Wenn’s in der Bütt politisch wird…

Till Eulenspiegel (Markus Henze) in der Narren-Bütt beim Karneval.

Till Eulenspiegel (Markus Henze) in der Narren-Bütt beim Karneval. Links Albert Eggers als Karnevalspräsident.

…dann ist die Fähigkeit gefragt, über sich selbst lachen zu können. Denn wie bei der Bierorden-Verleihungsfeier sitzen die Objekte des närrischen Spotts oftmals im Publikum. Politische Büttenreden aber sind das Salz der Narrensuppe. Die mit der Narrenkappe dürfen das, sie haben seit der Schlüsselübergabe bis zum Aschermittwoch die spöttische Macht auch im Rathaus, gegen die Obrigkeit mit Humor aufzubegehren. Das ist Karneval. In der fünften Jahreszeit möge man nicht alles auf die Goldwaage legen, bat beispielsweise Till Eulenspiegel (Markus Henze). „Einbeck kann alles und noch viel mehr, nur zu Ende zu bringen fällt oft sehr schwer“, reimte er. Über die Elbphilharmonie und den Berliner Flughafen könne man hier nur lachen, schließlich müsse man sich in Einbeck um mindestens drei Projekte Sorge machen. „Während sich beim Möncheplatz und Neustädter Platz schon lange nichts mehr regt, wurde jetzt auch noch das Projekt ZOB auf Eis gelegt.“ – „Nichts ist umsonst – selbst der Tod kostet das Leben“. Diese Redensart bezog Till auf die neue Friedhofsgebühren-Kalkulation. Die Steigerung sei unglaublich hoch, über 100 Prozent. Tja, es ist wie es ist – der Till resignierte mit närrischem Schalk. „Einbeck kann alles und noch viel mehr, nur das eigene Begräbnis zu bezahlen fällt ab sofort schwer.“

Seit vielen Jahren ist auch „Bierkutscher“ Albert Eggers eine unterhaltsame Figur im Einbecker Karneval, die gerne die kommunalpolitischen Verhältnisse aufs Korn nimmt. Er kommt halt beim Bier ausfahren viel herum und schnappt so manches auf, was in der Bütt zu Reimen wird. Prost, Kutscher! Seit diesem Jahr aber ist ein bisschen etwas anders, Eggers sitzt selbst im Stadtrat. Was ihn nicht davon abhält, gewohnt bissig närrisch zu spotten. „Na, wenn das mal alles so richtig ist…“ Der Stadtrat sei ein Haufen tollkühner Frauen und Männer mit hoher kreativer und innovativer Veranlagung, habe er nicht erst erkannt, seitdem er selbst dabei sei. „Da kannste sogar mit fast 80 Jahren noch zur dritten Politkarriere durchstarten und zum stellvertretenden Bürgermeister gewählt werden“, formulierte Eggers in der Narrenbütt. „Das ist übrigens ganz praktisch, denn bei der Einweihung von Kindergärten oder Spielplätzen bist du dann auch gleich der liebe Opi von nebenan.“

Albert Eggers als Bierkutscher.

Albert Eggers als Bierkutscher.

Bei der ersten Ratssitzung sei es gleich hoch her gegangen, da sei mit vielen Tricks um Posten und Pöstchen gerungen worden, „die Politiker standen sich in verbaler Kampfeshaltung gegenüber“. Die vielen Löcher in der Stadt, die angeblich für schnelles Internet gegraben werden, hätten damit zu tun, enthüllte der Bierkutscher. Aus gut unterrichteten Kreisen wisse er, dass dort die politischen Grabenkämpfe zwischen SPD und CDU fortgesetzt worden seien. Dass Bier eine politische Bedeutung habe, sei ihm klar geworden, seitdem er im Stadtrat dabei sei, erklärte der Kutscher im Karneval. „Am Rotbier berauschen sich die Roten von der SPD, die von der CDU bevorzugen Schwarzbier, da kann man gut im Dunkeln munkeln, die Grünen begeistern sich an Green-Lemon, denn damit fühlen sie sich an den Kneipentischen alternativlos grün, die FDP fühlt sich bei der satten gelben Farbe des Kellerbiers sehr gut aufgehoben, zumal der Begriff Keller den Gelben sehr vertraut ist. Wenn man dann zuviel Bier getrunken hat, wird man besoffen, also blau, aber blau will niemand werden, also fällt die AfD hintenrunter.“ Ganz vergessen hätte er beinahe die GfE, erinnert sich schelmisch der Bierkutscher gerade noch rechtzeitig. „Für die habe ich kein Bier gefunden, die sind ja so farblos.“

Vergangenen Sommer hat der Bierkutscher von einem Geheimplan erfahren, „einer verdeckten Operation unserer Bürgermeisterin“. Der Aussichtsturm im Wald solle als Horch- und Guckstation für Northeim ausgebaut werden, „damit aufziehendes Unheil aus dem Northeimer Kreishaus rechtzeitig gesichtet werden kann.“ Die neue rote Lady Landrätin komme ja aus dem Schatten der Schnapsbrennerei Hardenberg. Immer wenn er am Kreishaus vorbei komme, müsse er an den Brexit denken, formulierte der Bierkutscher launig. „Was die Engländer können, das können wir doch auch. Wir sind doch die größte Stadt im Landkreis, wir haben doch die meisten Bahnhöfe, hier wird das beste Bier gebraut, und wir sind die Stadt mit der größten Friedhofsdichte in Südniedersachsen.“ Was brauche man in Einbeck da den Landkreis, „machen wir den Noxit“.

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