Welche Mobilität möchten die Bürger?

Bus- und Bahnangebot. (c) Planersozietät Dortmund

Bus- und Bahnangebot. (c) Planersocietät Dortmund

Das Mobilitätskonzept Innenstadt hatte der Stadtrat in seiner letzten Sitzung vor der Kommunalwahl nicht mehr angepackt, sondern nur zur Kenntnis genommen und imgrunde vertagt. Die Fraktionen sollen darüber nochmal befinden. Die in diesem Konzept vor allem für den Autoverkehr aufgeführten Maßnahmen, beispielsweise Änderungen der Verkehrsführung in Oleburg und Haspel, werden einstweilen nicht ausgeführt. Wiedervorlage im nächsten Stadtentwicklungsausschuss Ende November. In neuer politischer Besetzung. Über ein Mobilitätskonzept, bei dem es in erster Linie um den ÖPNV geht, möchten Stadt Einbeck und das beauftragten Fachbüro „Planersocietät“ aus Dortmund mit den Bürgern am Sonnabend, 24. September, diskutieren. Die Planer stellen zwischen 9 und 13 Uhr ihre Analysen auf dem Einbecker Marktplatz vor und wünschen sich Diskussion und regen Gedankenaustausch. Ziel des vom Verwaltungsausschuss beauftragten Mobilitätskonzeptes ÖPNV ist es, die Mobilität zwischen den Ortschaften und der Kernstadt zu verbessern. Dabei soll geprüft werden, wie Bus-, Taxi- und Individualverkehr mit dem Schienenverkehr verknüpft werden können. Das Planungsbüro will auch innovative Angebotsformen im ÖPNV sowie neue Angebote (z.B. E-Bike-Verleih oder Carsharing-Angebote) berücksichtigen. Gerade im Hinblick auf eine älter werdende Bevölkerung, aber auch um die Mobilitätsbedürfnisse von Familien mit Kindern und von Jugendlichen zu befriedigen, sei ein funktionierendes Nahverkehrssystem elementar, heißt es in einer Presseinfo der Stadt Einbeck. Untersuchungsgegenstand ist die Mobilität in der Kernstadt mit einer Veränderung des Stadtbusverkehrs ebenso wie die Mobilität in den Ortschaften mit einer Anbindung an die Kernstadt und die Bahnhöfe Kreiensen, Salzderhelden und Mitte.

Durch die Reaktivierung der Bahnstrecke von Salzderhelden bis Einbeck-Mitte Ende 2017 mit prognostizierten zusätzlichen 600 Fahrgästen werktäglich werden wesentliche bestimmende Faktoren im Bussystem der Stadt Einbeck verändert. Die direkte Anbindung des Schienenpersonennahverkehrs an den ZOB, der zurzeit umgeplant wird, bedingen neue Umsteigebeziehungen und Verknüpfungen in die Region, aber auch innerhalb der Kernstadt, erklären die Planer. Zudem existiere aus Kostengründen bis auf den Schulbusverkehr im Gebiet der gesamten Stadt Einbeck kaum noch ein funktionierender öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV). So seien insbesondere die Ortschaften in den Schulferien kaum an die Kernstadt angebunden. Das ehemalige Gebiet der Gemeinde Kreiensen sei zudem auch während der Schulzeiten aufgrund fehlender Schulbusverkehre nicht an die Kernstadt angebunden.

Wie die Parteien/Ratsfraktionen zu einigen Punkten stehen, hat der Seniorenrat vor der jüngsten Kommunalwahl in seinen Prüfsteinen abgefragt und hier hier aufgezeigt.

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Politik-Lob für die Magistrale

Parken vor Fachwerk-Fassade: So wie es jetzt ist, soll es nicht bleiben.

Parken vor Fachwerk-Fassade: So wie es jetzt ist, soll es nicht bleiben, das meint einstimmig auch der Fachausschuss des Rates.

Jetzt hat auch der zuständige Fachausschuss des Stadtrates nach vorheriger umfangreicher Bürgerbeteiligung den Weg frei gemacht für die Umgestaltung der Tiedexer Straße in Einbeck – einstimmig und mit viel Lob. Sie ist das Kernstück der „Magistrale der Baukultur“ zwischen Tiedexer Tor und ZOB-Bahnhof. Ziel in der Vorzeige-Fachwerkmeile: Weniger Parken, mehr Boulevard. Das hat Nikolai Soyka vom Planungsbüro „Schöne Aussichten“ im Stadtentwicklungsausschuss noch einmal ausführlichst erläutert. „Wir sind nicht dafür angetreten, möglichst viele Parkplätze zu schleifen“, sagte Soyka. Die Anlieger hätten sich deutlich mehrheitlich für diese Ziel, mehr Platz zum Flanieren zu gewinnen, in der Bürgerbeteiligung ausgesprochen. Und das gehe nur, so der Planer, wenn die Parkplätze parallel zur Straße angeordnet werden, nicht mehr wie heute quer. „Der Querschnitt ist verflixt eng, wir haben um jeden Zentimeter gekämpft“, sagte Soyka. Die acht verlustig gehenden Parkplätze dürften im Umfeld problemlos zu kompensieren sein, meinte der Planer.

Dem schloss sich Bernd Huwald (CDU) an: „Es lohnt sich nicht, um diese acht Parkplätze zu kämpfen.“ Von ihm kam Lob: „Die Gesamtplanung ist ein wirklicher Fortschritt.“ Lange sei die Tiedexer Straße vernachlässigt worden, räumte Rolf Hojnatzki (SPD) ein. Die Fachwerk-Vorzeigestraße umzugestalten sei überfällig und sollte so schnell wie möglich umgesetzt werden, was natürlich an den Fördermitteln hänge und an der Höhe der Anliegerbeiträge. „Wir haben einen Mehrwert durch weniger Parkplätze“, meinte Dr. Reinhard Binder (FDP). Die Tiedexer Straße gewinne. Er lobte die Vorgehensweise der Planung und das Ergebnis.

Beschlossen hat der Ausschuss nicht nur das Leitbild der Magistrale, das künftig bei allen Planungen und Maßnahmen der Stadt Einbeck nach Prüfung zu berücksichtigen sein wird, etwa beim Umbau der Marktstraße oder des Neustädter Kirchplatzes. Ebenso einstimmig votierte die Politik für die Variante „Mittig Asphalt“ als Grundlage für weitere Planungsschritte; sie sieht einen breiteren Gehweg vor, eine Fahrbahn in Asphaltbelag und parallele Parkplätze. Die Verwaltung ist nun beauftragt, für den Umbau der Tiedexer Straße die Möglichkeiten auf Fördermittel zu prüfen und Ersatz für wegfallende Parkplätze in der Tiedexer Straße zu konkretisieren.

Um Konzept, Vorgehensweise und Bürgerbeteiligung beneiden die anderen Städte im Fachwerk-Fünfeck Einbeck, sagte Bauamtsleiter Frithjof Look. Es wird jetzt zum Vorbild für die anderen vier Fünfeck-Städte, denn auch dafür gab es Fördergeld.

So soll die Tiedexer Straße künftig aussehen. (c) Ing.-Gemeinschaft Schubert, (Hannover

Mittig Asphalt: So soll die Tiedexer Straße künftig aussehen. (c) Schöne Aussichten, Kassel/Hamburg

Weniger Parken, mehr Boulevard

Bauamtsleiter Frithjof Look erläuterte die Planungen.

Bauamtsleiter Frithjof Look (stehend) erläuterte am Dienstag Abend in der Einbecker Rathaushalle die Planungen.

Weniger Platz zum Parken, mehr Freiraum für Fußgänger und Fahrradfahrer auf dem Fachwerk-Boulevard – das ist aus der Sicht der beauftragten Stadtplaner von „Schöne Aussichten“ (Kassel/Hamburg) das Ziel für die Tiedexer Straße in Einbeck. Der Innenstadt-Straßenzug mit der Fachwerk-Häuserzeile aus dem 16. Jahrhundert soll als zentraler Teil einer sich durch die City ziehenden „Magistrale der Baukultur“ umgestaltet werden, seit Oktober läuft dazu bereits die Bürgerbeteiligung – mit durchaus großer Resonanz. Die Tiedexer Straße soll das Beispiel in Einbeck sein, wie in Zukunft Schritt für Schritt anhand von so genannten Leitlinien für den öffentlichen Raum das Erscheinungsbild der Altstadt attraktiver werden kann. Dabei geht es um Pflasterungen, Parkplätze und Papierkörbe ebenso wie um Beleuchtung, Bürgersteigbreiten und Barrierefreiheit.

Sehr gute Resonanz fand die Präsentation der Planungsempfehlungen im Alten Rathaus.

Sehr gute Resonanz fand die Präsentation der Planungsempfehlungen im Alten Rathaus.

Für die Tiedexer Straße präsentierten die Stadtplaner jetzt erste Vorentwürfe, wie die Straße so umgestaltet werden kann, dass sich dort mehr Menschen gerne aufhalten, der Verkehr beruhigt wird und Wohnen und Einzelhandel gestärkt werden können. Alle Nutzungswünsche werde man freilich nicht erfüllen können, räumte Landschaftsarchitekt Nikolai Soyka ein. Es gelte, den Spagat zu schaffen. In dem umfangreichen Bürgerbeteiligungsprozess der vergangenen Monate in Einbeck habe sich die Mehrheit der befragten Anlieger dafür ausgesprochen, die Variante „Freiraum“ weiter zu verfolgen. Sie bedeutet, dass es in der Tiedexer Straße keine quer zur Fahrbahn verlaufenden Parkplätze wie heute mehr geben wird, sondern nur noch parallele. Dadurch fallen von den aktuell 25 vorhandenen Parkplätzen je nach Straßenverlauf acht bis zehn Stellplätze weg. Die Haltung der Anlieger hat die Stadtplaner durchaus überrascht. Denn bis zu zehn Parkplätze weniger direkt vor Geschäften, Wohnungen und fußläufig zur Fußgängerzone sind schon eine Hausnummer, vielleicht lassen sich ja, so ein Vorschlag der Planer, in den Innenhöfen beispielsweise zwischen Tiedexer und Marktstraße weitere Parkplätze (zumindest für Anwohner) zum Ausgleich schaffen. Ziel der Variante „Freiraum“ ist, dass die Gehwege breiter werden und beispielsweise Gelegenheiten für Gastronomie und Ladengeschäft-Auslagen geschaffen werden können. Bei der „extremsten“ Variante „Freiraum“ gibt es nur noch eine sogenannte Mischverkehrsfläche mit durchgängigem Belag, auf dem die Parkplatzflächen eingepflastert sind. „Es gibt natürlich auch Stimmen, die den Wegfall von Parkplätzen kritisieren“, sagte Nikolai Soyka in der Rathaushalle. Und die meldeten sich natürlich in der anschließenden Debatte auch zu Wort. Anliegernutzung und Aufenthaltsangebot in der Tiedexer Straße müsse sich aber verbessern, erklärte der Stadtplaner. Während der Bürgerbeteiligung seien oft Meinungen zu hören gewesen, dass die Gehwege fast immer zu schmal seien, es zu viel Verkehr in der Tiedexer Straße gebe, die parkenden Autos die Fachwerkfassaden störten.

Leider konzentrierte sich die Diskussion in der sehr gut gefüllten Rathaushalle am Dienstag Abend zu sehr auf die Punkte Parkplätze und vor allem die Kosten für die Anlieger in der Tiedexer Straße. Ich kann selbstverständlich verstehen, dass Hauseigentümer wissen möchten, mit welchem finanziellen Beitrag sie für ihr denkmalgeschütztes Ensemble kalkulieren müssen. Investitionen müssen schließlich zuvor angespart oder Kredite aufgenommen werden, niemand hat eine Portokasse irgendwo im Gewölbekeller stehen, aus der er das bezahlen kann. Aber immer nur und als Erstes fragen: Was kostet mich das? Ist nicht die Frage „Was bringt mir persönlich, meiner Immobilie und uns in Einbeck das“ imgrunde viel hilfreicher? Dann klappt’s vielleicht auch mal wieder mit einem Mieter. Viele Anlieger sind mir da zu unduldig. Mir geht es ja auch oftmals nicht schnell genug, aber Planung benötigt Zeit, gute Planung vor allem, wie Bauamtsleiter Frithjof Look bei Amtsantritt sagte. Geduldig, aber am Ende der knapp zweistündigen Veranstaltung mit zunehmend leicht genervt wirkender Stimme erläuterte Look wieder und wieder, warum die Stadt und er heute keine seriöse absolute Zahl oder Prozentzahl nennen könne, mit wieviel Euro die Anlieger bei einer Umgestaltung der Tiedexer Straße dabei sein werden. Denn bei den Planungen sei man ja erst ganz am Anfang, ein erster Schritt sei getan, was konkret umgestaltet werden soll, muss erst noch entschieden werden, ob zum Beispiel komplett gepflastert wird oder nur ein Teil mit Pflaster, die Fahrspur in Asphaltbauweise. Und dann ist zudem noch nicht klar, ob und welche Zuschüsse und Fördergelder gegebenenfalls für das Projekt bereit stehen werden. Eine Gleichung mit zu vielen Unbekannten derzeit also. Prognosen sind schwierig, weil sie die Zukunft betreffen. Das wäre in etwa so als würde ich (45) heute bereits meinen 50. Geburtstag planen wollen und ich würde meinen Gästen schon genau sagen, wie diese Feier ablaufen wird. Weder kann ich schließlich heute verlässlich sagen, ob ich im Fünf-Sterne-Hotel oder in der Currywurstbude feiere, wieviele Gäste ich dazu einladen werde – und ob ich überhaupt feiern werde.

Der Stadtentwicklungsausschuss wird in seiner nächsten Sitzung am 19. April darüber diskutieren und entscheiden, wie für die Tiedexer Straße und die „Magistrale der Baukultur“ weitergeplant werden und welche Varianten-Maßnahmen verfolgt werden sollen, aber auch dann steht man noch ganz am Anfang. Bis der erste Bagger rollen wird, werden noch Monate vergehen, werden aber auch die Bürger weiter bei den Detailplanungen weiterhin beteiligt, beispielsweise bei den Varianten des möglichen Pflasterbelags, bei der Art der Straßenbeleuchtung und -Möblierung mit Bänken und Mülleimern.

Im Fokus des Interesses: die ersten Vorplanungen für die Umgestaltung der Tiedexer Straße.

Im Fokus des Interesses: die ersten Vorplanungen für die Umgestaltung der Tiedexer Straße.

Die ausführliche, 68-seitige Analyse der Defizite und Potenziale für die öffentlichen Flächen zwischen PS-Speicher und Möncheplatz sowie die Empfehlungen der Stadtplaner von „Schöne Aussichten“ für die „Magistrale der Baukultur“ in Einbeck stehen hier als PDF-Datei zum Download bereit. Im Neuen Rathaus hängen die Pläne in Papierform aus (2. Obergeschoss, Altbau). In den nächsten zwei Wochen bis zum 29. Februar kann jeder seine Meinung sagen und Anregungen geben zu den Planungen: direkt persönlich in der Stadtverwaltung, telefonisch oder aber über E-Mail unter magistrale@einbeck.de Die Hinweise sollen für die Beschlussvorlage des Ausschusses noch eingearbeitet werden, so das Versprechen der Planer.

Parken vor Fachwerk-Fassade: So wie es jetzt ist, soll es nicht bleiben.

Quer parken vor der historischen Fachwerk-Fassade: So wie es jetzt ist, soll es nicht bleiben.

Mitmach-Magistrale

Großes Interesse an der Magistrale, rechts Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek bei der Begrüßung

Großes Interesse an der Magistrale, rechts Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek bei der Begrüßung

Bauamtsleiter Frithjof Look moderierte die Diskussion.

Bauamtsleiter Frithjof Look moderierte die Diskussion.

So, wie es heute ist, kann es nicht bleiben. Das haben die Beschreibungen des Ist-Zustandes sehr gut gezeigt, welche die Mitarbeiter des Planungsbüros „Schöne Aussichten“ in der Einbecker Rathaushalle vorgestellt haben: Zu schmale und nicht barrierefreie Gehwege, ein schlechter Zustand von Mobiliar und Straßenoberfläche, so genannte Übermöblierung durch Werbetafeln, fehlende Orientierung an manchen Stellen. Bis die Verbindung zwischen Tiedexer Tor und Möncheplatz zu einer zusammenhängend verstandenen „Magistrale“ wird, muss noch einiges geschehen. Die Planer wollen die Strecke in drei Abschnitte, so genannte Stadträume, gliedern und ihr Augenmerk dabei auch auf von ihnen so bezeichnete Gelenke legen: auf die Start- und Zielpunkte PS-Speicher und Möncheplatz sowie die Straßenkreuzungen am historischen Stadttor und an Tiedexer Straße/Marktstraße/Marktplatz/Pastorenstraße. „Schöne Aussichten“ sieht noch nicht gehobene Potenziale, beispielsweise die Innenhöfe, und fragt, wohin die Planungsreise hingehen soll: Mehr Touristen? Mehr Gastronomie? Mehr Handel? Mehr Wohnen? Mehr Parken? Oder aber weniger?

Wie hoch das Beharrungsvermögen einiger vor Ort sein kann, hat die Veranstaltung ebenfalls gezeigt. Wer als erstes immer nur fragt, was ihn das als Anlieger kostet, erschwert eine ergebnisoffene Diskussion. Ein Brötchen kostet Geld, aber es stillt auch meinen Hunger. Eine Neugestaltung der Straße kostet möglicherweise (das ist noch gar nicht entschieden) auch die Anlieger Geld, aber dafür verschönert es auch die Umgebung der Immobilien, steigert ihren Wert. Und damit die Straße möglichst in der Form umgestaltet wird, wie das die Anlieger sich wünschen, müssen diese mitreden und sagen, wie sie es gerne hätten. Bei diesem Projekt können die Bürger sich beteiligen. Sie sollten es rege tun.

Groß war das Interesse bei der Auftaktveranstaltung am 5. November im Alten Rathaus.

Groß war das Interesse bei der Auftaktveranstaltung zur „Magistrale der Baukultur“ am 5. November im Alten Rathaus.

Den Menschen muss es wieder Freude machen, sich in der Tiedexer Straße aufzuhalten. Wie das gehen kann, und trotzdem genügend vitalisierende Parkplätze erhalten bleiben können? Erste, ausbaufähige Ansätze hat es dazu bei der Auftaktveranstaltung des Projekts „Magistrale der Baukultur“ bereits gegeben. Mit ihr hat der Dialogprozess begonnen, wie die Verbindung zwischen PS-Speicher und Möncheplatz/ZOB gestaltet werden soll. Die Mitarbeiter von „Schöne Aussichten“ werden in den nächsten Tagen einige gesellschaftliche Gruppen und wichtige Akteure interviewen, so die Ankündigung. Jeder kann aber selbst mitmachen bei den Magistrale-Planungen: Bei der Stadtverwaltung gibt es unter magistrale@einbeck.de extra eine E-Mailadresse für Anregungen. Auch Fotos dürfen dort eingereicht werden, „Zeigen Sie uns, was Sie sehen!“ (maximal zwei Bilddateien in niedriger Auflösung, bitten die Empfänger im Rathaus), etwa mit positiven, aber auch mit negativen Beispielen, die unbedingt verändert werden sollten. Gespannt bin ich auch auf die Workshops Ende des Monats mit betroffenen Gruppierungen wie zum Beispiel Gewerbetreibende – und natürlich auf die Ergebnisse dieser Treffen.

Bei der Eröffnung der "Art Lounge Newcomer". Foto: KWS Saat SE

Bei der Eröffnung der „Art Lounge Newcomer“. Foto: KWS Saat SE

Erste Impulse sind bereits gesetzt – von den zwei großen Playern in Einbeck: PS-Speicher und KWS. Die Kulturstiftung hat im Sommer den Weg vom Tiedexer Tor zum Marktplatz mit dem PS-Pfad aufgewertet. KWS hat vor ein paar Tagen in der Tiedexer Straße 20 eine Galerie eröffnet. Die „Art Lounge“ mit Namen „Newcomer“ soll mit zeitgenössischer Kunst als junges und frisches Element zur Stärkung des kulturellen Angebots in Einbeck beitragen und ein deutliches Signal sein, dass KWS die Idee einer lebendigen und attraktiven Verbindung zwischen dem PS-Speicher und der Innenstadt unterstützt, teilt das Unternehmen mit. „Wir hoffen, dass dies eine Initialzündung für weitere Initiativen ist“, sagte KWS-Vorstandssprecher Dr. Hagen Duenbostel bei der Eröffnung. Das ist kann man sich in der Tat sehr wünschen. Die erste, bis Mitte Dezember laufende Ausstellung heißt „Gute Aussichten“. „Schöne Aussichten“ knüpfen dann mit ihren Planungen an…

Magistrale: Schöne Aussichten

HIer verläuft die Magistrale der Baukultur. Abbildung: Stadt Einbeck

HIer verläuft die Magistrale der Baukultur. Abbildung: Stadt Einbeck

Das sind ja schöne Aussichten. Und das nicht nur, weil das beauftragte Planungsbüro so heißt: Schöne Aussichten. Bei der „Magistrale der Baukultur“, einem Projekt der Stadt Einbeck innerhalb der Kooperation Fachwerk-Fünfeck, drückt die Stadtverwaltung gehörig aufs Tempo – und die Politik zieht zufrieden mit, wie heute im Stadtentwicklungsausschuss deutlich wurde, in dem die Projektstudie einstimmig auf den Weg gebracht worden ist. Ich hoffe mal, dass das Tempo nicht allein der Tatsache geschuldet ist, dass die Fördermittel bis Ende Februar 2016 abgerechnet werden müssen. Für die vom PS-Speicher bis zum Bahnhof durch die Innenstadt führende „Magistrale der Baukultur“ jedenfalls sollen die Planer von „Schöne Aussichten“ (Kassel/Hamburg) entwickeln, wie der öffentliche Raum hier in Zukunft gestaltet werden soll, insbesondere die Fachwerk-Vorzeige-Tiedexer Straße. Die Planer von „Schöne Aussichten“ haben in der Region unter anderem bei der Paul-Gerhardt-Schule in Dassel bei der Gestaltung der Außenräume für die Umweltschule nach eigenen Worten den pädagogischen Anspruch zur Sensibilisierung für Ökologie und Nachhaltigkeit umgesetzt.

Wie Bauamtsleiter Frithjof Look heute mitteilte, soll eine Auftaktveranstaltung für Bürger bereits am 5. November im Rathaus stattfinden. Dort werden nach seinen Worten die Planer erste Ideen und Beispiele aus anderen Städten zeigen sowie erste Anregungen der Einbecker Bürger aufnehmen. Für Ende November/Anfang Dezember sind dann zur Bürgerbeteiligung sechs Workshops geplant, bei denen sich unter anderem Gewerbetreibende, Anlieger, Jugendliche ebenso wie Senioren einbringen und sagen können, wie sie sich vorstellen, dass Straßen, Gehwege und anderer öffentlicher Raum im Bereich vom Tiedexer Tor bis zum Möncheplatz in Zukunft aussehen sollen. Noch im Dezember kurz vor Weihnachten soll dann „Schöne Aussichten“ einen Vorentwurf präsentieren, kündigte Look an. Die Abschluss-Veranstaltung, bei der die Leitlinien für die Neugestaltung der Magistrale präsentiert werden, soll Ende Januar oder Anfang Februar 2016 stattfinden. Der Fachausschuss entscheidet dann im April 2016, wie mit den Plänen weiter verfahren wird. Ein ehrgeiziger Plan. Ich hoffe, dass er gelingt.

Fachwerkzeile Tiedexer Straße wird vermessen.

Fachwerkzeile Tiedexer Straße wird vermessen.

Nachtrag 15.10.2015: Heute haben bei strömendem Regen die Vermessungsarbeiten in der Tiedexer Straße und im Bereich des Marktplatzes in Einbeck für die „Magistrale der Baukultur“ begonnen. Sie sind Grundlage für die beginnende Planung, wie die Achse zwischen PS-Speicher und Bahnhof/Möncheplatz neu gestaltet werden soll. Vermessung und Neugestaltung-Planung werden laut Information der Geschäftsstelle des Fachwerk-Fünfecks vom Vermessungsbüro Rink aus Göttingen durchgeführt. Die planerischen Überlegungen sollen beispielhaft auch für die Straßenraum- und Innenstadtgestaltung der anderen Städte im Fünfeck durchgeführt werden.

Jürgen Höper (l.) von der Abteilung Stadtentwicklung der Stadt Einbeck und das Team des Vermessungsbüros Rink aus Göttingen. Foto: Fachwerk-Fünfeck Geschäftsstelle

Jürgen Höper (l.) von der Abteilung Stadtentwicklung der Stadt Einbeck und das Team des Vermessungsbüros Rink aus Göttingen. Fotos (2): Fachwerk-Fünfeck Geschäftsstelle

Bürger beteiligen

Bei der Info- und Diskussionsveranstaltung notierte Bauamtsleiter Frithjof Look die Ideen auf dem Grundriss-Plan.

Bei der Info- und Diskussionsveranstaltung notierte Bauamtsleiter Frithjof Look die Ideen auf dem Grundriss-Plan.

Solche Abende sollte es öfter geben: In gut 60 Minuten hatten gut 60 Bürger einige gute Ideen vorgebracht, wie nach ihrer Auffassung der Neustädter Kirchplatz in Zukunft aussehen soll. Vor dem im Herbst startenden Architektenwettbewerb für das 6500 Quadratmeter große Innenstadt-Areal hatte die Stadt Einbeck zu einer Info- und Diskussionsveranstaltung ins Alte Rathaus eingeladen. Um für die Wettbewerbs-Vorgaben von den Bürgern Wünsche zu sammeln, die die Kommunalpolitik im Fachausschuss am 22. September beschließen wird. Deutlich wurde an dem Abend, dass Bürgerbeteiligung in Einbeck einfach noch öfter geübt werden muss (beim Möncheplatz gäbe es die nächste Gelegenheit, denn auch dort ist Handlungsbedarf, seit viel zu langer Zeit hört man nichts mehr von Veränderungsplänen, die sind aber notwendig). Denn es gab zwar Vorschläge und Anregungen für den Platz unweit der Einbecker Brauerei, auf der einst eine Kirche stand: Einige möchten den Platz komplett überdachen wie bei einem Zelt nur ohne Wände, anderen sind vor allem ausreichend Parkplätze wichtig, mancher wünscht sich einen Kräutergarten, mehrere könnten sich eine gläserne Brauhaus-Gastronomie mit Sudkessel vorstellen. „Platz ist für den verrücktesten Gedanken“, sagte Wettbewerbsmanager Klaus von Ohlen von der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK) aus Bremen, die die Stadt als Sanierungsträger für das Gebiet beauftragt hat. Aber oftmals waren es keine Ideen, sondern eher Fragen, Forderungen oder Bitten, die vorgetragen wurden. Und an diesem Abend waren ausnahmsweise mal keine Fragen gefragt (wie bei Einwohnerfragestunden in Ausschüssen oder im Stadtrat), sondern Aussagen. Welche Ideen ich für den Neustädter Kirchplatz zu Protokoll gebe, habe ich hier schon geschrieben.

Deutlich wurde an dem Bürgerbeteiligung-Abend auch, welchen Stellenwert das Projekt im Einbecker Rathaus genießt: Die Angelegenheit ist Chefinnensache. Ob bewusst oder nicht: Allein dadurch, dass die Verwaltungschefin sprach und der Fachbereichsleiter schwieg, steht die Zukunft des Platzes ganz ganz oben auf der Agenda. Gut so. Während sich Bauamtsleiter Frithjof Look zurück hielt, nichts sagte, aber eifrig die Ideen der Bürger notierte (und die Stadt auf ihrer Website mit Look’scher Handschrift vorbildlich eine eigene Unterseite zum Projekt mit vielen Infos transparent einrichtete), verabschiedete Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek die erschienenen Bürger mit dem Versprechen nach Hause: „Der Platz soll ein Schmuckstück werden.“

Der Zeitplan macht mir Sorgen. Natürlich habe ich wie gesagt Verständnis dafür, dass den teilnehmenden Architekturbüros ein paar Wochen Zeit gelassen werden muss, um nach den Vorgaben dann eigene Planungen zu entwickeln. Aber wenn im April 2016 der Sieger-Entwurf nach einem sehr formal strukturierten, anonymen Wettbewerb feststehen wird, fängt die politische Arbeit in der Stadt Einbeck erst wieder an. Die Kommunalpolitik bleibt der Souverän und muss letztlich entscheiden, was mit dem Siegerentwurf städtebaulich geschehen soll: Unverändert umsetzen oder aber mit Änderungen? Einen Automatismus gibt es da nicht. Bis die ersten Bagger anrollen, werden noch viele Monate vergehen.

Und weil im nächsten Jahr spätestens vor der Sommerpause der Wahlkampf für die nächsten Stadtrats- und Ortsratswahlen am 11. September 2016 beginnen wird, habe ich die Befürchtung, dass der Neustädter Kirchplatz in die Profilierungsauseinandersetzungen zwischen den Parteien gerät. Einen ersten Vorgeschmack gab in diesen Tagen eine kurze Wortmeldung in sozialen Medien, bei der CDU-Fraktionschef Dirk Ebrecht erklärte, es hätte alles schon in Richtung Multifunktionsplatz entschieden sein können, wenn andere nicht mit einmal andere Ideen gehabt hätten… Schön wäre, wenn das Projekt noch unbeeinflusst von und vor dem Wahlkampf entschieden würde. Das ist wünschenswert, aber unrealistisch. Oder?

Parkplatz mit 28 Stellplätzen und einer kaum erkennbaren Zufahrt zum Parkhaus (rechts): der Neustädter Kirchplatz heute.

Vor allem Parkplatz mit 28 Stellplätzen auf dem Platz und einer leider kaum erkennbaren Zufahrt zum Parkhaus (rechts): das ist der Neustädter Kirchplatz heute.

Platz-Anregungen

Das Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde auf dem Neustädter Kirchplatz.

Das Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde auf dem Neustädter Kirchplatz stammt aus Ende der 1960-er Jahre.

Ideen sind gefragt, wie der Neustädter Kirchplatz in Zukunft aussehen soll. Die Stadt lädt vor dem Start eines städtebaulichen Architektenwettbewerbs morgen am 22. Juli (19 Uhr, Rathaushalle) zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung ein. Jeder kann seine Ideen vorbringen. Anregungen sollen für die Ausschreibung des Architektenwettbewerbs berücksichtigt werden. Ich würde mich freuen, wenn davon viele Einbecker Gebrauch machen, sich einmischen. Und wir alle sollten der Versuchung widerstehen, Ideen sofort pauschal abzuqualifizieren, nur weil sie unserer eigenen Meinung nicht vollständig entsprechen. Ein Brainstorming, ein Spinnen dürfen, kann manchmal zu sehr kreativen Gedanken führen.

Hier sind meine Vorschläge – unter den obwaltenden Umständen, dass der Platz nur teilweise bebaut werden soll:

  • Zugang zum Parkhaus vom Neustädter Kirchplatz aus.

    Zugang zum Parkhaus vom Neustädter Kirchplatz aus.

    Der Neustädter Kirchplatz als zentraler Platz ist ein wichtiges Eingangstor zur City. Er muss fußgängerzonennahe Parkgelegenheit für Gäste und Einbecker bleiben. Daher ist notwendig, das benachbarte Parkhaus deutlich besser auszuschildern. Vielleicht ist dafür sogar eine bauliche Veränderung der Zufahrtssituation (heute: Unterführung unter einem Haus) vom Platz aus notwendig. Vor allem aber sind die bestehenden Parkplätze auf dem Platz und vor dem Amtsgericht neu zu pflastern und zu verbreitern. Der gesamte Platz muss lichter, heller, moderner, einladender werden.

  • Die „Löwenkreuzung“ könnte als Kreisel sicherlich größere Verkehrsmengen bewältigen, der Verkehr würde sich bei einem Kreisverkehr nicht mehr so stauen. Unbedingt müssten dann aber ausreichend Querungshilfen vorhanden sein, damit die Fußgänger gefahrlos vom Parkplatz zur Marktstraße gelangen können. Ob diese Idee praktikabel ist, müssen Verkehrsexperten beurteilen, auch angesichts der benötigten Platz- und Radiusverhältnisse für Lkw.
  • Das Gemeindehaus auf dem Neustädter Kirchplatz sollte entweder umgebaut werden (mindestens ein weiteres Stockwerk) oder einem Neubau in ähnlicher Größe weichen: Dort könnte ein zentrales Willkommens-Center für Gäste entstehen, inklusive kleinem Café. Die Tourist-Info könnte aus dem Eicke’schen Haus umziehen und am Neustädter Kirchplatz die Gäste informieren (dann beispielsweise mit den Fahrrad-Boxen direkt vor der Tür an einem wichtigen Kreuzungspunkt von Radfernwegen und auch mit Reisebus-Stellplätzen), dort auch zentral Souvernirs aller Einbecker Akteure feilbieten, die Brauerei ganz in der Nähe ihren Fanshop gleich komplett verlegen.

Und welche Ideen haben Sie?