SPD: Silberborn-Bürgerbegehren ist Unfug

Uwe Schwarz. Foto: SPD

Peter Traupe. Foto: SPD

Während allenthalben von den Organisatoren zu hören ist, dass die Unterschriftensammlung für das Bürgerbegehren für den Erhalt des Jugendfreizeitheimes Silberborn gut angelaufen sei, hat die SPD-Kreistagsfraktion heute Abend noch einmal ihren politischen Standort bei dem Thema in einer umfangreichen Pressemitteilung verdeutlicht. Die Sozialdemokraten sprechen von sechs Klarstellungen zu von den Bürgerbegehren-Initiatoren angeführten Aussagen (Wortlaut: PM_13_2018_SPD_Buergerbegehren_JFH). Ein Bürgerbegehren sei zwar demokratisch legitim, dennoch Unverständnis bei der SPD-Fraktionsführung. Das Vorhaben Bürgerbegehren sei „Unfug“, so das Fazit, und belaste bei erfolgreichem Ausgang die öffentliche Hand weiter erheblich, schreiben Uwe Schwarz und Peter Traupe in der SPD-Mitteilung. Es sei auch keineswegs wie behauptet unparteiisch organisiert, denn als Rücksendeanschrift für die Unterschriftenlisten sei „die Anschrift eines Kreistagsabgeordneten einer kleineren Gruppierung im Kreistag angegeben“. Gemeint ist der Verein BLU, Am Kapellenbrunnen 8, Fredelsloh. Unter dieser Adresse ist laut Kreistagsinformationssystem auch der Kreistagsabgeordnete Lothar Baumelt (Northeim 21) erreichbar. Die Bürger sollten sich vor Abgabe ihrer möglichen Unterschrift zur Unterstützung des Bürgerbegehrens über die Auswirkungen informieren, die eintreten würden, wenn das Jugendfreizeitheim in der Trägerschaft des Landkreises Northeim verbleibt, wünscht sich die Fraktionsführung der SPD. Das Jugendfreiheitheim entspreche den heutigen Anforderungen der Freizeitgestaltung von Kindern und Jugendlichen nicht mehr. Es gebe einen Investitionsstau von zwei Millionen Euro und benötige jährlich einen Betriebskostenzuschuss von 150.000 Euro, die ausschließlich vom Landkreis aufgebracht werden müsse, schreibt die SPD. Da nur 17 Prozent der Nutzer aus dem Landkreis kommen, sei es verantwortungsbewusst und gerechter, wenn diese 150.000 Euro jährlich anderen Maßnahmen für Jugendliche zugute kommen würden, etwa zur Unterstützung für Ferienfreizeiten und für die Finanzierung der Jugendpfleger in den Städten und Gemeinden.

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Die lange erwartete Unterschrift

Freude im Kreishaus über die Telekom-Unterschrift: Sabine Spethmann-Nikulla, Fachbereichsleiter Ralf Buberti und Landrätin Astrid Klinkert-Kittel (v.l.). Foto: Landkreis Northeim

Mit ihr war gerechnet worden, aber es dauerte. Manchen zu lange. Jetzt ist sie im Kreishaus eingetroffen, wie die Landrätin heute Mittag mitteilen lässt. Die Unterschrift. Wann genau die Telekom den Vertrag über den Breitbandausbau unterschrieben hat, wurde dabei zunächst nicht bekannt und ist auch auf dem Foto nicht erkenntlich. Das Datum ist deshalb entscheidend, weil ab Vertragsstart das Unternehmen ein Jahr lang Zeit hat für seine Bauarbeiten. „Ich freue mich, dass nach dem Erhalt der Förderbescheide jetzt endlich der Vertrag mit der Deutschen Telekom unter Dach und Fach ist und der Ausbau beginnen kann“, erklärte Landrätin Astrid Klinkert-Kittel in der Mitteilung ihres Kreishauses. Die Vorbereitungszeit habe viel zu lange gedauert. „Mit der Vertragsunterzeichnung ist uns ein wesentlicher Schritt gelungen, es bleibt aber viel zu tun.“ Rund 16.000 Haushalte, die derzeit mit weniger als 30 Mbit/s versorgt werden, erhalten „bis zum Sommer 2019“ schnelleres Internet; 97 Prozent dieser Haushalte können mit einer Versorgungsleistung von 50 Mbit/s rechnen. Die Deutsche Telekom informiert laut der Mitteilung aus dem Kreishaus derzeit die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der Städte und Gemeinden über die Trassenführungen und die geplanten Bauverfahren. In Einbeck habe dazu am 12. Juli bereits ein Termin stattgefunden. Derzeit arbeitet der Bonner Konzern laut Landkreis Northeim auch an einer Website, über die sämtliche Informationen zum Breitbandausbau abrufbar sein sollen. Mitte September werde die Feinplanung abgeschlossen sein, hieß es. Ab diesem Zeitpunkt könne der Bau beginnen. Auch die Reihenfolge der Bauabschnitte werde dann bekannt gegeben. Ob die zuletzt einfädelten politischen Initiativen im Kreisausschuss und im Einbecker Verwaltungsausschuss damit hinfällig werden, bleibt in dieser Woche abzuwarten. In den nicht-öffentlichen Gremien sollte notfalls darüber beraten werden, wie weiter verfahren werden solle, wenn die Telekom nicht unterschreiben würde. Ruhe ist mit der eingetroffenen Unterschrift damit aber mitnichten eingetreten. Der Ortsrat Ahlshausen beispielsweise hat vergangene Woche beantragt, die tatsächliche Leistungsfähigkeit der Internet-Versorgung im Dorf zu überprüfen. Der heutige Anbieter „OR Network“ habe seine Angaben deutlich übertrieben, wodurch Ahlshausen aus dem Förderprogramm Breitbandausbau herausgenommen worden sei, war sich der Ortsrat einig. Die angegebene Leistung von bis zu 50 Mbit/s komme jedoch in den Haushalten nicht an, die Technik sei vom Wetter und der Vegetation sehr abhängig. Trotz mehrfacher Anfragen bei der Landrätin, der Telekom und dem zuständigen Staatssekretär in der Landesregierung habe beim Breitband-Ausbau noch keine Lösung für Ahlshausen erreicht werden können, stellte der Ortsrat enttäuscht fest.

Markiert parken in der Baustraße

Bislang gab’s keine Markierungen…

…jetzt sind die Parkflächen markiert worden.

Größere Fahrzeuge hatten immer mal wieder Probleme, die Baustraße in Einbeck zu nutzen, ohne Außenspiegel zu touchieren oder abzufahren, weil auf beiden Seiten der Kernstadtstraße geparkt werden darf (mit Parkscheibe, maximal zwei Stunden) und die Fahrbahn dann manchmal eng werden kann. Wenn zum Beispiel ein Auto mit größerem Abstand vom Bordstein stand als es richtig wäre. Auch für die breiten Fahrzeuge der Müllabfuhr war da oftmals nur schwer durchzukommen. Ebenso der Lieferverkehr habe Probleme gehabt, wenn beidseitig die Parkflächen belegt und parkende Autos nicht gerade „platzsparend“ standen, also die Fahrzeuge mit einem größeren Abstand vom Bordstein geparkt haben, erklärte Thomas Eggers, Sachgebietsleiter Sicherheit und Ordnung im Einbecker Rathaus, auf Anfrage. „Größere Fahrzeuge hatten viel Mühe die Engstelle zu passieren oder mussten teilweise in Richtung Sonnenhaken zurücksetzen.“ Durch neue Markierungen werde jetzt der Parkraum vorgegeben, so dass den Liefer- und Müll-Fahrzeugen nun einer Fahrbahnbreite zwischen den Parkflächen von 3 Metern zur Verfügung steht. Wenn alle sich an die Linien halten.

Eine OVG-Niederlage, die zum Gewinn werden kann

Vor dem Oberverwaltungsgericht Lüneburg war die Stadt Einbeck vergangenes Jahr höchstrichterlich gescheitert. Sie musste es letztlich hinnehmen (und der Stadtrat hat die entsprechenden Finanzmittel in Höhe von 100.000 Euro  genehmigt), dass ein herrenloses Haus auf einem Grundstück unmittelbar an der Ortsdurchfahrt im Ortsteil Greene auf Kosten der Allgemeinheit und aus Gründen der Gefahrenabwehr abgerissen wurde. Doch wieso sollte die Allgemeinheit die Lasten individueller Versäumnisse tragen? Das Einbecker Rathaus ließ das nicht ruhen. In der Juni-Ausgabe der Niedersächsischen Verwaltungsblätter (NdsVBl. 6/2018), der Zeitschrift für öffentliches Recht und öffentliche Verwaltung, haben der Rathaus-Justizar Dr. Florian Schröder und der Fachbereichsleiter Bauen, Frithjof Look, in einem gemeinsamen Aufsatz „Bau-Polizeipflicht bei herrenlosen Grunstücken – ein Appell“ (S. 166-168) die Sachlage nochmal einem Fachpublikum dargelegt. Das OVG habe sein offenkundiges Bedauern ja selbst in einem schönen Satz ausgedrückt, schreiben die beiden und zitieren das Gericht: „Diese gesetzgeberische Entscheidung (dass es keine Rechtsgrundlage gibt, Anmerkung fb) haben die Antragsgegnerin und der Senat hinzunehmen“. Ihr Aufsatz-Fazit: Es sei zu hoffen, dass sich der im Oktober 2017 neu gewählte Landtag der Thematik annehme und die niedersächsische Rechtslage ändere, damit nicht mehr die Allgemeinheit ohne Not in die Pflicht genommen werde. Die Bauordnungen anderer Länder böten hier Orientierung.

Die dortige Hoffnung könnte nun Realität werden. Die SPD/CDU-Koalition hat im Juni einen Gesetzentwurf zur Änderung der niedersächsischen Bauordnung eingebracht, in dem als Reaktion auf das Einbecker Verfahren vor dem OVG eine Änderung vorgesehen ist, nach der die Regelungen zu herrenlosen Gegenständen aus dem Sicherheits- und Ordnungsgesetz (SOG) nunmehr auch in der NBauO auf Grundstücke anwendbar sein sollen. Die OVG-Niederlage hätte, wenn dieser Entwurf Gesetz wird, dann doch noch irgendwie ihr Gutes.

Das herrenlose Haus in Greene ist seit November 2017 abgerissen. Archivfoto

Bürgerbegehren soll Freizeitheim retten

Der Vater des Bürgerbegehrens: Turnkreis-Vorsitzender Heinz-Willi Elter (Ippensen).

Ein Bürgerbegehren oder, wenn das nicht bereits ausreicht, ein Bürgerentscheid soll das Jugendfreizeitheim Silberborn retten. Die Initiatoren des Bürgerbegehrens haben damit begonnen, die für einen Erfolg notwendigen 9000 Unterschriften zu sammeln. Das sind die nach dem Gesetz vorgeschriebenen 7,5 Prozent der Wahlberechtigten, die notwendig für einen Bürgerentscheid sind. Bei einem erfolgreichen Bürgerentscheid kann der Landkreis zwei Jahre lang das Freizeitheim nicht schließen, sagten die Initiatoren. Bis Ende September wollen sie auf Plätzen, vor Supermärkten und in Geschäften für ihr Anliegen werben, das Anfang Juni vom Kreistag mit großer Mehrheit beschlossene Ende der vom Landkreis Northeim getragenen Einrichtung im Solling noch abzuwenden. Unterschreiben kann jeder Wahlberechtigte im Landkreis Northeim, der mindestens 16 Jahre alt ist. „Innerhalb von zehn Wochen 9000 Unterschriften ist eine hohe Hürde, aber nicht aussichtslos“, sagt Kreistagsabgeordneter Lothar Baumelt (Northeim 21), der mit seiner Fraktion „Northeim 21/Die Linke“ das Vorhaben ebenso wie die Grünen unterstützt. „Den politischen Druck von 9000 Unterschriften sollte man nicht unterschätzen“, hofft Kreistagsabgeordnete Karoline Otte (Grüne), dass der Kreistag von sich aus bei einem erfolgreichen Bürgerbegehren noch einmal tätig wird. Vielleicht setze man sich dann ja endlich mal gemeinsam an einen Tisch, um über Zukunftsmöglichkeiten zu sprechen, sagt der frühere Silberborner Ortsbürgermeister Wolfgang Peter, der die Initiative unterstützt: „Man muss nur den Willen haben.“ Im Northeimer Kreistag hatten sechs Abgeordnete bei Grünen, Northeim 21/Linke und AfD dagegen gestimmt, die Landrätin zu beauftragen einen Käufer zu finden und den Betrieb zum 31. Dezember 2018 einzustellen, Joachim Stünkel (CDU) enthielt sich der Stimme.

Dr. Friederike Kaiser und Heinz-Willi Elter zeigen die Listen.

Vertretungsberechtigt für das gestartete Bürgerbegehren sind der Vorsitzende des Turnkreises Northeim-Einbeck, Heinz-Willi Elter (Einbeck-Ippensen), die ehemalige Uslarer Grundschulrektorin Ulrike Glaesner (Bodenfelde) und die Waldpädagogin Dr. Friederike Kaiser (Uslar-Fürstenhagen). Unterstützt wird das Vorhaben unter anderem auch vom BUND, vom Waldpädagogischen Zentrum Stadtoldendorf und vom Kreiselternrat. Gesammelt werden die ausgefüllten Unterschriftenlisten bis zum 20. September beim 1979 gegründeten überparteilichen Verein Bildungswerk Leben und Umwelt (BUL) in Fredelsloh. Der Kreisausschuss hat am Donnerstag festgestellt, dass die formalen Voraussetzungen für ein Bürgerbegehren vorliegen und die Unterschriften gesammelt werden können, bestätigte Kreissprecherin Claudia Hiller.

Bei ersten Sammlungen seit einer Woche habe man schon zu 80 Prozent Zustimmung erfahren, sagte Lothar Baumelt bei einer Pressekonferenz der Initiatoren in der Einbecker Rathaushalle. Den Ort Einbeck als Start der Kampagne habe man bewusst gewählt, sagte Heinz-Willi Elter. Der Stadt Einbeck habe schon 1949 auf Anregung von Junglehrern die Chance für ein Schullandheim im Solling erkannt; 1961 wurde der Neubau des Jugendfreizeitheims von Stadt und Landkreis Einbeck eröffnet, 1974 mit der Gebietsreform übernahm der Landkreis Northeim als Träger die Einrichtung. Baumelt räumte ein, erst spät im Kreistag aktiv geworden und Öffentlichkeit hergestellt zu haben, aber nicht-öffentliche Sitzungen hätten keine andere Wahl gelassen. Jetzt nach dem Kreistagsbeschluss starte man durch: „Wir haben nichts mehr zu verlieren.“

Ziel der Initiatoren ist ein Bürgerentscheid, der bei einem erfolgreichen Bürgerbegehren innerhalb von drei Monaten stattfinden muss. Wunschtermin wäre Anfang November. Damit soll eine Schließung langfristig verhindert werden. Die zeitlichen Abläufe bis zu einem Entscheid werden es wahrscheinlich aber nicht mehr ermöglichen, das zum 31. Dezember beschlossene Ende des Jugendfreizeitheimes mit der Initiative noch nahtlos zu verhindern, schätzt Lothar Baumelt. Aber nach drei Monaten Pause könne man dann vielleicht wieder eröffnen.

Das Jugendfreizeitheim Silberborn mit seinem vielfältigen auch sportlichen Angebot sei nicht aus der Zeit gefallen, dort gebe es auch keinen Investitionsstau, sagte Heinz-Willi Elter zu Aussagen der Schließungsbefürworter. Davon habe er sich mehrfach persönlich überzeugt. Der Turnkreis veranstalte seit mehr als 25 Jahren drei Mal im Jahr Übungsleiter-Fortbildungen und Kinderfreizeiten. Silberborn sei bestens dafür geeignet, Jugendliche frühzeitig an die Natur heranzuführen, argumentiert Dr. Friederike Kaiser. Sie ist seit sieben Jahren regelmäßig als zertifizierte Waldpädagogin für Schulen vor Ort aktiv, zusammen mit anderen Waldpädagogen seien das 50 Termine im Jahr.

Mit insgesamt neun Argumenten wenden sich die Initiatoren des Bürgerbegehrens an die Wahlberechtigten und bitten um die Unterschrift für den Erhalt in kommunaler Trägerschaft (Bürgerbegehrten Argumente Silberborn). Vorhandene Rücklagen in Höhe von mehr als 1,1 Millionen Euro könnten das Betriebsdefizit (200.000 Euro jährlich) noch einige Jahre decken, argumentieren sie unter anderem. Mit einer besseren Vermarktung, durch Schulkooperationen, mit Betriebsferien in den belegungsschwachen Wintermonaten oder mit der Gründung eines Fördervereins könne das Defizit gesenkt und das Haus mit seinen vielfältigen Bewegungsmöglichkeiten in der Natur in öffentlicher Trägerschaft erhalten werden. Heinz-Willi Elter hatte sich bereits ebenso wie Friederike Kaiser in der Einwohnerfragestunde der Kreistagssitzung im Juni für den Erhalt der Einrichtung stark gemacht. Seit Bekanntwerden der Pläne habe sich die Gruppe getroffen, und dann nach der Kreistagsentscheidung wieder. Elter: „Das Spiel ist noch nicht aus.“

Das Jugendfreizeitheim weise nicht allein seit Jahren Defizite auf, es sei im Jahr 2017 nur noch zu 17 Prozent von Kindern und Jugendlichen aus dem Landkreis Northeim besucht worden, hatte die Kreistagsmehrheit ihren Entschluss begründet. Der Verkauf solle der Jugendstiftung des Landkreises Northeim zugute kommen und würde damit viel zielgerichteter für die Kinder- und Jugendlichen im Landkreis Northeim eingesetzt.

Die Unterstützer des Bürgerbegehrens wollen mit ihren Listen in den nächsten Wochen an vielen Orten im gesamten Kreisgebiet präsent sein.

Althusmann im Wald, der keiner mehr ist

Bernd Althusmann bei Ahlshausen.

Es hätte ein fast ebenso schattiger Termin sein können wie zuvor auf seiner Sommertour in der Tropfsteinhöhle in Bad Grund: Niedersachsens CDU-Vorsitzender Bernd Althusmann besuchte gestern den Wald bei Ahlshausen. Doch diesen Wald gibt es seit dem 18. Januar nicht mehr. Sturmtief  „Friederike“ hat ihn mit Orkanböen binnen weniger Stunden vernichtet, zahllose Bäume umgeknickt, weit mehr als 100.000 Festmeter Holz an Schaden angerichtet. Und so brennt ohne Schatten die Mittagssonne bei 30 Grad auf die Gruppe aus Christdemokraten, Forstleuten und Waldbesitzern, die mit dem Trecker-Anhänger durch die einstigen Waldgebiete fahren. Althusmann ist beeindruckt. „Ich kann mir die Situation jetzt besser vorstellen“, sagt er. Damit bringt der Wirtschaftsminister in der SPD/CDU-Koalition in Hannover ziemlich exakt das auf einen Punkt, was Sommerreisen von Politikern sein sollen: Ein Ausflug raus aus den Plenarsälen, aus den abgeschlossenen Käseglocken, hinein ins wirkliche Leben, sich in die Lage der Menschen vor Ort versetzen. Althusmann unternimmt seine Sommertour zwar offiziell als CDU-Landesvorsitzender, aber natürlich nimmt er ebenso als Wirtschaftsminister die Sorgen und Bitten der Betroffenen mit in die Landeshauptstadt, in sein Ministerium und in die Landesregierung.

Bernd Althusmann (l.) unterwegs in den Waldgebieten mit Vertretern der örtlichen Forstbesitzer und der CDU.

Vor allem geht es selbstverständlich um den Wald, der keiner mehr ist. Aber auch Themen wie die absolut unzureichende Mobilfunk- und Internetverbindung in der Einbecker Ortschaft notiert der 51-jährige Politiker in Ahlshausen in seinen imaginären Block. Dort landen aber vor allem die Probleme, die nach „Friederike“ für die örtlichen Waldbesitzer entstanden sind. Das abgeknickte Holz muss jetzt mit einem Mal aus den Waldflächen abtransportiert werden. Das dauert, inzwischen sind allerdings dafür größere Lkw zugelassen. Das belastet die Waldwege. Das sorgt zwar für einen einmaligen Einnahmeeffekt (wobei die Holzpreise auch durch das große Angebot in den Keller rauschen), dem aber dann auf Jahrzehnte keine Holzernte mehr folgt. Weil es mindestens eine Generation dauern wird, bis dort überhaupt wieder nennenswerter Wald stehen wird, aus dem man Bäume ernten kann. Wodurch die Forstgenossenschaften keine Ausschüttungen an die Besitzer mehr leisten können. Hilfen für die Waldbesitzer sind also notwendig. Althusmann erfährt, dass der Bahnhof Kreiensen für den Abtransport immens wichtig ist und länger gebraucht wird, als dies die Bahn mal gedacht und deshalb Bauarbeiten dort auf der Strecke angesetzt hatte. Grundsätzliches, aber auch viele interessante Details aus der Praxis landen im Notizblock des Politikers: Beispielsweise, dass für die ab Herbst anlaufende Aufforstung die Bäume knapp werden. Wer gefördert werden will, muss „heimische Baumarten“ anpflanzen. Die gibt es aber nicht mehr in der Menge, die man benötigen würde, weshalb die Waldbesitzer gerne auf andere verträgliche Arten ausweichen möchten, schildern Hermann Beismann als zuständiger Landesförster, Stefan Wrisberg und Christoph Bretschneider als Vertreter der Forstgenossenschaften Opperhausen und Ahlshausen, sowie Dr. Bernd von Garmissen als Vertreter der Forstbetriebsgemeinschaft Südhannover.

„Die Notwendigkeit von Hilfen ist mir nochmal deutlich geworden“, sagt Althusmann am Ende des Besuchs. Wenn seine für Forsten zuständige Ministerkollegin und Parteifreundin Barbara Otte-Kinast in Hannover nach dem Sommer nochmal auf das Thema Waldschäden durch Sturmtief Friederike kommt, weiß Bernd Althusmann aus eigener Anschauung schon Bescheid.

Welches sind die Probleme vor Ort? Das lässt sich CDU-Vorsitzender und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (Mitte, ohne Hut) in Ahlshausen von Vertretern der Forst, Waldbesitzer und der CDU erläutern.

Kein Wald mehr da bei Ahlshausen, mehr als 100.000 Festmeter Holz Schaden.

SPD auf dem Einbecker Bahnsteig

Baustelle Bahnsteig: SPD-Mitglieder und interessierte Bürger informierten sich.

Rot ist eigentlich ja eine Farbe, die Sozialdemokraten gefällt. Im Einbecker Bahnhof freuen sich an diesem Abend zum Auftakt des traditionellen Projektsommers nicht nur SPD-Mitglieder und Freunde aber darüber, dass die neuen Signale bald nicht mehr Rot anzeigen, sondern auf Grün schalten werden. Ilmebahn-Geschäftsführer Christian Gabriel informierte eine große Gruppe interessierter Bürger auf dem neuen Bahnsteig in Einbeck-Mitte über den Schlussspurt-Stand der Bauarbeiten für die Strecken-Reaktivierung nach Salzderhelden. Am 9. Dezember dieses Jahres fahren nach 1984 dann die ersten regulären Personenzüge zwischen Einbeck und Salzderhelden, so ist es vorgesehen. Dass das schon ein Jahr früher hätte passieren sollen, ist inzwischen fast vergessen. Von 6 bis 21.30 Uhr sollen dann 30 Züge am Tag in Einbeck-Mitte einfahren, während der Hauptzeiten auch als durchgängige Verbindungen ohne Umstieg bis Göttingen. Etwa drei Minuten soll die Fahrt bei Tempo 60 bis nach Salzderhelden dauern. Den erledigt die DB Regio auf dem Ilmebahn-Gleis. Den 110 Meter langen Bahnsteig in Einbeck mit Übergang zum Pendlerparkplatz am Köppenweg hat die Ilmebahn nach den Worten ihres Geschäftsführers für rund 300.000 Euro gebaut, vor allem aus Fördermitteln, den Vorplatz auch mit eigenem Geld. Weil die weiteren Begehrlichkeiten nach Eröffnung der Strecke schnell kommen werden, sanierte die Ilmebahn jüngst auch noch die Schwellen und Schienen der Innenstadtstrecke bis zum PS-Speicher, das eigentliche Reaktivierungsprojekt endet jedoch am Bahnhof Einbeck-Mitte. Im August wird laut Gabriel nochmal für zwei Wochen die wichtige Ostertor-Kreuzung voll gesperrt werden müssen, um auch hier die Anlagen und die technische Sicherung zu erneuern.

Vom Bahnsteig führt der Weg zum Pendlerparkplatz, zeigt Christian Gabriel (Mitte).

Zurzeit wird das Bahnhofsgebäude gestrichen. Was auf dem Bahnsteig bislang noch fehlt und in den nächsten Wochen kommt, sind ein Durchgang zur Gastronomie mit der Möglichkeit für Außenbestuhlung auf dem Bahnsteig, ein Fahrkartenautomat, ein Schutzhäuschen, eine Echtzeit-Fahrgastinformation für Bus und Bahn. Auch sechs Leuchten werden noch aufgestellt, die zunächst gelieferten (und derzeit auf dem Weg liegenden) sind die falschen Modelle. Weil zehn Transporte gleichzeitig eine Herausforderung auf der Straße sind, stehen die fertigen Brückenteile für die drei Brücken über Leine und Ilme noch in Magdeburg, bis Ende August sollen aber auch sie eingebaut sein. Dann ist alles bereit.

Nicht nur den 9. Dezember sollten sich Einbecker Eisenbahnfreunde schon heute merken, sondern bereits den Tag vor dem Fahrplanwechsel. Am Sonnabend, 8. Dezember, soll es nach der offiziellen Einweihung der Strecke mit hochkarätiger Politprominenz für alle Bürger dann die Möglichkeit zu Sonderfahrten auf der neuen alten Strecke geben.

Ilmebahn-Geschäftsführer Christian Gabriel (3.v.r.) informierte über die Bauarbeiten.