen Bahn während der Öffnungszeiten erworben werden können. Da im Nahverkehr der Niedersachsentarif gilt, können in den Metronom-Automaten beispielsweise auch Tickets für Fahrten mit dem Regionalexpress der Deutschen Bahn von Kreiensen nach Bad Harzburg gekauft werden. Meyer-Lovis: „Alle vorhanden Nahverkehrsangebote im Automaten haben auf der gewählten Relation in den Nahverkehrszügen Gültigkeit.“

Ein wenig mysteriös ist in diesem Zusammenhang, dass in Northeim am Bahnhof noch DB-Automaten stehen und die Bahn das damit erklärt, dass in Northeim Fernreisezüge halten. Das tun diese zwar auch in Kreiensen (Intercity). Aber das klärt sich sicher bald…

Nachtrag 27.11.2015: Heute hat sich der FDP-Landtagsabgeordnete Christian Grascha (Einbeck-Salzderhelden) zum Abbau der DB-Fahrkartenautomaten an den Bahnhöfen Kreiensen und Einbeck-Salzderhelden geäußert und eine Anfrage an die Landesregierung (Grascha_Anfrage DB Fahrkartenautomaten-26112015130928) gestellt. Der Freidemokrat möchte wissen, ob die Landesregierung vorab in Kenntnis gesetzt worden ist, dass die Automaten abgebaut wurden, und ob es Gespräche gab den Abbau der Automaten zu verhindern und welche Maßnahmen die Landesregierung plant, um den betroffenen Bürgern den Verkauf in Bahnhofsnähe zu jeder Tages- und Nachtzeit wieder zu ermöglichen. Anders als von Grascha jedoch in seiner Pressemitteilung (2015-11-16 Anfrage DB Fahrkartenautomat Grascha FDP) behauptet, sind Nahverkehrskarten für DB-Verbindungen (z.B. von Kreiensen nach Goslar zum Weihnachtsmarkt) auch in den verbliebenen Metronom-Automaten erhältlich, das habe ich persönlich ausprobiert. Anders verhält es sich mit Fernverkehrskarten für den IC. „Ein unkomplizierter Zugang zu Fahrkarten des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs ist ein wichtiger Standortvorteil für den ländlichen Raum. Insbesondere Pendler trifft die Einschränkung erheblich“, kritisiert Grascha. Hoffentlich ist der Fakt, dass auf dem Northeimer Bahnhof noch DB-Automaten stehen (mit Hinweis auf die dortig haltenden Fernverbindungen) kein Hinweis darauf, dass IC-Verbindungen oder -Halte in Kreiensen in Zukunft gestrichen werden könnten…

Nachtrag 27.12.2015: Der Fahrgastverband „Pro Bahn“ Südniedersachsen hat sich der Angelegenheit noch einmal angenommen und in einer Pressemitteilung (2015_12_23_PIRV_Fahrkartenautomaten) kritisiert. Es könnten an den Stationen der Leinetal-Strecke wie in Kreiensen an den dortigen Metronom-Automaten keine Fahrscheine für den Fernverkehr der Deutschen Bahn und erst Recht keine Sparpreise mehr erworben werden. Nicht einmal das Lösen eines „Antrittsfahrscheins“, der die Fahrgäste zum Kauf der „richtigen“ Karte im Zuge ermächtigt, sei möglich, kritisiert „Pro Bahn“. „Dies ist sehr ärgerlich, weil damit der Übergang vom Nah- zum Fernverkehr – zum Beispiel von Nörten-Hardenberg nach Bremen oder von Northeim über Göttingen nach Frankfurt – deutlich erschwert wird. Den durchgängigen Fahrschein gibt es nur noch am Schalter, im Internet oder dort, wo DB-Automaten stehen.“

Nachtrag 06.01.2016: Hier gibt’s einen interessanten Forum-Beitrag zu der Thematik: Drehscheibe-Online.de. Inzwischen hat auch der FDP-Landtagsabgeordnete Christian Grascha eine Antwort der Landesregierung (Antw zu 4682) auf seine Anfrage vorliegen, hierzu auch seine aktuelle Pressemitteilung (Grascha 2016-01-04 Fahrkartenautomaten). Laut Landesregierung werde es auf absehbare Zeit an den Bahnhöfen in Einbeck-Salzderhelden und in Kreiensen keine Fahrkarten mehr für den Fernverkehr geben. Die Regierung weise in ihrer Antwort darauf hin, dass in Einbeck-Salzderhelden gar keine und in Kreiensen nur sehr wenig Fernverkehrszüge bedient würden. „Diese Antwort lässt vor allem für Kreiensen Böses ahnen. Offensichtlich steht mal wieder der IC-Halt auf der Kippe. Anders ist es ja nicht zu erklären, warum in Northeim, bei ähnlich Frequentierung, die DB-Automaten stehen geblieben sind“, meint Christian Grascha.

Bahnhof-Begeisterung

Auf den modernisierten Bahnhof in Salzderhelden: Bürgermeisterin und Bahnhofsmanager.

Ein Gläschen auf den modernisierten Bahnhof in Salzderhelden: Bürgermeisterin und Bahnhofsmanager mit Politikern.

Kein Band wurde durchschnitten, kein Knopf gedrückt, kein Signal auf Grün gestellt: Ein paar Worte („Ich bin ganz begeistert“) von Bahnhofsmanager Detlef Krusche und Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek sollten genügen, hatten sich offenbar die Planer dieser Veranstaltung gedacht, dann noch ein Glas Sekt, O-Saft und eine Bratwurst – und schon war der Bahnhof Einbeck-Salzderhelden heute Nachmittag nach dem Ende der seit 2012 währenden Bauarbeiten offiziell in Betrieb genommen. Die Deutsche Bahn AG drückte es in ihrer Einladung so aus: Offizielle Inbetriebnahme der modernisierten Verkehrsstation Einbeck-Salzderhelden, bitte finden Sie sich hierzu am Empfangsgebäude ein. Dort fanden sich dann Vertreter aus Stadtrat und Ortsrat ein. Gut, so richtig nach Feiern war nach dem ganzen Ärger in den vergangenen Monaten höchstwahrscheinlich auch niemandem so wirklich. Gute Miene zum anstrengenden Spiel. Die Zahl der Anfragen und Nachfragen in Rats- und Ausschusssitzungen, wie denn der Stand der Bauarbeiten sei, ist rückblickend nur noch schwer ermittelbar, einige waren es aber auf jeden Fall. Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek hätte die Inbetriebnahme gerne an einem Sonnabend gesehen, nicht am Freitagnachmittag, gab sie heute zu Protokoll. Am Wochenende wäre vermutlich ein kleines Bahnhofsfest drin gewesen. Vielleicht hätte dann auch wenigstens jemand eine Signal-Kelle der Bahn oder etwas ähnliches Symbolisches zur Hand gehabt, um die ganze Veranstaltung wenigstens etwas mediengerechter zu machen. Ein Bild sagt mehr als Tausend Worte, wissen PR-Experten.

Neue Parkplätze entlang der Vogelbecker Straße.

Neue Parkplätze entlang der Vogelbecker Straße.

Ein Dauerbrenner-Thema ist (und bleibt vermutlich noch auf längere Zeit) die Diskussion über ausreichende P&R-Parkfläche am Salzderheldener Bahnhof. Bald, von Mai ist die Rede, sollen 20 zusätzliche Parkplätze in Schräganordnung gegenüber vom Bahnhofsgebäude in Richtung Spedition neu entstehen. Seit ein paar Tagen gibt es bereits 22 neue zusätzliche Parkplätze, frisch markiert entlang der Vogelbecker Straße. Das ist allerdings nicht gerade direkt neben dem Bahnhof. Sondern eher auf der anderen Seite. Gedacht sind diese Parkplätze für Pendler und Langzeitparker, die dann mehr als 600 Meter Fußweg über die Vogelbecker Straße, an der es keinen Bürgersteig gibt, über die Bahnhofsbrücke absolvieren müssen, um auf der „richtigen“ Bahnhofsseite mit ihrem vermutlich vorhandenen Gepäck anzukommen. Dort können sie dann immerhin barrierefrei zum Gleis gelangen.

Der Weg sei nicht weiter als vom Bahnhof-nahen Parkhaus in Göttingen zum dortigen Bahnhof, betonte heute die Bürgermeisterin. Das mag ja so sein. Allerdings ist der Weg zum Zug dort für ortsfremde Reisende logischer erschließbar. Der erste Zug in Salzderhelden fährt um 4:29 Uhr, der letzte um 0:29 Uhr. Da stelle ich es mir (vor allem im Winter, im Dunkeln, gar im Schnee?) sehr Trecking-mäßig vor, von einem Parkplatz an der Vogelbecker Straße mit Trolley seinen Zug zu erreichen.

Rotkäppchen gesucht

Bahnhof Kreiensen mit Service-Personal. Foto: SPD

Der Bahnhof Kreiensen braucht Service-Personal, sagt die SPD. Foto: SPD

Die SPD- Ratsfraktion hat heute einen Vorstoß unternommen, damit es auch weiterhin Rotkäppchen auf dem Bahnhof in Kreiensen geben kann. So werden die Service-Mitarbeiter mit der markanten roten Kappe liebevoll genannt. Wie die Sozialdemokraten in einer Pressemitteilung schreiben (Wortlaut: SPD PM Bahnhof Kreiensen 100215), ist menschliches Personal auf einem Bahnhof wie Kreiensen unerlässlich, es könne nicht durch Anzeigensysteme oder Durchsagen ersetzt werden. Die Stadtverwaltung soll DB Station & Service, Landesnahverkehrsgesellschaft, Verkehrsverbund Südniedersachsen, DB Regio Nord, Metronom und Nordwestbahn an einem Tisch versammeln, fordert die SPD. „Es darf kein Versuch unterbleiben, die Attraktivität des Bahnhofs Kreiensen und die Bedeutung als regionaler Umsteigebahnhof für die Zukunft zu sichern“, sagt Ratsherr Klaus-Reiner Schütte (Greene) laut der Pressemitteilung.

Die Erkenntnis freilich, dass es bald keine Rotkäppchen mehr geben würde, ist so neu nicht. Leser dieses Blogs wussten es imgrunde schon vor einem Jahr, als Bahnhofsmanager Detlef Krusche dieses öffentlich erklärt und letztlich auch der Einbecker Bürgermeisterin bei deren Besuch auf dem Bahnhof persönlich bestätigt hatte. Von Ergebnissen eines Verwaltungsausschuss-Auftrages von Mai 2014, an die Deutsche Bahn AG noch einmal offiziell zu appellieren, den Abzug des Service-Personals kritisch zu hinterfragen, wurde nichts bekannt. Man kann also getrost davon ausgehen, dass dieser Vorstoß fruchtlos war, andernfalls hätten wir sicherlich öffentlich davon gehört. Die neue Idee der SPD ist eine Überlegung wert, vielleicht lässt sich ja wirklich Service-Personal von mehreren interessierten Stellen finanzieren. Darüber sprechen sollte man. Kreiensen ohne Rotkäppchen darf es nicht geben. In der Tat: Kein Versuch darf unterbleiben.

Teurer Tarif?

Mit einer Resolution hat sich der Stadtrat in Einbeck für einen attraktiveren Zugverkehr ausgesprochen – vor allem für Berufspendler. Der Landtag und die Landesnahverkehrsgesellschaft sollen auf die zuständige Niedersachsentarif GmbH (NITAG) einwirken und den überproportionalen Preisanstieg für Berufspendler (Jahreskarteninhaber) zurücknehmen, heißt es in der einstimmig verabschiedeten Erklärung (2014ResolutionsentwurffuerdenRat-Niedersachsen-1). Der eingeführte Niedersachsentarif sei „ein sehr begrüßenswerter Schritt“, allerdings bringe dieser erhebliche finanzielle Nachteile für Berufspendler von bis zu 20 Prozent mit sich.

Und der Protest kam prompt: Die Niedersachsentarif GmbH (NITAG) hat die Kritik des Einbecker Stadtrates an einem überproportionalen Preisanstieg für Berufspendler zurückgewiesen. Dass der vor einem Jahr eingeführte Niedersachsentarif finanzielle Nachteile von bis zu 20 Prozent mit sich bringen solle, wie in der vom Stadtrat beschlossenen Resolution behauptet, könne man in dieser Form nicht nachvollziehen, sagte mir Thilo Knoblich, Assistent der NITAG-Geschäftsführung: „Wir haben attraktive Preise für Pendler.“ Auf der Strecke von Einbeck bzw. Kreiensen nach Hannover sei die Monatskarte um circa 5 Euro teurer geworden, ein Preisanstieg von rund drei Prozent. Allerdings: Das frühere Job-Ticket der Deutschen Bahn AG wird im Niedersachsentarif nicht mehr angeboten. Rabattierungen (Bahnkarte, Firmenabos), welche die Bahn ihren Kunden gewährt hat, sind damit entfallen.

Einbeck als zweitgrößte Stadt in Südniedersachsen nach Göttingen habe ein hohes Interesse daran, dass die Menschen dank der guten Verbindungen auch weiterhin öffentliche Verkehrsmittel nutzen, wenn sie aus beruflichen Gründen nach Hannover oder auch nach Göttingen pendeln, heißt es in der Resolution. Tarifänderungen dürften nicht dazu führen, dass es zu Benachteiligungen des ländlichen Raumes komme. Die Stadt Einbeck als Mittelzentrum im strukturschwachen Südniedersachsen wende sich dagegen, einen weiteren Standortnachteil hinnehmen zu müssen.

Mit dem Niedersachsentarif sei man konkurrenzfähig gegenüber dem Auto, sagt dagegen Thilo Knoblich. Benachteiligungen des ländlichen Raumes durch die Tarifänderungen sieht die NITAG deshalb anders als der Einbecker Stadtrat in seiner Resolution nicht. Für die Bahnstrecke von Einbeck bzw. Kreiensen nach Hannover entstehen nach seiner Rechnung Kosten von rund sieben Cent pro Kilometer, bei einer durchschnittlichen Arbeitszeit eines Berufspendlers von 20 Tagen im Monat seien das 7 Euro pro Monat. Das sei günstiger als die Kraftstoffkosten bei einem Pkw.

Der Niedersachsentarif wurde am 9. Juni 2013 eingeführt, die Preise zum 1. Januar 2014 erhöht. Der Tarif ist das gemeinsame Fahrpreissystem aller Eisenbahnunternehmen im niedersächsischen Schienenpersonennahverkehr außerhalb der bestehenden Verbünde; für den Verkehrsverbund Südniedersachsen (VSN), also für die Strecke von Kreiensen bzw. Einbeck nach Göttingen, gelten eigene Tarife.

Service-Bahnhof?

CDU-Fraktion auf Gleis 2: Was passiert, wenn das Service-Personal abgezogen wird?

CDU-Fraktion auf Gleis 2: Was passiert, wenn das Service-Personal abgezogen wird?

Vielleicht bekommt ja auch Einbeck City bald wieder einen Bahnhof mit Verkehr. Jedenfalls hat die Stadt seit der Fusion mit Kreiensen schon heute eine Verkehrsstation, wie das die Deutsche Bahn AG nennt, mehr erhalten, ist ein Mittelzentrum mit zwei Bahnhöfen. Kreiensen ist dabei mit täglich 88 haltenden Personenzügen (knapp 3000 Aus- und Umsteiger) auch der Bahnhof mit deutlich mehr Verkehr und Frequenz als der in Salzderhelden (54 haltende Personenzüge, davon 38 Metronom-Züge, insgesamt rund 1000 Ein- und Aussteiger täglich).

Beide Bahnhöfe werden seit Monaten umgebaut. Was nicht nur bei Fahrgästen für Unmut sorgt, weil die Bauarbeiten für Beobachter undurchschaubar zögerlich schleppend voran kommen. Die Einbecker CDU-Stadtratsfraktion hat sich jetzt am Bahnhof Kreiensen umgesehen, geführt vom Bahnhofskenner Jochen Prochnow, in Salzderhelden habe man das vor einiger Zeit bereits getan, sagte Fraktionschef Dirk Ebrecht an Gleis 2. Die Bahn AG hat die Inbetriebnahme des Bahnhofs Kreiensen für den 9. Mai angekündigt. Das scheint ein sportliches Ziel, wie sich die Christdemokraten bei fehlenden Dachelementen und noch nicht gefliesten Treppen am Freitag Nachmittag überzeugen konnten. Zuletzt hatte die Bahn die Fertigstellung auch für Anfang Juli angegeben.

Was aber die CDU-Fraktion besonders ärgert, ist der offenbar bevorstehende Abzug des Personals aus dem Bahnhof in Kreiensen – und auch die Informationspolitik der Bahn. Eine entsprechende Anfrage nach dem Personal in Kreiensen hatte Fraktionsmitglied Beatrix Tappe-Rostalski in der Ratssitzung Mitte März gestellt. Während Bahnhofsmanager Detlef Krusche (Göttingen) bereits Ende März auf meine Anfrage hier und hier bestätigte, dass es ab 2015 kein Personal mehr in Kreiensen geben werde, hätten die Ratsmitglieder immer noch keine offizielle Auskunft von der Verwaltung bzw. der Bahn, erklärte Beatrix Tappe-Rostalski bei Bahnhofs-Ortstermin.

Und ohne Service-Personal werde die Situation für Umsteiger schwieriger, wie sich die Fraktionsmitglieder live informieren konnten. Da helfen auch gerade für Ältere oder in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen keine digitalen Anzeigetafeln oder Handy-Apps. Während ein Nord-Süd-Zug mehrere Minuten verspätet eintraf, war der Ost-West-Zug schon abgefahren, der sonst von den Umsteigern zügigen Schrittes von der hannoverschen auf die braunschweigische Bahnhofsseite erreicht werden kann. Die Folge: Eine Stunde warten. Der Service-Mitarbeiter vor Ort konnte hier informieren und individuell Auskünfte geben. Und wie Fraktionsgeschäftsführer Andreas Büssenschütt mitteilte, kam direkt nach dem Besuch der CDU-Fraktion am Bahnhof erneut ein Zug aus Göttingen verspätet an, hier hätten die Umsteiger gar mehr als zwei Stunden auf den Anschlusszug warten müssen. Der vor Ort tätige Mitarbeiter der Bahn habe es organisiert, dass die 25 Umsteiger in Richtung Holzminden von einem Bus abgeholt und weiter transportiert wurden, erklärte Büssenschütt und fragt: „Wer regelt so etwas, wenn auf dem Bahnhof mit täglich fast 3000 Umsteigern kein Personal mehr vor Ort ist?“