SPD und FDP/GfE aktualisieren Kooperation

Vier Unterschriften, vier Mappen: Irnfried Rabe, Christian Grascha, Uwe Schwarz und Nadine Seifert-Doods (v.l.) unterschreiben die neue, aktualisierte Kooperationsvereinbarung, genannt „Festlegung von politischen Zielen“.

SPD und FDP/GfE im Northeimer Kreistag haben sich vom Ausstieg der Grünen aus der bisherigen Kooperation nicht erschüttern lassen, sondern „setzen den bewährten Weg fort“, wie es FDP-Chef Christian Grascha (Einbeck) formulierte. „Verlässlich und vertrauensvoll“, wie SPD-Chef Uwe Schwarz (Bad Gandersheim) sagte. „Vertrauensvoll und verlässlich“, wie Grascha fast wortgleich bestätigte. „Der Geist, der uns begleitet, wird sich fortsetzen“, meinte Schwarz. Auf beiden Seiten gebe es jahrzehntelange kommunalpolitische Erfahrungen, ergänzte Grascha. Die Grünen waren im März aus dem bisherigen Bündnis ausgeschert. Offiziell habe er das bis heute nicht schriftlich von den Grünen, merkte Schwarz heute an, als SPD und FDP/GfE ihre aktualisierte, elfseitige Kooperationsvereinbarung mit dem Titel „Festlegung von politischen Zielen“ im SPD-Büro in Northeim unterzeichnet haben. „Wir haben auch ohne Grüne unverändert eine handlungsfähige Mehrheit im Kreistag“, sagte Schwarz. Nach dem Grünen-Ausstieg habe man keine dramatische Eile haben müssen, um die wenigen Änderungen in dem Vereinbarungspapier zu fixieren. Das Ende der Zusammenarbeit führt der SPD-Chef auf „Politikunfähigkeit einzelner“ bei den Grünen zurück, die nicht kompromissfähig seien und keine Linie habe, vor allem nicht in der Schulpolitik. Was an der jüngsten, sprunghaften Tansania-Mehrheit im Kreis-Schulausschuss beim Thema Förderschulen (CDU, Grüne und AfD, also schwarz, grün und blau) deutlich werde, die der Kreisausschuss mit SPD/ FDP/ GfE-Mehrheit wieder begradigte. In seiner langjährigen kommunalpolitischen Arbeit sei es der dritte Ausstieg der Grünen aus einer Koalition mit den Sozialdemokraten, allerdings immer von anderen Personen auf Seiten der Grünen. Vertrauensbildend jedenfalls sei das nicht gerade, meinte Uwe Schwarz, der seit 25 Jahren SPD-Chef im Landkreis Northeim ist.

Der Northeimer Kreistag wird sich am 8. Juni neu konstituieren, um die Ausschussbesetzungen den neuen Verhältnissen anzupassen. Durch Gruppenbildungen und Kooperationen gibt es für Fraktionen andere Möglichkeiten als für Fraktionen oder Kreistagsabgeordnete einzeln. Die Zuschnitte der Ausschüsse und die Verteilung der Vorsitzenden an die Fraktionen werden sich nicht verändern, allerdings müssen die Vorsitzenden namentlich neu gewählt werden. Erste interfraktionelle Vorgespräche dazu hat es bereits am Montag gegeben. Der Vorsitz im Abfallwirtschaftsausschuss, den bisher die Grünen hatten und der ihnen nach dem Ausstieg aus der Mehrheitskonstellation nicht mehr zusteht, muss nach dem Verteilungsschlüssel zwischen SPD und CDU gelost werden. In welche Ausschüsse die jetzt solo agierende Grünen-Kreistagsfraktion (und auch die zerteilte AfD-Kreistagsfraktion) gehen kann, muss ebenfalls gelost werden.

Bis zur Kreistagssitzung im Juni will die SPD-Fraktion auch wieder einen Vorsitzenden haben. Der bisherige Simon Hartmann, der jetzt Northeimer Bürgermeister ist, hat sein Mandat im Kreistag vor Ostern niedergelegt. Der Nachrücker aus Kalefeld hat bereits seine Bereitschaft signalisiert, das Mandat zu übernehmen. Den Fraktionsvorsitz will die SPD Ende Mai wählen, dann seien alle potenziellen Kandidatinnen und Kandidaten anwesend. Die neue Kooperationsvereinbarung hat Nadine Seifert-Doods als stellvertretende Fraktionsvorsitzende unterschrieben.

Kooperationsvereinbarung für die Zusammenarbeit im Kreistag bis 2021 unterzeichnet: Irnfried Rabe und Christian Grascha für die FDP, Uwe Schwarz und Nadine Seifert-Doods für die SPD.

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FDP will wirksame Windkraftbremse

Wollen wirksame Windkraftbremse (v.l.): Eckhard Ilsemann, Christian Grascha und Dr. Christian Eberl von der FDP.

Die FDP im Landkreis Northeim will auf die Windkraftbremse treten und  damit einen aus ihrer Sicht zügellosen Ausbau der Windenergie stoppen: Die Freien Demokraten haben in ihrem Kreisverband beschlossen, dass sich das Ausbauziel künftig an der installierten Leistung der Windräder orientieren soll und nicht am Flächenverbrauch, der nach dem aktuell geltenden Windenergieerlass des Landes Niedersachsen 1,72 Prozent der Landkreisfläche vorsieht. „Unser Ziel ist es, mit weniger Anlagen auszukommen“, sagte heute der umweltpolitische Sprecher der FDP-Kreistagsfraktion, Dr. Christian Eberl (Nörten-Hardenberg) in einem Pressegespräch in Einbeck. „Durch den absehbaren technischen Fortschritt und höhere Produktivität künftiger Anlagen halten wir eine Ausbauplanung von 40 Anlagen der Drei-Megawatt-Klasse statt 180 Anlagen im Landkreis Northeim für ausreichend“, ergänzte FDP-Kreisvorsitzender Christian Grascha (Salzderhelden). Diese Forderungen wollen die Freien Demokraten in die Beratungen für das künftige Regionale Raumordnungsprogramm einfließen lassen. Ob es zuvor einen separaten Antrag im Kreistag zu dem Thema geben soll, will die Fraktion am Freitag noch besprechen.

Das bis 2050 bemessene Ausbauziel des niedersächsischen Windenergieerlasses hält die FDP für zu langfristig, möchte es um zwei Drittel reduzieren. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die modernen Anlagen immer leistungsfähiger werden. „Wir planen im Landkreis zunächst 50 Anlagen in den nächsten zehn Jahren“, sagt Eberl, „und dann sehen wir weiter.“

Der FDP-Kreisverband spricht sich außerdem für einen Mindestabstand zur Wohnbebauung vom zehnfachen der Nabenhöhe aus. „Der Schutz des Menschen muss bei allen Abwägungen den stärksten Ausschlag geben“, sagt Grascha. Vorranggebiete sollten sich nach Auffassung der FDP nicht allein an energiepolitischen Ausbauzielen, sondern an den berechtigten Interessen der Anwohner orientieren. Der von Rot-Schwarz von Rot-Grün übernommene Windenergieerlass soll überarbeitet oder zurück genommen werden, fordert der FDP-Kreisverband.

Die Planungshoheit für Windenergieanlagen und für entsprechende Vorranggebiete möchte die FDP bei den Städten und Gemeinden belassen. „Vor Ort kann am Besten beurteilt werden, ob eine Fläche für Windenergie geeignet ist oder nicht“, sagt Grascha. Die aktuellen Planungen für Vorranggebiete unter anderem bei Dassensen hält der FDP-Chef für „absolut inakzeptabel“. Er hofft, dass es bis zu den nächsten, wahrscheinlich entscheidenden Fachausschuss-Sitzungen des Einbecker Stadtrates im Juni auch bei anderen Fraktionen Bewegung in der Frage gibt.

Eckhard Ilsemann, stellvertretender FDP-Kreisvorsitzender und Ratsherr in Northeim, vermisst vom Landkreis Northeim als Naturschutzbehörde eine Hilfe für die Kommunen im Planungsprozess. Wissen über die schützenswerten Vögel in den betroffenen Gebieten müsse ja eigentlich im Kreishaus vorhanden sein, stattdessen bekomme man bei Stellungnahmen leere Blätter. Teure Gutachten müssten dann das Vakuum schließen.

Im Einzelfall möchte die FDP erreichen, dass beispielsweise durch Sturm „Friederike“ betroffene Waldgebiete wie bei Ahlshausen vom Verbot von Windkraftanlagen im Wald ausgenommen werden können. Vielleicht könnten bei diesen Ausnahmen auch Forstgenossenschaften vor Ort ein Windrad bauen und damit ihren Einnahmeausfall nach dem Windwurf ausgleichen, überlegt Eberl.

Augusts Brunnen sprudelt wieder

Restauriert: der Brunnen im Stiftsgarten vor der Stukenbrok-Villa.

August Stukenbroks Brunnen sprudelt wieder – frisch restauriert und im Innern modernisiert und wieder montiert. Aus den vier Löwen-Köpfen unten kommt jetzt sogar Wasser, das war durch eine unglückliche Konstruktion bisher nie der Fall, weil sie leicht verstopfen konnte, wie Restaurator Prof. Bernhard Mai heute berichtete. Die Patina für das frische Kupferblech des Brunnens wird schnell wieder kommen. Der kaiserliche Kommerzienrat und Fahrradversandkönig von Einbeck (1867-1930) hat sich den 3,60 Meter hohen Brunnen mit einem Durchmesser von zwei Metern nach der 1900-er Jahrhundertwende in seinen Privatgarten an seiner Villa am Ostertor bauen lassen, von wem ist unbekannt. August Stukenbrok hatte 1897 die Villa gekauft und begann 1907/1908 damit, das Gebäude dem Zeitgeschmack entsprechend umzugestalten. Der angrenzende, weitläufige Hausgarten war in diese Planung mit einbezogen. „Relikte dieser seinerzeit üppigen Ausstattung des Gartens sind heute noch erhalten, dazu gehört auch der besagte Brunnen“, berichtet Einbecks Denkmalpflegerin Krimhild Fricke.

Der heute nach erfolgter Restauration wieder aufgebaute 300 Kilo schwere, aus sechs Teilen bestehende Springbrunnen war in einem desolaten Zustand, als Prof. Bernhard Mai im August 2016 diesen begutachtet hat, mit Wathose stand er im Becken. „Die Stahl-Unterkonstruktion hatte sich fast im Rost aufgelöst“, sagt der Restaurator. Die Standfestigkeit sei nicht mehr die Beste gewesen, es fehlten Teile der Wassertechnik. Im Mai 2017 war Startschuss des Projekts, das von der Politik in Einbeck ohne jegliche erinnerliche Diskussion positiv begleitet worden ist, bekam das Büro von Prof. Mai aus Erfurt den Auftrag der Fachplanung und die Betreuung der Baumaßnahme. Am 2. November 2017 wurde der Brunnen für die Restaurierungsarbeiten demontiert, aus der Teichanlage entfernt und für die Arbeiten in die Werkstatt gebracht. Bis Anfang April 2018 sind die Restaurierungsarbeiten sowie weitergehende Maßnahmen im Bereich der Teichanlage durchgeführt worden. Wie Bauamtsleiter Frithjof Look berichtete, wurden dabei die Teichanlage ausgebessert, der Ablauf für das Teichwasser überarbeitet, der Schaltschrank elektrotechnisch auf den neuesten Stand gebracht und der Platz für die neue Pumpe, einschließlich Steuerung, hergestellt. Außerdem ist die Wasserführung neu verlegt worden. Die Kosten der Sanierung des Brunnens belaufen sich auf 40.000 Euro. Hinzu rechnen muss man die Kosten für den Bauhof und die Elektroarbeiten sowie die Instandsetzung des Teichablaufs in Höhe von etwa 14.000 Euro. Eine Förderung hat es für dieses Projekt nicht gegeben, die Stadt Einbeck zahlt das Geld aus ihrem Haushalt.

Ein Video vom Aufbau:

Bildergalerie:

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Politisch aufgeladen

Staatssekretär Frank Doods bei der Eröffnung der Ausstellung im PS-Speicher.

Mit der Eröffnung hat der PS-Speicher seine neue Sonderausstellung „Unter Strom“ politisch aufgeladen. Die 33 Exponate aus 130 Jahren Geschichte der Elektromobilität erzählen zwar ohne Wertung die zahlreichen Ansätze und Lösungen, zwei, drei oder vier Räder mittels eines mit Strom betriebenen Antriebsmotors zu bewegen, stellen die Ideen und Visionen spannend vor, machen kurzweilig deutlich, wo seit 100 Jahren schon Fahrzeuge mit Elektromotor unterwegs sind. Der PS-Speicher hatte sich eine öffentliche finanzielle Förderung für die Sonderschau erhofft, wie Geschäftsführer Lothar Meyer-Mertel sagte. Was beim Wunsch blieb. Immerhin aber gibt es eine ideelle Förderung, und so waren bei der langatmigen Eröffnung fünf Redner am Start: An der Spitze der Staatssekretär im Umweltministerium in Hannover, Frank Doods, der als Einbeck-Kreiensener ja ein Heimspiel hatte und die Grüße der SPD/CDU-Landesregierung überbrachte. Und irgendwie jedem Redner fiel eine Anekdote ein, die deutlich machte, dass es bei der Reichweite von Elektroautos immer noch Verbesserungsbedarf gibt. Vielleicht bringt der Betriebsausflug des Umweltministeriums am 31. Mai in den PS-Speicher und in die „Unter Strom“-Ausstellung der Debatte neuen Schub, der heutige Umweltminister Olaf Lies, dem PS-Speicher seit seiner Gründung eng verbunden, war schließlich bislang Wirtschaftsminister. Doods jedenfalls räumte ein, bislang noch kein E-Auto selbst gefahren zu sein. Dem ist Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek weit voraus. Vor einiger Zeit schon hat sie wie auch andere Kommunalpolitiker eines ausprobieren können, ist zur Freundin dieser Antriebsart geworden, wie sie sagte. Drei Fahrzeuge mit E-Antrieb hat die Stadt Einbeck heute. Die stadteigenen Stadtwerke fahren auch, treiben die Ladeinfrastruktur voran, bald sichtbar auch in der Einbecker City. E-Autos können kostenlos auf Parkplätzen in der Stadt parken. Die Sonderausstellung „Unter Strom“ wird mit ihrem Vortragsprogramm sicherlich noch für so manche Diskussionen über das Thema sorgen. Raimund Nowak, Geschäftsführer der ideell fördernden Metropolregion, machte deutlich, dass es nicht immer die Batteriekapazität sein muss, wenn jemand schnell mit einem E-Auto schlapp macht. Ein solches Auto müsse auch anders gefahren werden, das lehre die Metropolregion übrigens bei „E-Pferdchen“-Workshops. Und am 18. Mai ist Nowak für eine Veranstaltung zum deutsch-amerikanischen Austausch über das Thema vor Ort. „Unter Strom“ wird also weit über Einbeck hinaus wirken und, wie sich Staatssekretär Doods wünschte, zum Schrittmacher werden.

Demokratie-Stresstest vor Ort

„Die Formen der Demokratie müssen jünger und inklusiver werden“, sagte Arnd Henze.

Seine Worte haben Eindruck hinterlassen, das wurde in vielen Gesprächen beim Osterempfang der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Einbeck und der Superintendenten deutlich, der zum dritten Mal in der Jugendkirche Marie, der 50 Jahre alten Neustädter Kirche in Einbeck stattfand. Arnd Henze, Fernsehkorrespondent im Hauptstadtstudio der ARD in Berlin und dort vor allem für Außenpolitik zuständig, hat über den „Stresstest für die Demokratie“ gesprochen. Und dabei deutlich gemacht, dass dieser Stresstest nicht allein weit weg bei Trump, Erdogan und Co. bestanden werden muss, sondern vor allem direkt vor Ort. „Wir müssen die Demokratie barrierefreier machen“, forderte Henze, der 1961 in Einbeck geboren und in der Münsterkirche St. Alexandri getauft wurde. Sein Vortrag war gewissermaßen in doppeltem Sinn ein Heimspiel, hat doch der studierte Theologe schon als Fünfjähriger bei Predigten von Pastor Wolfgang Kloppmann in der Münsterkirche rhetorisch gemeinte Fragen im Gottesdienst lautstark beantwortet, wie er schmunzelnd erzählte.

Der Demokratie-Stresstest finde unter Realbedingungen und nicht im Labor statt, und er sei sich nicht sicher, ob er scheitern werde oder ob die Demokratie widerstandsfähig genug sei, habe doch die Strahlkraft von Demokraten nachgelassen. Die Resilienz bröckele, in einigen Landstrichen gebe es Umfragen, bei denen die Mehrheit eine Sehnsucht nach der einen, starken Partei hat, die alles regelt. Arnd Henze appellierte, kämpferische Demokraten zu sein, wie dies der Bundespräsident gefordert hatte. „Diese Demokratie ist noch nicht auf dem Sterbebett“, sagte Henze seinen Zuhörern, sie sei jedoch längst nicht mehr so gefestigt, wie viele denken, „lassen Sie uns den Stresstest bestehen, es geht ums Ganze“.

TV-Korrespondent und studierter Theologe mit Wurzeln in Einbeck: Arnd Henze auf der Kanzel der Neustädter Kirche.

Mehrere Vorschläge machte Arnd Henze, wie die Gesellschaft den Demokratie-Stresstest bestehen kann. „Die Formen der Demokratie müssen jünger und inklusiver werden“, sagte der TV-Journalist, und blickte dabei auch auf die Zuhörerreihen in der Neustädter Kirche beim Osterempfang, in denen niemand unter 40 war. Hier sollten beim nächsten Mal Jugendliche gezielter angesprochen werden. Und das bedeute nicht, einfach den Einladungsverteiler zu vergrößern, mahnte Henze. Jugendliche müssten sich auch im Programm des Empfangs wieder finden. Und so wie bei diesem Beispiel müsse sich auch in Gremien wie beispielweise dem Stadtrat die vorhandene Vielfalt der Stadtgesellschaft wiederfinden. Arnd Henze nannte ein Beispiel aus Berlin: Was für ein Signal sei das, wenn die einzige mit Migrationshintergrund in der Bundesregierung inklusive der Staatssekretäre Justizministerin Katarina Barley sei, „und die hat einen englischen Vater“. Das lässt sich einfach auf Einbeck übertragen, da muss man sich nur mal die stockenden Vorstöße ansehen, jünger und bunter in der politischen Beteiligung zu werden.

„Wir brauchen eine Entgiftung der öffentlichen Debatte“, forderte Arnd Henze. Im Netz sei so viel Hass, und es dürfe nicht akzeptiert werden, dass zu viele Verfahren von Staatsanwaltschaften eingestellt werden. Notwendig sei eine neue Atmosphäre der Solidarität und der Wertschätzung, auch gegenüber Lokalpolitikern. Denn auch diesen schlage vielerorts der Hass entgegen. Nach dem Anschlag auf den Bürgermeister von Altena im Sauerland hätte er sich gewünscht, dass der Bundespräsident zur nächsten Stadtratssitzung spontan gefahren wäre, sich in die Zuschauerreihen  gesetzt und gesagt hätte: „Ich sitze hier stellvertretend für die hunderttausenden ehrenamtlichen Politiker, denen möglichweise ähnliches passiert. Der demokratische Teil unserer Gesellschaft ist an ihrer Seite.“

„Zur Kultur der Wertschätzung gehört eine Kultur des Streites“, meinte Arnd Henze. Es gelte, das Streiten wieder neu zu lernen. Streit bedeute Verständigung über die Fakten. Und es sei mehr denn je die Aufgabe von Medien, die Faktengrundlage sicher zu halten. Denn was viele bei Diskussionen als Fakt bezeichnen, biete nur dem Argument einen emotionalen Drive. Entschieden müsse man denen entgegen treten, die behaupten: Das darf man ja nicht mehr sagen. Meistens allerdings werde es gesagt – in TV-Talkshows mit mehreren Millionen Zuschauern…

Seine fünfjährige Tochter habe ihm als Elternvertreter in der Kita für einen Brief an die anderen Kita-Kinder und deren Eltern das Urvertrauen der Demokratie quasi in den Block diktiert. Die Spülmaschine im Kindergarten war kaputt. „Wollen wir es den Erziehern sagen?“, habe seine Tochter formuliert. „Ich möchte das. Wenn ihr das auch möchtet, dann könnt ihr mir das sagen. Und wenn ihr es nicht wollt, dann könnt ihr es mir auch sagen, dürft eure Meinung sagen, egal welche.“ Das sei die Demokratie auf wenige Sätze konzentriert beschrieben.

Wo das Vertrauen einer Fünfjährigen in die Elternvertretung noch vorhanden sei, könne es bei einer Erstklässlerin leicht in Gefahr geraten, berichtete Arnd Henze von einer Erfahrung mit seiner anderen Tochter. Die Schüler der 1. Klasse hätten jeder der Bürgermeisterin einen Brief geschrieben, weil es im Herbst auf dem Schulweg eine dunkle Ecke gebe. Zwei Tage vor den Weihnachtsferien habe ihm seine Tochter berichtet, immer noch keine Antwort zu haben. Da habe er im Bürgermeisterin-Büro angerufen. Die Kinder lernen gerade, dass es den Weihnachtsmann und den Osterhasen nicht gibt, versuchte er zu argumentieren, und wenn sie nicht ganz schnell reagieren, dann lernen sie auch, dass es die Bürgermeisterin nicht gibt. Ein Urvertrauen wäre zerstört. Zwei Wochen nach den Ferien sei die Lampe eingeweiht worden.

Den Verächtern der Demokratie müsse man den Resonanzraum nehmen, den sie brauchen für ihre Parolen. „Demokratie muss jeden Tag Lösungskompetenz beweisen“, sagte Arnd Henze. Wie bei der Straßenlaterne. Und wie nach einer Diskussion beispielsweise, die er in Uslar geführt hat, dort habe sich eine Ampelschaltung als großes Problem erwiesen, das trotz Briefen bis dahin nicht gelöst werden konnte. Er habe damals gegen das Gefühl appelliert, die zu entscheiden haben „sind so weit weg“. Entscheidend sei doch zu klären: Wie können wir Uslarer uns so stark machen, die Lösung für die konkrete Sorge zu erreichen. Und das habe am Ende funktioniert, weil sich mehrere und am Ende auch die Landrätin um das Problem gekümmert hätten.

Bei Elftklässlern könne das Vertrauen in die Demokratie schon verloren sein, wenn man nicht aufpasse. Das habe er bei der Diskussion an seiner alten Schule in Garbsen erfahren, berichtete Arnd Henze. Die Oberstufenschüler hätten ihm berichtet: Auch wenn wir alle Probleme des Ortes hier diskutieren und lösen würden – dafür interessiert sich dann doch kein Politiker. Damit wollte sich Arnd Henze nicht zufrieden geben: „Bis zum Beweis des Gegenteils möchte ich, dass ihr es ausprobiert.“

Osterempfang in Einbeck: Superintendentin Stephanie von Lingen mit Gastredner Arnd Henze.

 

Arnd Henze machte sich in seinem Vortrag beim Osterempfang auch für Heinrich Keim stark, der 1945 in die amerikanischen Stellungen gefahren war, um eine Zerstörung Einbecks zu verhindern. Nach ihm soll ein Weg benannt werden. Wenn die Bundesverteidigungsministerin mal wieder eine Kaserne umbenennen wolle, wäre ja vielleicht auch Heinrich Keim der richtige Name, sagte Henze. Denn dessen Zivilcourage habe Einbeck viel zu verdanken, die Stadt wäre sonst vielleicht eine der langweiligen Fünfziger-Jahre-Orte, die nach Zerstörung im Krieg wieder aufgebaut wurden. Dass es 70 Jahre brauche, das zu erkennen, wundere ihn schon sehr. Und es freue ihn, dass es nun erkannt wurde.

Windrad im Wald, der nicht mehr da ist

Vor Ort, wo der Sturm wütete bei Ahlshausen. Foto: CDU

Die Einbecker CDU-Stadtratsfraktion hat nach einem Ortstermin in dieser Woche ihren Wunsch erneuert, noch einmal zu überlegen, ob eine zeitweilig auch mal diskutierte, dann aber wegen des Rotmilan wieder verworfene Fläche bei Ahlshausen nicht doch für Windräder ausgewiesen werden soll. Die Entscheidung über Vorranggebiete für Windenergie soll im Juni getroffen werden, zurzeit laufen Nachuntersuchungen, unter anderem Kartierungen von Vogelkundlern. Die Christdemokraten möchten gerne prüfen, ob dort, wo nach dem Sturmtief „Friederike“ Kammlagen frei liegen wie bei Ahlshausen, Windkraftanlagen erlaubt werden können. „Diese würden nach spätestens 30 Jahren abgebaut bis der neu angelegte Wald die entsprechenden Höhe hätte“, erklärte die Fraktion heute in einer Pressemitteilung. „Es geht nicht darum, dauerhaft im Wald Windkraftanlagen zu errichten, sondern in dieser Ausnahmesituation eine Kompensation für die Waldbesitzer für die kommenden mageren Jahre zu schaffen.“ In Begleitung des Ahlshäuser Ortsbürgermeisters Jürgen Hesse, des Vorsitzenden des Landvolks Northeim-Osterode, Markus Melzer, und dem Leiter der Revierförsterei Opperhausen, Hermann Beismann, sahen die Ratsmitglieder die massiven, flächendeckenden Schäden in der Gemarkung Ahlshausen. Insbesondere in den Fichtenbeständen in Hanglage wütete der Sturm, was in den nächsten Jahren zu Ertragsausfällen führen werde, hieß es.

Finale für die Stützmauer

Die abschließenden Bauarbeiten für die Zufahrt zur Heldenburg in Salzderhelden haben begonnen.

Die abschließenden Bauarbeiten für die neue Stützmauer der Heldenburg-Zufahrt in Salzderhelden haben begonnen. Bis Ende Juli soll das Teilstück gebaut sein; Ende 2016 war der erste Abschnitt termingerecht abgeschlossen worden. Mit Abschluss der Arbeiten des zweiten Bauabschnitts ist dann die Gesamtbaumaßnahme für die 2015 eingestürzte Stützwand insgesamt fertiggestellt, wie die Stadt Einbeck mitteilt. Im vergangenen Jahr musste die Stadt die Ausschreibung ohne Vergabe der Arbeiten beenden, weil die eingegangenen zwei Angebote deutlich über dem kalkulierten Budget lagen. Jetzt wird die bisherige, provisorische Absturzsicherung zurückgebaut und die eigentliche Stahlbetonstützwand in einer Dicke von circa 40 Zentimetern hergestellt. Außerdem wird auf einer Länge von zehn Metern ein Teil der im unteren Zufahrtsbereich zur Heldenburg befindlichen Natursteinmauer abgerissen, damit die Zufahrt weiter wird und besser befahren werden kann. Der entstehende Geländesprung soll künftig mit einer Gabionenwand abgesichert werden. Außerdem wird die Fahrbahn von der Einbecker Straße bis auf die Höhe Parkplatz der Burgschänke auf die künftige Verkehrsbelastung abgestimmt mit Asphalt versehen, Nebenflächen teilweise gepflastert. Durch die Stadtwerke und die Stadtentwässerung Einbeck werden parallel dazu Ver- und Entsorgungsleitungen umverlegt oder neu verlegt. Dann wird auch zusätzlich eine trockene Steigleitung für Feuerlöschzwecke gelegt.

Die Zufahrt zur Burganlage und zur Burgschänke ist laut Stadt während des zweiten Bauabschnitts weitestgehend für den Fahrzeugverkehr nutzbar. Jedoch ist für die Dauer der Leitungsverlegungen eine Vollsperrung von drei Wochen erforderlich; wann diese sein wird, ist noch nicht bekannt. In der Ortsdurchfahrt Einbecker Straße wird die Straße halbseitig gesperrt und mit einer Ampel geregelt. Die Salinen- und die Bäckerstraße wurden durch eine Verkehrsabsperrung getrennt und jeweils zu Sackgassen umgeändert.

Die Einbecker Straße wird während der Bauphase halbseitig gesperrt und mit einer Ampel geregelt.