Look-Nachfolge ausgeschrieben

Die Stadt Einbeck möchte die Nachfolge des zum 1. August zur Stadt Wuppertal wechselnden Bauamtsleiters Frithjof Look so schnell wie möglich besetzen – möglichst nahtlos. Der Verwaltungsausschuss ist nach Mitteilung von Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek gestern „schweren Herzens“ dem Versetzungsantrag Looks gefolgt und hat den Text der heute bereits veröffentlichten Stellenanzeige (BauenPlanen Einbeck Stellensuche_Detailinformationen_17_5_2018) für eine neue Fachbereichsleitung Stadtentwicklung und Bauen einstimmig beschlossen. „Wir hoffen auf einen qualifizierten Nachfolger oder Nachfolgerin“, sagte die Rathauschefin heute. Die Bewerbungsfrist endet bereits am 14. Juni, in der 28. Kalenderwoche (also Mitte Juli) sollen die Bewerbungsgespräche geführt werden. Die Stelle ist nicht mehr nach A14 dotiert ausgeschrieben, sondern – unter anderem weil der Bereich Forst zum Jahresanfang neu hinzu gekommen war – jetzt nach A15. Die Höherdotierung hatte unter anderem die SPD jüngst gefordert. Der ausgeschriebene Aufgabenbereich zählt jedoch unverändert das Sachgebiet Wirtschaftsförderung zu den verantworteten Themen der Position; das hatte sich die SPD ursprünglich anders vorgestellt. Die Stadt Einbeck wünscht sich Bewerberinnen und Bewerber mit mehrjähriger Berufserfahrung und nachweisbaren Erfahrungen in der Mitarbeiterführung. „In dieser herausgehobenen Position gestalten Sie die Zukunft der Stadt Einbeck mit und übernehmen für diesen Weg die Verantwortung“, heißt es in der Ausschreibung. „Sie sind eine fachlich und menschlich überzeugende und umsichtige Führungspersönlichkeit, die vertrauensvoll mit den politischen Gremien, der Bürgermeisterin und den 38 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammenarbeiten kann.“ Gefordert wird von den Bewerbern und Bewerberinnen ein erfolgreich abgeschlossenes Hochschulstudium, vorzugsweise in der Fachrichtung Stadtplanung oder Architektur, mit der Laufbahnbefähigung für den höheren technischen Verwaltungsdienst (Referendariat) bzw. Laufbahngruppe 2. „Sie schaffen es, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitzunehmen und die Bürgerinnen und Bürger im Rahmen der Partizipation zu beteiligen“, heißt es im Text der Stellenausschreibung. „Die unterschiedlichen Akteure der Stadtentwicklung können Sie zielgruppenspezifisch ansprechen.“

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Tiedexer Straße: Grascha will’s wissen

„Ohne Fördermittel keine Magistrale“ lautet ein Transparent-Spruch bei der Demo der Anlieger.

Christian Grascha. Foto: FDP

Christian Grascha will’s wissen: Der Einbecker FDP-Landtagsabgeordnete hat sich in die Debatte über den Ausbau der Tiedexer Straße eingeschaltet und in diesem Zusammenhang eine Kleine Anfrage an die Landesregierung gestellt. Drei kompakte Fragen richtet der Freidemokrat an die SPD/CDU-Regierung: „Hat die Stadt Einbeck Förderanträge für diese Baumaßnahme gestellt, wenn ja, wann und mit welchem Ergebnis? Welche Förderprogramme vom Land, Bund und der EU kommen für derartige Baumaßnahmen in Frage? Welche Förderprogramme kommen insbesondere für derartige touristische Investitionen in Frage?“ Eine Antwort aus Hannover dürfte spannend werden; sie liegt noch nicht vor. Gibt es doch mittlerweile lokal auch mehrere Lesarten, ob ein Antrag gestellt wurde oder aber ob er erst gar nicht gestellt wurde, weil er ohnehin nicht erfolgversprechend war. Wenn sich Grascha jetzt mit diesem Mittel der Kleinen Anfrage (einem durchaus üblichen Instrument für Oppositionspolitiker) einschaltet, darf man davon ausgehen, dass der örtliche Landtagsabgeordnete (der noch dazu sein – gemietetes – Wahlkreisbüro in der Tiedexer Straße hat) bislang vom Einbecker Rathaus nicht eingeschaltet worden ist – als Türöffner, als Vermittler oder als was auch immer. Christian Grascha: „Die geplante Maßnahme verbessert sicherlich die Anbindung zwischen unserer historischen Innenstadt und dem PS-Speicher. Davon wird die gesamte Stadt profitieren, aber auch unsere Region insgesamt. Ich kann mir deshalb gut vorstellen, dass hierfür auch überregionale Mittel zur Verfügung gestellt werden können.“ Verständnis zeigte der FDP-MdL für den Unmut der Anwohner der Tiedexer Straße und des Tiedexer Tores. „Dass in dieser Größenordnung nun die Straßenausbausatzung zum Tragen kommen soll, ist aus meiner Sicht nicht nachvollziehbar. Die touristische Verbesserung unserer gesamten Stadt kann ja nicht zum ‚Privatvergnügen‘ von einigen wenigen werden“, meint Grascha. Die Einbecker FDP spricht sich dafür aus, die Straßenausbau-Beitragssatzung abzuschaffen (FDP Straßenausbaubeiträge 18-05-03).

Look geht

Frithjof Look.

Frithjof Look verlässt die Einbecker Stadtverwaltung. Der 31-jährige Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung und Bauen hat einen Versetzungsantrag gestellt. Das bestätigte der Allgemeine Vertreter der Bürgermeisterin, Dr. Florian Schröder, heute auf meine Anfrage. Look möchte zum 1. August dieses Jahr zur Stadt Wuppertal wechseln. Vorbehaltlich der notwendigen Gremienbeschlüsse müsse dem Versetzungsantrag zugestimmt werden, erläuterte Schröder. Die Ausschreibung für die Look-Nachfolge wird derzeit im Rathaus erarbeitet und soll nach Freigabe durch den Personalausschuss veröffentlicht werden. Die Ratshausspitze bedauert den Weggang von Frithjof Look, heißt es in einer ersten Reaktion. Der Bauoberrat ist seit 1. Mai dieses Jahres Beamter auf Lebenszeit, das hatte der Verwaltungsausschuss vergangene Woche bestätigt. Frithjof Look war seit 1. Mai 2015 Leiter der Bauverwaltung im Einbecker Rathaus.

SPD und FDP/GfE aktualisieren Kooperation

Vier Unterschriften, vier Mappen: Irnfried Rabe, Christian Grascha, Uwe Schwarz und Nadine Seifert-Doods (v.l.) unterschreiben die neue, aktualisierte Kooperationsvereinbarung, genannt „Festlegung von politischen Zielen“.

SPD und FDP/GfE im Northeimer Kreistag haben sich vom Ausstieg der Grünen aus der bisherigen Kooperation nicht erschüttern lassen, sondern „setzen den bewährten Weg fort“, wie es FDP-Chef Christian Grascha (Einbeck) formulierte. „Verlässlich und vertrauensvoll“, wie SPD-Chef Uwe Schwarz (Bad Gandersheim) sagte. „Vertrauensvoll und verlässlich“, wie Grascha fast wortgleich bestätigte. „Der Geist, der uns begleitet, wird sich fortsetzen“, meinte Schwarz. Auf beiden Seiten gebe es jahrzehntelange kommunalpolitische Erfahrungen, ergänzte Grascha. Die Grünen waren im März aus dem bisherigen Bündnis ausgeschert. Offiziell habe er das bis heute nicht schriftlich von den Grünen, merkte Schwarz heute an, als SPD und FDP/GfE ihre aktualisierte, elfseitige Kooperationsvereinbarung mit dem Titel „Festlegung von politischen Zielen“ im SPD-Büro in Northeim unterzeichnet haben. „Wir haben auch ohne Grüne unverändert eine handlungsfähige Mehrheit im Kreistag“, sagte Schwarz. Nach dem Grünen-Ausstieg habe man keine dramatische Eile haben müssen, um die wenigen Änderungen in dem Vereinbarungspapier zu fixieren. Das Ende der Zusammenarbeit führt der SPD-Chef auf „Politikunfähigkeit einzelner“ bei den Grünen zurück, die nicht kompromissfähig seien und keine Linie habe, vor allem nicht in der Schulpolitik. Was an der jüngsten, sprunghaften Tansania-Mehrheit im Kreis-Schulausschuss beim Thema Förderschulen (CDU, Grüne und AfD, also schwarz, grün und blau) deutlich werde, die der Kreisausschuss mit SPD/ FDP/ GfE-Mehrheit wieder begradigte. In seiner langjährigen kommunalpolitischen Arbeit sei es der dritte Ausstieg der Grünen aus einer Koalition mit den Sozialdemokraten, allerdings immer von anderen Personen auf Seiten der Grünen. Vertrauensbildend jedenfalls sei das nicht gerade, meinte Uwe Schwarz, der seit 25 Jahren SPD-Chef im Landkreis Northeim ist.

Der Northeimer Kreistag wird sich am 8. Juni neu konstituieren, um die Ausschussbesetzungen den neuen Verhältnissen anzupassen. Durch Gruppenbildungen und Kooperationen gibt es für Fraktionen andere Möglichkeiten als für Fraktionen oder Kreistagsabgeordnete einzeln. Die Zuschnitte der Ausschüsse und die Verteilung der Vorsitzenden an die Fraktionen werden sich nicht verändern, allerdings müssen die Vorsitzenden namentlich neu gewählt werden. Erste interfraktionelle Vorgespräche dazu hat es bereits am Montag gegeben. Der Vorsitz im Abfallwirtschaftsausschuss, den bisher die Grünen hatten und der ihnen nach dem Ausstieg aus der Mehrheitskonstellation nicht mehr zusteht, muss nach dem Verteilungsschlüssel zwischen SPD und CDU gelost werden. In welche Ausschüsse die jetzt solo agierende Grünen-Kreistagsfraktion (und auch die zerteilte AfD-Kreistagsfraktion) gehen kann, muss ebenfalls gelost werden.

Bis zur Kreistagssitzung im Juni will die SPD-Fraktion auch wieder einen Vorsitzenden haben. Der bisherige Simon Hartmann, der jetzt Northeimer Bürgermeister ist, hat sein Mandat im Kreistag vor Ostern niedergelegt. Der Nachrücker aus Kalefeld hat bereits seine Bereitschaft signalisiert, das Mandat zu übernehmen. Den Fraktionsvorsitz will die SPD Ende Mai wählen, dann seien alle potenziellen Kandidatinnen und Kandidaten anwesend. Die neue Kooperationsvereinbarung hat Nadine Seifert-Doods als stellvertretende Fraktionsvorsitzende unterschrieben.

Kooperationsvereinbarung für die Zusammenarbeit im Kreistag bis 2021 unterzeichnet: Irnfried Rabe und Christian Grascha für die FDP, Uwe Schwarz und Nadine Seifert-Doods für die SPD.

Demokratie-Stresstest vor Ort

„Die Formen der Demokratie müssen jünger und inklusiver werden“, sagte Arnd Henze.

Seine Worte haben Eindruck hinterlassen, das wurde in vielen Gesprächen beim Osterempfang der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Einbeck und der Superintendenten deutlich, der zum dritten Mal in der Jugendkirche Marie, der 50 Jahre alten Neustädter Kirche in Einbeck stattfand. Arnd Henze, Fernsehkorrespondent im Hauptstadtstudio der ARD in Berlin und dort vor allem für Außenpolitik zuständig, hat über den „Stresstest für die Demokratie“ gesprochen. Und dabei deutlich gemacht, dass dieser Stresstest nicht allein weit weg bei Trump, Erdogan und Co. bestanden werden muss, sondern vor allem direkt vor Ort. „Wir müssen die Demokratie barrierefreier machen“, forderte Henze, der 1961 in Einbeck geboren und in der Münsterkirche St. Alexandri getauft wurde. Sein Vortrag war gewissermaßen in doppeltem Sinn ein Heimspiel, hat doch der studierte Theologe schon als Fünfjähriger bei Predigten von Pastor Wolfgang Kloppmann in der Münsterkirche rhetorisch gemeinte Fragen im Gottesdienst lautstark beantwortet, wie er schmunzelnd erzählte.

Der Demokratie-Stresstest finde unter Realbedingungen und nicht im Labor statt, und er sei sich nicht sicher, ob er scheitern werde oder ob die Demokratie widerstandsfähig genug sei, habe doch die Strahlkraft von Demokraten nachgelassen. Die Resilienz bröckele, in einigen Landstrichen gebe es Umfragen, bei denen die Mehrheit eine Sehnsucht nach der einen, starken Partei hat, die alles regelt. Arnd Henze appellierte, kämpferische Demokraten zu sein, wie dies der Bundespräsident gefordert hatte. „Diese Demokratie ist noch nicht auf dem Sterbebett“, sagte Henze seinen Zuhörern, sie sei jedoch längst nicht mehr so gefestigt, wie viele denken, „lassen Sie uns den Stresstest bestehen, es geht ums Ganze“.

TV-Korrespondent und studierter Theologe mit Wurzeln in Einbeck: Arnd Henze auf der Kanzel der Neustädter Kirche.

Mehrere Vorschläge machte Arnd Henze, wie die Gesellschaft den Demokratie-Stresstest bestehen kann. „Die Formen der Demokratie müssen jünger und inklusiver werden“, sagte der TV-Journalist, und blickte dabei auch auf die Zuhörerreihen in der Neustädter Kirche beim Osterempfang, in denen niemand unter 40 war. Hier sollten beim nächsten Mal Jugendliche gezielter angesprochen werden. Und das bedeute nicht, einfach den Einladungsverteiler zu vergrößern, mahnte Henze. Jugendliche müssten sich auch im Programm des Empfangs wieder finden. Und so wie bei diesem Beispiel müsse sich auch in Gremien wie beispielweise dem Stadtrat die vorhandene Vielfalt der Stadtgesellschaft wiederfinden. Arnd Henze nannte ein Beispiel aus Berlin: Was für ein Signal sei das, wenn die einzige mit Migrationshintergrund in der Bundesregierung inklusive der Staatssekretäre Justizministerin Katarina Barley sei, „und die hat einen englischen Vater“. Das lässt sich einfach auf Einbeck übertragen, da muss man sich nur mal die stockenden Vorstöße ansehen, jünger und bunter in der politischen Beteiligung zu werden.

„Wir brauchen eine Entgiftung der öffentlichen Debatte“, forderte Arnd Henze. Im Netz sei so viel Hass, und es dürfe nicht akzeptiert werden, dass zu viele Verfahren von Staatsanwaltschaften eingestellt werden. Notwendig sei eine neue Atmosphäre der Solidarität und der Wertschätzung, auch gegenüber Lokalpolitikern. Denn auch diesen schlage vielerorts der Hass entgegen. Nach dem Anschlag auf den Bürgermeister von Altena im Sauerland hätte er sich gewünscht, dass der Bundespräsident zur nächsten Stadtratssitzung spontan gefahren wäre, sich in die Zuschauerreihen  gesetzt und gesagt hätte: „Ich sitze hier stellvertretend für die hunderttausenden ehrenamtlichen Politiker, denen möglichweise ähnliches passiert. Der demokratische Teil unserer Gesellschaft ist an ihrer Seite.“

„Zur Kultur der Wertschätzung gehört eine Kultur des Streites“, meinte Arnd Henze. Es gelte, das Streiten wieder neu zu lernen. Streit bedeute Verständigung über die Fakten. Und es sei mehr denn je die Aufgabe von Medien, die Faktengrundlage sicher zu halten. Denn was viele bei Diskussionen als Fakt bezeichnen, biete nur dem Argument einen emotionalen Drive. Entschieden müsse man denen entgegen treten, die behaupten: Das darf man ja nicht mehr sagen. Meistens allerdings werde es gesagt – in TV-Talkshows mit mehreren Millionen Zuschauern…

Seine fünfjährige Tochter habe ihm als Elternvertreter in der Kita für einen Brief an die anderen Kita-Kinder und deren Eltern das Urvertrauen der Demokratie quasi in den Block diktiert. Die Spülmaschine im Kindergarten war kaputt. „Wollen wir es den Erziehern sagen?“, habe seine Tochter formuliert. „Ich möchte das. Wenn ihr das auch möchtet, dann könnt ihr mir das sagen. Und wenn ihr es nicht wollt, dann könnt ihr es mir auch sagen, dürft eure Meinung sagen, egal welche.“ Das sei die Demokratie auf wenige Sätze konzentriert beschrieben.

Wo das Vertrauen einer Fünfjährigen in die Elternvertretung noch vorhanden sei, könne es bei einer Erstklässlerin leicht in Gefahr geraten, berichtete Arnd Henze von einer Erfahrung mit seiner anderen Tochter. Die Schüler der 1. Klasse hätten jeder der Bürgermeisterin einen Brief geschrieben, weil es im Herbst auf dem Schulweg eine dunkle Ecke gebe. Zwei Tage vor den Weihnachtsferien habe ihm seine Tochter berichtet, immer noch keine Antwort zu haben. Da habe er im Bürgermeisterin-Büro angerufen. Die Kinder lernen gerade, dass es den Weihnachtsmann und den Osterhasen nicht gibt, versuchte er zu argumentieren, und wenn sie nicht ganz schnell reagieren, dann lernen sie auch, dass es die Bürgermeisterin nicht gibt. Ein Urvertrauen wäre zerstört. Zwei Wochen nach den Ferien sei die Lampe eingeweiht worden.

Den Verächtern der Demokratie müsse man den Resonanzraum nehmen, den sie brauchen für ihre Parolen. „Demokratie muss jeden Tag Lösungskompetenz beweisen“, sagte Arnd Henze. Wie bei der Straßenlaterne. Und wie nach einer Diskussion beispielsweise, die er in Uslar geführt hat, dort habe sich eine Ampelschaltung als großes Problem erwiesen, das trotz Briefen bis dahin nicht gelöst werden konnte. Er habe damals gegen das Gefühl appelliert, die zu entscheiden haben „sind so weit weg“. Entscheidend sei doch zu klären: Wie können wir Uslarer uns so stark machen, die Lösung für die konkrete Sorge zu erreichen. Und das habe am Ende funktioniert, weil sich mehrere und am Ende auch die Landrätin um das Problem gekümmert hätten.

Bei Elftklässlern könne das Vertrauen in die Demokratie schon verloren sein, wenn man nicht aufpasse. Das habe er bei der Diskussion an seiner alten Schule in Garbsen erfahren, berichtete Arnd Henze. Die Oberstufenschüler hätten ihm berichtet: Auch wenn wir alle Probleme des Ortes hier diskutieren und lösen würden – dafür interessiert sich dann doch kein Politiker. Damit wollte sich Arnd Henze nicht zufrieden geben: „Bis zum Beweis des Gegenteils möchte ich, dass ihr es ausprobiert.“

Osterempfang in Einbeck: Superintendentin Stephanie von Lingen mit Gastredner Arnd Henze.

 

Arnd Henze machte sich in seinem Vortrag beim Osterempfang auch für Heinrich Keim stark, der 1945 in die amerikanischen Stellungen gefahren war, um eine Zerstörung Einbecks zu verhindern. Nach ihm soll ein Weg benannt werden. Wenn die Bundesverteidigungsministerin mal wieder eine Kaserne umbenennen wolle, wäre ja vielleicht auch Heinrich Keim der richtige Name, sagte Henze. Denn dessen Zivilcourage habe Einbeck viel zu verdanken, die Stadt wäre sonst vielleicht eine der langweiligen Fünfziger-Jahre-Orte, die nach Zerstörung im Krieg wieder aufgebaut wurden. Dass es 70 Jahre brauche, das zu erkennen, wundere ihn schon sehr. Und es freue ihn, dass es nun erkannt wurde.

AfD-Fraktion im Stadtrat platzt

Die zweiköpfige Fraktion der „Alternative für Deutschland“ (AfD) im Einbecker Stadtrat wird es künftig nicht mehr geben. Wie Ratsherr Udo Harenkamp (Opperhausen) auf meine Anfrage erklärte, habe er der Bürgermeisterin nach der Sitzung des Stadtrates am vergangenen Mittwoch seinen Rücktritt als stellvertretender Fraktionsvorsitzender der AfD-Fraktion und seinen Austritt aus der Fraktion mitgeteilt. Auch sein Fraktionskollege Dirk Küpper, der für die AfD auch im Kreistag sitzt,  sei informiert. Seine Entscheidung sei „eine persönliche Notwendigkeit“, über Details möchte Harenkamp öffentlich nicht sprechen, es habe Differenzen innerhalb der Fraktion gegeben. Er werde sein Mandat aber behalten und „nach dem Programm der AfD weiter fortführen“, wie Harenkamp mitteilte. Harenkamp will Mitglied der AfD bleiben. Er weist Vorwürfe des AfD-Kreisverbandes zurück, er habe „der AfD im Kreis Northeim erneut Schaden zugefügt“, wie es in einer Mitteilung des Kreisverbandes heißt. Harenkamp plant, beim kommenden Kreisparteitag der AfD am 23. März 2018 die Mitglieder über Details zu seinem Rückzug zu informieren. Die Missbilligung des Kreisvorstandes verstehe er in keinster Weise. Der AfD-Kreisvorstand kritisiert, dass er erst kurzfristig von den Problemen erfahren habe und damit nicht mehr vor dem Schritt vermittelnd eingreifen konnte.

Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek bestätigte mir heute die ihr gegenüber am vergangenen Mittwoch schriftlich gemachte Erklärung Harenkamps. Im Rathaus werden zurzeit die Auswirkungen geprüft.

Eine Stellungnahme bei AfD-Ratsherr Dirk Küpper ist angefragt. AfD-Ratsherr Dirk Küpper mochte sich auf meine Anfrage nicht öffentlich zu dem Thema äußern, vom Kreisverband sei alles gesagt. (Aktualisiert: 21.03.2018, 19:15 Uhr)

Nachtrag 27.03.2018: Beim Kreisparteitag am Freitag gab es Streit. Udo Harenkamp erwägt ebenso wie AfD-Kreistagsmitglied Manfred Schön (Nörten-Hardenberg) rechtliche Schritte gegen die Veröffentlichung eines Chat-Protokolls einer WhatsApp-Gruppe. Schön kündigte seinen Austritt aus der AfD-Kreistagsfraktion an, möchte aber wie Harenkamp seinen Sitz behalten und sein Mandat im Northeimer Kreistag im Sinne der AfD fortführen. Der Kreisvorstand bedauert den Schritt und spricht von einem nicht mehr vorhandenen Vertrauensverhältnis.

Als wäre nichts geschehen

„Virtuell in der letzten Reihe“: Simon Hartmann am Freitag im Kreistag.

Das, was der Goslarer Oberbürgermeister (früher CSU, heute CDU) derzeit von Verwaltungsrichtern klären lässt, nämlich ob er als Ratshauschef auch gleichzeitig Mitglied des Kreistages sein kann, hat einer in Northeim bereits durch die normative Kraft des Faktischen und quasi in anderer Reihenfolge erreicht. Wenn auch nur für wenige Wochen. Simon Hartmann (40), bislang SPD-Fraktionsvorsitzender im Northeimer Kreistag, ist vor einer Woche zum neuen Northeimer Bürgermeister gewählt worden, seit Donnerstag ist er im Amt und vereidigt. Am Freitag saß er jedoch nahezu ungerührt, aber begleitet von vielen Glückwünschen, wieder in der ersten Reihe im Kreistag. „Ich werde mich gleich virtuell in die letzte Reihe setzen und auch nichts mehr sagen“, sagte Simon Hartmann in einer kurzen persönlichen Erklärung zu Beginn der Kreistagssitzung. Der stellvertretende Fraktionschef Uwe Schwarz werde in der SPD-Fraktion heute übernehmen. Seinen Mandatsverzicht habe er bewusst noch nicht erklärt, sagte Hartmann. Rechtlich ist dafür auch vier Monate Zeit.  Denn noch etwas war vor einer Woche passiert, das aber ebenfalls nicht Niederschlag in der Kreistagssitzung am Freitag fand: Die Grünen-Fraktion hatte die Gruppe mit der SPD aufgekündigt, am Sonntag die Landrätin und am Montag die Öffentlichkeit darüber informiert. Und die dadurch ohnehin notwendigen Änderungen im Personaltableau des Kreistages habe er „in aller Hektik“ mit seinem Mandatsverzicht und den Nachrücker-Folgen nicht torpedieren wollen, begründete Simon Hartmann. Deshalb wird sich der Kreistag erst im Juni mit den notwendigen Änderungen befassen: Wer wird neuer Fraktionsvorsitzender bei der SPD, wie werden die Ausschüsse neu besetzt, nachdem die große Kreistagskoalition aus SPD, Grünen, FDP und GfE nun Geschichte ist (freilich haben SPD mit FDP/GfE und Landrätin weiterhin eine Mehrheit, wenn auch hauchdünn mit einer Stimme)? Wer auf Hartmanns Kreistagsmandat folgt, steht fest, er kommt aus Kalefeld. Wer auf Hartmann im Fraktionsvorsitz folgt, darf munter spekuliert werden. In Ruhe werde man das klären, hieß es bei den Genossen am Tag vor den Osterferien. Wobei die Frage eigentlich nur ist, ob es einer aus der erfahrenen Fraktionsspitze sein wird (Uwe Schwarz, Frauke Heiligenstadt, Peter Traupe, Christina Münder, Dr. Hermann Weinreis) oder eine Überraschung aus den eher hinteren Reihen der 20-köpfigen Fraktion.

Vordergründig waren Differenzen in der Schulpolitik Auslöser für das Koalitionsende zwischen Grünen und SPD. Die Grünen bemängelten jedoch auch „ein zugespitztes Kommunikationsproblem der SPD-Fraktionsspitze, die Fraktionsführungen haben keine gemeinsame vertrauensvolle Arbeitsebene mehr gefunden“, wie Grünen-Fraktionschef Johannes Antpöhler erklärte (PM Grune verlassen die Kreistagsgruppe mit der SPD). Was die SPD gar nicht verstehen konnte. „Leider haben nicht alle Mitglieder der Grünen-Fraktion akzeptieren können, dass es für rot/grün im Kreistag alleine keine Mehrheit gab“, heißt es von Uwe Schwarz und Simon Hartmann (PM_5_2018_SPD_Aufhebung_Gruppe).

Bewegung gibt es im Sommer also nicht nur im Kreistag. Sondern ja bekanntlich auch im Kreishaus, wo Landrätin Astrid Klinkert-Kittel ihre Verwaltungsstruktur umbaut. Wie die Landrätin am Freitag sagte, wird zum 1. August Tina Heistermann neue Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Northeim. Sie war 2016 beim Stellenbesetzungsverfahren Uljana Klein unterlegen, die nun im August Dezernentin im Kreishaus wird und dann die Gleichstellungsstelle abgibt, rückt jetzt wie damals beschlossen und jüngst von ihr bestätigt nach, ohne dass eine neue Stellenausschreibung notwendig wird.