Frei gefunkt

Dieser Aufkleber soll bald häufiger in der City zu sehen sein. Foto: Freifunk Einbeck

Allmählich wurde es zur Routine, mindestens bei jeder Sitzung des Stadtrates und auch in mancher Fachausschuss-Sitzung kam aus der Politik die Frage nach freiem WLAN in der Innenstadt inzwischen regelmäßig. Ein „running gag“ könnte man fast sagen, wenn es nicht so bitter wäre. Die Antwort der Verwaltung nämlich wurde immer weniger witzig, zeigen die unbefriedigenden Antworten und die sich wiederholenden Nachfragen, weil immer noch nichts passiert war, doch exemplarisch, wie langsam manchmal die Mühlen mahlen. Ende 2014 (!) hatte die SPD einen entsprechenden Antrag gestellt. Jetzt endlich könnte Bewegung in die Angelegenheit freies WLAN in der City kommen, eine kommerzielle Variante, wie sie schon mal nahe schien, ist damit offenbar vom Tisch. Es hat sich eine Freifunk-Initiative gebildet, die ein frei zugängliches, öffentliches und durch Bürger verwaltetes Funknetz (WLAN) aufbauen möchte (freifunk-einbeck_Infoblatt). In vielen anderen Städten funktioniert das bereits. Jeder hat die Möglichkeit, das Netz mit geringem finanziellen Aufwand zu vergrößern, indem er ein Gerät (Router) mit einer frei verfügbaren Software (Firmware) bespielt, welche dem Gerät die Möglichkeit gibt, sich wiederum mit anderen Geräten zu verbinden, sodass ein Netz aus diesen Geräten entsteht. Einige der Geräte stehen dank Sponsoren-Unterstützung für Interessierte zur Verfügung, erste Router sind im Zielgebiet City installiert. Wer seinen Router freigibt, „teilt“ seine Internetverbindung und -kapazität. Rechtliche Fragen („Störerhaftung“) sind laut Initiative geklärt. In den nächsten Wochen könnte also endlich ein freies WLAN in der Innenstadt entstehen. Lange genug gedauert hat’s ja.

Nachtrag 31.03.2017: Nach der Vorstellung des Projekts beim jüngsten Stammtisch des Vereins Einbeck Marketing InitiativGemeinschaft gibt es laut Geschäftsführer Florian Geldmacher die Zusagen von sechs inhabergeführten Geschäften. „Wir freuen uns über die sofortige Zusage einiger erster Geschäftsleute. Ein frei zugängliches WLAN für mobile Endgeräte ist in jeder größeren Touristenstadt im In- und Ausland zu finden, daher ist es höchste Zeit, dass wir dieses gemeinsam auch in Einbeck realisieren“, erklärte Geldmacher in einer Presseinformation (PI Freifunkinitiative Einbeck_ 290317). Die Initiative „Freifunk in Einbeck“ ist eine Kooperation von Einbeck Marketing GmbH, Einbeck Marketing InitiativGemeinschaft e.V., Kultur im Team e.V., „Nerdbridge“ und Stadt Einbeck. Unterstützt wird sie bislang aus der Wirtschaft durch BM Computersysteme, die mod-Gruppe und die Sparkasse Einbeck. Neben den lokalen Partnern konnten bereits 13 Router durch das Breitband Kompetenz-Zentrum Niedersachsen für den Kernstadtbereich bewilligt werden. Je mehr sich beteiligen, desto lückenloser wird das Netz. Da liegt nun noch eine Menge Arbeit vor den Aktivisten. Sie werden im Stadtgebiet Einzelhändler, Gastronomie, aber auch private Haushalte ansprechen, die einen Teil ihrer Breitbandanbindung zur Verfügung stellen. Laut Freifunker wird bei dem nun im Aufbau befindlichen öffentlichen WLAN die Breitbandanbindung mit einer individuell einstellbaren Maximalgrenze auf den Freifunk-Router übertragen und stellt abgetrennt vom eigenen Netzwerk ein freizugängliches WLAN mit Internetanbindung zur Verfügung. Durch die Ausstrahlung eines völlig separaten Signals vom Freifunk-Router ist eine Trennung vom eigenen Router und WLAN gegeben. Weiterhin fallen nach der Anschaffung, bis auf die geringen Stromkosten für den Betrieb des Routers, keine weiteren Kosten an.

Nachtrag 10.04.2017: Die Einbecker SPD, deren Initiative und Antrag das freie WLAN war, hat die Freifunk-Initiative begrüßt, endlich sei das Projekt auf einem guten Weg, nachdem es lange nach einem Scheitern ausgesehen habe. Ein kostenfreies WLAN werde zu einer Attraktivitätssteigerung der Einbecker Innenstadt führen, es sei mittlerweile Standard in Städten; Touristen, Tagesgäste, Geschäftsreisende und lokale Bevölkerung erfreuten sich an einer mobilen Nutzung des Internets, ohne dabei auf das oftmals beschränkte Datenvolumen ihrer Handyverträge angewiesen zu sein. „Es wäre zu begrüßen, wenn sich möglichst viele an dem Projekt beteiligen würden“, erklärte SPD-Vorsitzender René Kopka in einer Pressemitteilung (SPD 17-04-10 PM W-LAN und Mobilität2).

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