Wer sticht?

Dr. Bernd von Garmissen (l.) und Astrid Klinkert-Kittel bestreiten die Stichwahl, Jörg Richert schaffte einen Achtungserfolg.

Dr. Bernd von Garmissen (l.) und Astrid Klinkert-Kittel bestreiten die Stichwahl, in die sie der Achtungserfolg von Jörg Richert zwingt.

Die ganz große Überraschung ist ausgeblieben: Wer im achten Stockwerk des Northeimer Kreishauses im seit Monaten verwaisten Chefbüro Platz nehmen wird, entscheidet sich erst in einer Stichwahl am 13. März zwischen Astrid Klinkert-Kittel (SPD) und Dr. Bernd von Garmissen (CDU). Keiner von beiden erreichte die erforderliche absolute Mehrheit, am Ende lag Klinkert-Kittel mit 38,23 Prozent vor von Garmissen (35,64 Prozent). Und doch gab es bei der Landratswahl im Landkreis Northeim kleine Überraschungen am gestrigen Wahlabend. Dass sich alle drei Kandidaten und ihre politischen Unterstützer irgendwie als Sieger sehen, ist keine Überraschung, sondern üblich nach Wahlen. Die FDP, die Jörg Richert als Einzelbewerber unterstützt hat, will sich am Dienstag Abend im Kreisvorstand dazu positionieren, ob es eine offizielle Wahlempfehlung für die Stichwahl geben wird. Die 26 Prozent des Salzderheldeners Jörg Richert nun freilich schlicht der einen Kandidatin oder dem anderen Kandidaten hinzuzurechnen, wäre zu kurz gesprungen, da ist kein Automatismus. Die Karten bei der Stichwahl werden neu gemischt. Zu viele Faktoren spielen eine Rolle, die Zahlen vom Sonntag sind da allenfalls Anhaltspunkte.

Ein Blick auf die Einzelergebnisse in den Städten und Gemeinden macht deutlich, dass die Wähler durchaus regional gewählt haben:

Astrid Klinkert-Kittel ist die Siegerin des Abends, sie erreichte insgesamt die meisten Stimmen. In neun von elf Gemeinden ist die 52-Jährige vorn, nicht aber im Westen. Dass die Bürgermeisterin von Nörten-Hardenberg in ihrer Heimat mit 58,1 Prozent absahnt, überrascht nicht, in ihrem Wohnort Bishausen sind es sogar 66,9 Prozent.

Dr. Bernd von Garmissen erzielte in Dassel und Einbeck seine besten Ergebnisse und konnte sich gegen Klinkert-Kittel als Sieger durchsetzen, hier ist der 49-Jährige bekannter als im östlichen Kreisgebiet. Dass der Landwirt und Rechtsanwalt in seiner Heimat Dassel lediglich auf 56,3 Prozent kommt, ist schon ein bisschen enttäuschend. Das macht auch das starke Ergebnis in seinem Wohnort Sievershausen (81,3 Prozent) nicht wett.

FDP-Kreisvorsitzender Christian Grascha (l.) und Nachbar Jörg Richert.

FDP-Kreisvorsitzender Christian Grascha (l.) und der von den Freidemokraten unterstützte Salzderheldener Jörg Richert.

Jörg Richert erzielte ein Ergebnis, mit dem er selbst hoch zufrieden sein kann. Als Einzelbewerber aus dem Stand kreisweit 26 Prozent der Stimmen zu erreichen, ist eine starke Leistung, in seinem Wohnort Salzderhelden waren es 58,6 Prozent. In Einbeck, Northeim und Kalefeld schaffte Richert es auf Platz 2, in Einbeck hinter von Garmissen, in Northeim und Kalefeld hinter Klinkert-Kittel. Interessant sind die Glückwünsche der beiden Mitbewerber, die Jörg Richert zu seinem Ergebnis gratulieren und im gleichen Atemzug dieses als Beleg dafür anführen, dass die Wähler einen Verwaltungsfachmann wollen (Klinkert-Kittel) und sie diese Kompetenz ja ebenso aufweisen könne bzw. sich überrascht vom Ergebnis Richerts geben (von Garmissen) und dessen Stimmen bei der Stichwahl schon mal quasi vereinnahmen. So einfach ist das aber nicht, Richert hat nicht ausschließlich in konservativem Milieu gefischt, sondern auch (und vor allem im Bereich Kreiensen) auf traditionell sozialdemokratischem Terrain. Das sollte die Parteien für die Kommunalwahl im Herbst hellhörig werden lassen.

Abschließend noch ein Wort zur Wahlbeteiligung. Sie lag knapp unter 40 Prozent. Keine heldenhafte Zahl, aber auch nicht die befürchtete Katastrophe. Viel spannender wird jetzt sein, wie dieser Wert wenigstens gehalten werden kann bei der Stichwahl am 13. März. Die Mobilisierung der Wähler wird entscheidend dafür sein, wer am Ende im achten Stockwerk des Kreishauses sein Namensschild an die Tür dübeln lassen darf.

Auf Facebook bedanken sich die Kandidaten heute bei ihren Wählern.

Astrid Klinkert-Kittel (454 Fans):

Montag, 29. Februar 2016 „Heute ist immer der Tag, an dem die Zukunft beginnt.“- Hans Kudszus – Die erste Hürde…

Posted by Astrid Klinkert-Kittel on Sonntag, 28. Februar 2016

Dr. Bernd von Garmissen (476 Fans):

Gestern war ein spannender und ereignisreicher Tag! Ich danke allen sehr herzlich für Ihre Unterstützung – Im Wahlkampf…

Posted by Dr. Bernd von Garmissen on Montag, 29. Februar 2016

Jörg Richert (442 Fans):

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!Für mich ist der Wahlkampf vorbei, nun möchte ich gerne Danke sagen. Danken möchte…

Posted by Jörg Richert on Montag, 29. Februar 2016

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3 Gedanken zu „Wer sticht?

  1. Der Gewinner ist Herr Richert! Ihm gebührt mein Respekt! Mit Ihm wurde deutlich, dass die Menschen Verwaltungskenntnisse hoch einschätzen! Nach meiner Meinung bildet die Konstellation Garmissen (Verwaltungsrecht und Selbständig), Richert (anerkannte Verwaltungserfahrung) und Dr. Heuer als „alter Hase“ ein gutes Team!

  2. Lieber Herr Bertram, es ist schon etwas merkwürdig: 56% für Herrn von Garmissen in seiner Heimatstadt Dassel betrachten Sie als enttäuschend, aber bei den 58% von Frau Klinkert Kittel in Ihrer Heimatstadt wo sie auch noch Bürgermeisterin ist, da sprechen Sie von Absahnen.

    • Lieber Herr Dröge, das mag für Sie merkwürdig sein, für mich ist es schlicht und ergreifend meine Meinung. Sie sind offenbar anderer Meinung. Was mich nicht überrascht.

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