In der Schwebe

Fassade der ehemaligen „Traube“ an der Altendorfer Straße mit Förderprogramm-Banner.

Welche Auswirkungen die längste Regierungsbildung in der Geschichte der Bundesrepublik in Berlin und der noch nicht vom Bundestag beschlossene Bundes-Haushalt 2018 auch für Einbeck hat, hat Bauamtsleiter Frithjof Look gestern im Stadtentwicklungsausschuss verdeutlicht: Der Stadt Einbeck fehlt die Förderung durch den Bund für das Jahr 2018 im Programm Städtebaulicher Denkmalschutz komplett. Weil der Bundeshaushalt noch nicht verabschiedet ist. „Meine Mittel werden weniger“, sagte Look. Auch wenn der Etat in Berlin in den nächsten Wochen beschlossen wird, dauert es bis zum Förderbescheid noch, es fehle im Prinzip die gesamte Tranche 2018, sagte Look. Das noch bis 2022 laufende Förderprogramm „Neustadt-Möncheplatz“ wird auch von Land und Stadt gespeist, es ist also nicht komplett auf Null.

Derweil hat der Stadtentwicklungsausschuss gestern ohne Debatte grünes Licht für im vergangenen Jahr bereits finanzierte Einzeluntersuchungen für zwei Quartiere gegeben: den Häuserblock 25 (Altendorfer Straße, Neue Straße, Knochenhauerstraße, Breiter Stein) sowie den Häuserblock 31 (Benser Straße, Backofenstraße, Schäfergasse, Baustraße). Die Einzeluntersuchungen sind Entscheidungsgrundlage für sanierungsrechtliche Genehmigungen, die Planungen wurden mit den Eigentümern erörtert und sind diesen bekannt. Für den Block 25, das sogannte Traube-Quartier (benannt nach dem einstigen Hotel an der Altendorfer Straße), hat die Politik der Variante „Wohnen und Gastronomie“ zugestimmt. Diese Variante ermögliche am ehesten auch eine kleinteilige Realisierung, heißt es in der Beschlussbegründung. Ziel ist unter anderem, die Garagen im Blockinneren durch bessere Parklösungen zu ersetzen, die Ecke Neue Straße/Knochenhauer wieder markanter, zweigeschossig zu bebauen, eine Durchfahrt durch die Brandmauer für die Senfmühle inklusive Hof-Außengastronomie zu ermöglichen und das Innere des Häuserblocks auch durch eine weitere Einfahrt (eventuell Tiefgaragenzufahrt) im Haus rechts neben der „Traube“ besser zu erschließen. Ich will hoffen, dass sich die Politik mit ihrem einstimmigen Beschluss nicht die Chance verbaut, in diesem wahrlich nicht ansehnlichen Quartier großflächigen Einzelhandel als Magnet für die City zu ermöglichen, in dem einiger Gebäudebestand komplett abgerissen wird. Schließlich macht die neue Sparkassen-Passage eigentlich erst dann einen Sinn, wenn ich vom hinteren Eingang in der Knochenhauerstraße weiter durch das Quartier gehen kann (und nicht nur über die Neue Straße), um zur Altendorfer Straße und beispielsweise zum größten Modehaus der Stadt zu kommen.

Für den Block 31 hat sich die Politik zum Ziel gesetzt, zusätzliche Grünflächen im Inneren des Häuser-Vierecks (Planer nennen das einen „Pocket-Park“) sowie neuen Wohnraum in der Kernstadt zu schaffen. Bauland mitten in der Stadt zu bekommen ist nicht so häufig möglich (kürzlich erst im Petersilienwasser), hier aber zwischen Benser Straße, Baustraße und Backofenstraße und Schäfergasse schon. Auf der Innenfläche des Quartiers könnte ein neues, modernes Wohngebäude entstehen, der Abbruch von Nebengebäuden wäre ohnehin städtebaulich wünschenswert und für ein Schlüsselgrundstücksteil hat die Stadt ein Vorkaufsrecht. Eine neue Erschließungsschleife über die Schäfergasse zur Baustraße um den geplanten neuen kleinen Park soll eine optimale Erschließung des Blockinneren ermöglichen. Da war er wieder, der Donut-Dauerbrenner mit der Gefahr, dass die Innenstadt verödet, während sich an den Stadträndern neue Wohnbebauungen entwickeln. Hier könnte ihm mal wirksam Paroli geboten werden.

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Boardinghouse-Bahnhof

Bahnhofsgebäude in Kreiensen. Archivfoto

Das mehr als 125 Jahre alte Bahnhofsgebäude in Kreiensen könnte zu einem so genannten Boardinghouse werden. Diese Nutzungsidee für die 2800 Quadratmeter Nutzungsfläche hat der neue Eigentümer laut Einbecks Bauamtsleiter Frithjof Look, der im jüngsten Stadtentwicklungsausschuss des Stadtrates auf eine Frage des SPD-Ratsherrn Klaus-Reiner Schütte (Greene) antwortete. Wie realistisch das sei, lasse sich jedoch aktuell nicht sagen. Ein Boardinghouse ist ein Beherbergungsbetrieb für Langzeitnutzer. Ein erstes Nutzungskonzept hat der Investor der Stadt Einbeck für Mai angekündigt. Der Wirtschaftsförderung im Einbecker Rathaus hat der Investor mitgeteilt, dass der Wartebereich erst wieder geöffnet werden könne, wenn zumindest das Erdgeschoss ausreichend vermietet ist. Dann könnten die Kosten eines Sicherheitsdienstes sowie der Reinigung der Toilettenanlage auf die Nutzer umgelegt werden. Die Toilettenanlage könne wieder eröffnet werden, wenn sich ein Betreiber dafür finde, der die Kosten übernehme, hat die Stadt Einbeck vom neuen Eigentümer erfahren. Dieser sei jedoch nicht in Sicht. Eine Toilette sieht die Bahnhofskategorie, in die Kreiensen von der Deutschen Bahn AG eingestuft ist, nicht vor. Der Wartebereich war auf Wunsch des Mieters geschlossen worden, nachdem Verwüstungen und Beschädigungen immer größer wurden und die Fahrkartenagentur morgens nur öffnen konnte, nachdem eine tägliche Grundreinigung des Wartebereichs erfolgt war.

Exklusive Einblicke

Die Baustelle Sitzungssaal konnten die Ausschussmitglieder kurz und vorsichtig in Augenschein nehmen.

Die Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses gestern war unerwartet kurz, die Gelegenheit günstig, tagte das Gremium doch in der nahen Rathaushalle: Bauamtsleiter Frithjof Look gewährte den Ausschussmitgliedern und den wenigen Sitzungsbesuchern spontan einen kurzen, vorsichtigen, exklusiven Blick auf die Baustelle Altes Rathaus. Dort werden gerade Trauzimmer und Sitzungssaal modernisiert. Die Arbeiten sollen zum Monatswechsel abgeschlossen sein; sie mussten während der Bierordenverleihung (auch Aufbau- und Abbau) wie geplant kurz unterbrochen werden. Die versteckten Tresore wurden bereits aufgearbeitet und sind nun der Hingucker im Trauzimmer. Diese Lösung ist sehr schön. In den Sitzungssaal kommt noch die moderne Projektionstechnik, dann können dort auch wieder Sitzungen der Ratsmitglieder in Ausschüssen stattfinden, ohne dass Beamer-Projektionen auf irgendeine Wand geworfen werden und viele nicht viel erkennen können. Bei allem Respekt vor dem schweren, alten Mobiliar wäre es die Krönung und ein besonderes, der Kommunikation sicherlich nicht hinderliches Sitzungserlebnis, wenn künftig dort die Kommunalpolitiker statt in einem Tischrechteck an einem runden oder ovalen Tisch auf leichteren Stühlen sich gegenüber sitzen könnten.

Bauamtsleiter Frithjof Look zeigt die überarbeiteten Tresore im Trauzimmer des Alten Rathauses.

Grüne gegen Windkraft-Vorranggebiete

Manfred Helmke (l.) und Dietmar Bartels vor einem  Windrad. Foto-Montage: Grüne

Die Grünen im Einbecker Stadtrat lehnen Vorranggebiete für Windkraftanlagen ab. Am 13. Februar befassen sich Stadtentwicklungsausschuss und Bau- und Umweltausschuss in einer gemeinsamen Sitzung (17 Uhr, Rathaushalle) mit der Thematik. „Die Zeit für Windparks in dicht besiedelten Gebieten ist vorbei“, erklärte Grünen-Fraktionsvorsitzender Dietmar Bartels heute in einer Pressemitteilung, „Windparks mit bis zu zehn Windkraftanlagen könnten heute durch eine einzige Anlage ersetzt werden“. Die Grünen plädieren für die Auflösung der bisher von städtischer Seite ausgewiesenen Flächen und sind dagegen, dass neue Flächen ausgewiesen werden. Das ermögliche die Genehmigung von Einzelanlagen nach dem Bundes-Imissionsschutzgesetz an Standorten, an denen auch Wind wehe, erklären die Grünen. „Eine Umzingelung von einzelnen Ortschaften wird es dann nicht geben, die dann entstehenden wenigen Anlagen werden sich über das Stadtgebiet verteilen“, meint Bartels. Einen Wildwuchs befürchten die Grünen dennoch nicht, denn die heutigen Windkraftanlagen mit einer Nabenhöhe von über 150 Meter und einen Rotordurchmesser von 150 Meter benötigten einen Abstand untereinander von mindestens dem Sechsfachen des Rotordurchmessers. „Dieser Abstand sei nötig, um die gegenseitige Verschattung zu vermeiden“, erläutert Grünen-Ratsmitglied Manfred Helmke in der Pressemitteilung, „und der Abstand zur Bebauung ergibt sich aus dem erforderlichen Lärmschutzgutachten und beträgt je nach Anlagentyp 900 bis 1000 Meter“. Durch diese technisch bedingten Voraussetzungen und weitere Vorgaben des Tierschutzes, zum Beispiel 1500 Meter Abstand zu Rotmilanhorsten, verbleiben nach Auffassung der Grünen-Ratsfraktion nur wenige kleine Flächen, an denen Windkraftanlagen entstehen könnten. Für einen Windpark sei einfach zu wenig Platz in Einbeck.

Nachtrag 12.02.2018: Aktuell liegt der Stadt Einbeck eine Anfrage für insgesamt eine Anlage vor. Den Standort mochte die Stadtverwaltung „aus Konkurrentenschutzgründen“ nicht nennen.

CDU besucht Straßenmeisterei Einbeck

Genug Streusalz vorhanden: Vertreter der Einbecker CDU mit Straßenmeisterei-Leiter Andreas Gleichfeld (gelbe Jacke).

Natürlich interessierten sich die Christdemokraten für den Winterdienst. Denn eigentlich ist ja jetzt Winter. Platz für 1000 Tonnen Streusalz haben die Straßenwärter an der Hannoverschen Landstraße (Sensoren zeigen sogar in Hannover an, wenn das Salz zur Neige gehen sollte), dazu haben sie die passenden Fahrzeuge für das Räumen und Abstreuen vor Ort. Und sie schauen nicht nur persönlich mitten in der Nacht, ob es auf den Straßen glatt ist, sondern haben dafür unter anderem an der Talbrücke bei Salzderhelden auch eine moderne Messstation, die sogar Wetterdienste beliefert. Die Einbecker CDU mit ihrer Vorsitzenden Beatrix Tappe-Rostalski an der Spitze hat sich bei der Straßenmeisterei Einbeck umgesehen und von ihrem Leiter Andreas Gleichfeld unter anderem erläutern lassen, dass eine Straßenmeisterei viel mehr Aufgaben hat als der klassische kommunale Bauhof. Der Staat mache nicht alles selbst, betonte Gleichfeld, viele Unterhaltungsleistungen wie Winterdienst (50 Prozent aktuell an vier Unternehmen), Mäharbeiten (ebenfalls die Hälfte), Gehölzpflege, Reinigungsarbeiten, Müll-Sammelaktionen, Instandsetzungsarbeiten an Entwässerungseinrichtungen oder Ausbesserungsarbeiten an Straßen werden an Firmen vergeben. Einbeck ist die viertgrößte Straßenmeisterei in Niedersachsen mit 29 Mitarbeitern und vier Auszubildenden, davon eine Frau. Zuständig ist sie für insgesamt 359 Straßenkilometer von Bundesstraßen (B3 von Ammensen bis Vogelbeck, B 64 von Wenzen bis Dannhäuser Berg, B 445 von Bad Gandersheim bis Sebexen), Landes- und Kreisstraßen des Landkreises Northeim mit insgesamt 129 Brückenbauwerken und Durchlässen sowie 44 Kilometern Radwege. Insgesamt 2,5 Millionen Quadratmeter Grünflächen sowie eine Million Quadratmeter Gehölzflächen sind zu pflegen und instandzuhalten, nach einem definierten Unterhaltungsstandard. Das geht gar nicht ohne Leistungen von Fremdfirmen, wurde den Christdemokraten deutlich. Ein ausgebildeter Straßenwärter ist ein Allrounder, in Verkehrstechnik, Asphaltbau, Betonbau, Tiefbau, Winterdienst, Gehölzpflege und Grünpflege gleichermaßen tätig. Gleichfeld erläuterte den Christdemokraten, dass vor allem planbare Arbeiten vergeben werden, Sofortmaßnahmen seien da für externe Firmen eher unattraktiv. Denn bei diesen schnellen Einsätzen (Verkehrzeichen setzen, Ampeln kontrollieren, Abläufe reinigen, Schlaglöcher ausbessern) müsse man in 30 Minuten vor Ort sein und sich dort auch auskennen.

Bla bla bla

Tür zum WC für Herren.

Tür zum WC für Damen.

Das wird sich in Einbeck einprägen. Da ist Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek sicher. Sie lacht. Politisch sind die Worte nicht gemeint, die da an den Türen im neuen DRK-Jugendgästehaus in Einbeck stehen. Oder doch? „Ich gehe aufs Bla“, das werde sich etablieren, sagte die Rathauschefin bei der Eröffnung des neuen Gästehauses. Hinter den Türen mit diesen Worten sind die Toiletten verborgen. „Bla“ für Herren, „bla bla bla“ für Damen. Augenzwinkernd ist es natürlich gemeint (für einige muss man das ja immer dazu schreiben, so viel Humor haben sie). Und Symbole für Damen und Herren ergänzen die Worte, damit auch wirklich jeder zum eigentlich stillen Örtchen findet. Auch ohne Blabla. Die Bürgermeisterin dankte für das überragende Engagement des DRK bei diesem Projekt, bei dem Kosten- und Zeitrahmen eingehalten werden konnten und das vom Stadtrat fraktionsübergreifend getragen worden sei. „Sie haben uns auch motiviert“, sagte Michalek über den Einsatz von Hausleiter Jan Störmer, der wie das gesamte DRK immer an das Projekt geglaubt habe. Schließlich sei der Weg lang gewesen.

Bürgerspital: Verhandlungen und Personalien

Dr. med. Albrecht Bornscheuer. Foto: Bürgerspital

Beim Einbecker Bürgerspital dauern die Verhandlungen mit einem potenziellen Investor an. Vor einer Unterschrift seien „noch einige essentielle Themen zu klären“, erklärte in dieser Woche der generalbevollmächtigte Rechtsanwalt der im Insolvenzverfahren befindlichen Klinik, Markus Kohlstedt. In welchem Zeitraum das geschehen werde, könne man nicht sagen, ergänzte heute Geschäftsführer Birger Kirstein. Im Gespräch ist das Krankenhaus auch weiterhin mit dem Sozialministerium in Hannover. Das Bürgerspital hat unterdessen einen neuen Ärztlichen Direktor: Dr. med. Albrecht Bornscheuer (59) hat bereits Mitte Januar beratend diese Funktion übernommen, wie das Krankenhaus auf seiner Internetseite mitteilt. Der gebürtige Einbecker ist Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin und nach 23 Jahren klinischer Tätigkeit als Senior Consultant bei der Bartels Consulting GmbH (Coesfeld) tätig. Bornscheuer hat viele Jahre in der Medizinischen Hochschule Hannover gearbeitet, war zuletzt von 2013 bis 2016 als Ressortleiter Medizin bei den AWO Gesundheitsdiensten Hann.Münden tätig.

Das Einbecker Krankenhaus ist auf der Suche nach einem neuen Chefarzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt Gastroenterologie – „ab sofort vor dem Hintergrund der Neupositionierung“, wie es in der Stellenanzeige heißt. Der bisherige Chefarzt Dr. med. Olaf Städtler wird das Bürgerspital verlassen. Das hat Markus Kohlstedt auf meine Anfrage bestätigt: „Die medizinische Versorgung wird sichergestellt, offene Positionen im Rahmen des Notwendigen neu besetzt.“ Städtler war seit der Neugründung des Einbecker Bürgerspitals 2013 bis Mitte 2017 medizinischer Geschäftsführer der Klinik und zeitweilig auch Mehrheitsgesellschafter. Im Herbst 2016 hatte es Streit zwischen den Gesellschaftern des Krankenhauses gegeben. Das Einbecker Bürgerspital sucht ferner Oberärzte für Innere Medizin. Zum Jahresbeginn hat das Krankenhaus seine Innere Medizin außerdem um den Schwerpunkt Pulmologie/Pneumologie, Allergologie und Beatmungsmedizin unter der Leitung von Dr. med. Andreas Kroll erweitert.