Es liegt Musik in der Luft…

Christina Heise stellte die MMS im April-Kulturausschuss vor.

Christina Heise stellte die MMS im April-Kulturausschuss vor.

Einbeck ist eine sehr musikalische Stadt: Mehr als 1000 Musikschüler gibt es unter den 33.000 Einwohnern. Und wenn man dann noch die aktive Band- und Kulturszene dazu zählt (nicht selten direkt aus den Musikschulen gespeist) und außerdem jene, die einfach so ein Instrument spielen oder singen, ohne Unterricht, manche in Chören, andere nur allein für sich, dann liegt da vielstimmig und vielseitig Musik in der Einbecker Luft… Die beiden großen Einbecker Musikschulen haben sich im Kulturausschuss des Stadtrates vorgestellt: die Mendelssohn-Musikschule (MMS) mit derzeit rund 300 Schülern und 18 Lehrern, gegründet 1979, in der April-Sitzung, die M1-Musikschule mit ihren 721 Schülern und 25 Lehrern, gegründet 2004, jetzt in der Juni-Sitzung. Die Ausschussvorsitzende Dr. Ursula Beckendorf (GfE) hatte nach eigenem Bekunden auch der dritten Musikschule in Einbeck die Chance eröffnet, sich der Politik zu präsentieren, sie blieb dort aber zunächst ohne Resonanz.

So heiter und beswingt die Musikschule M1 sich und ihre Arbeit in der sehr gut besuchten Ausschuss-Sitzung und in einem aktuellen Video präsentiert hat, so feierlich und fröhlich vergangenes Jahr die MMS ihren 35. Geburtstag feierte (worüber ich ein Video gedreht habe): Die Musikschullandschaft in Einbeck wird sich in Zukunft verändern. Dabei darf keine Stimme verstummen, soll Einbeck bitte eine musikalische Stadt bleiben. Mit einer großen Bandbreite zwischen Klassik und Metal.

Marcus Kümmerling stellt die M1-Musikschule im Juni-Kulturausschuss vor.

Marcus Kümmerling stellte die M1-Musikschule im Juni-Kulturausschuss vor.

Der jährliche 70.000-Euro-Zuschuss der Stadt Einbeck aus dem Steuerzahlertopf für die Mendelssohn-Musikschule ist aus der Geschichte der 1979 als städtische Bildungseinrichtung gegründeten Schule zu verstehen. Doch er passt nicht mehr in die heutige Zeit, in der außerdem die M1-Musikschule seit mehr als zehn Jahren zeigt, dass es auch ohne Steuergeld geht. „Wir wollen keine Förderung durch die Stadt“, sagte dann auch M1-Mitbegründer Marcus Kümmerling im Kulturausschuss selbstbewusst. Was er aber will, ist eine Gleichbehandlung. Die Stadt möge sich neutral verhalten. Eine Verzerrung des Wettbewerbs mag er mit seinem Unternehmen nicht länger hinnehmen. Das ist nur allzu verständlich. Der kommunale Zuschuss an die MMS läuft zum 31. Juli 2016 aus. Der Zukunftsvertrag hat die Stadt dazu gezwungen. An diesem Vertrag ist offenbar doch nicht alles schlecht. Spätestens 2017 haben beide Schulen die gleichen Voraussetzungen.

Der Einwand, eine öffentlich geförderte Musikschule könne eher für die sozial Schwachen da sein, geht ins Leere: die M1 fördert nach eigenen Angaben 26 Schüler (darunter aktuell auch eine Klavierschülerin aus einer Flüchtlingsfamilie) mit kostenlosem Unterricht, weil sie von der privaten AKB-Stiftung eine Förderung erhält. Die MMS hatte im April erklärt, fünf Schüler mit Berechtigungsschein mit kostenfreiem Unterricht zu unterstützen.

Im Nachhinein lässt sich ja immer alles locker beswingt beurteilen, aber so falsch ist die Einschätzung nicht, dass die Stadt mit der Umwandlung der MMS im Jahr 2006 ein Problem nur mehr oder weniger elegant auf einen Trägerverein ausgelagert hat, um sechsstellige Defizite im Stadt-Etat auf fünfstellige Zuschüsse zu reduzieren. Schon damals gab es ja die M1, längst noch nicht so groß wie heute. Aber sie hatte exakt seit ihrer Gründungsphase mit dieser Ungleichbehandlung klar zu kommen.

Jede Musikschule hat ihre Existenzberechtigung, wenn sie auf eigenen Beinen stehen kann. Es muss fair dabei zugehen. Auf allen Seiten. Die Zukunft der Musik in Einbeck ist zu wichtig, als sich im schrillen Klanggetöse zu verlieren. Notfalls muss ein Dirigent den Taktstock erheben, um die Harmonie wieder herzustellen. Der Maestro heißt Marktwirtschaft.

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2 Gedanken zu „Es liegt Musik in der Luft…

  1. „Spätestens ab 2017 haben beide Schulen die gleichen Voraussetzungen“ ist falsch. Bei der M1 handelt es sich (GBR) um ein Wirtschaftsunternehmen, was gewinnbringend arbeiten und kalkulieren muss.
    Bei der Mendelssohn Musikschule handelt es sich um einen gemeinnützigen Verein, der zum Erhalt der Gemeinnützigkeit keine Gewinne machen darf. Der gesamte Vorstand arbeitet ehrenamtlich. Nur durch den Zuschuss der Stadt Einbeck ist dies möglich. Die Zuschüsse für sozial schwache Familien, die Ensemblearbeit ( kostenfrei für Schüler) alles dies ist nur durch den Zuschuss der Stadt Einbeck möglich. Die Bands und Ensembles treten deshalb auch bei den Veranstaltungen der Stadt ohne Entgeld auf. Hierbei stellen Lehrer und Schüler gerne ihre freie Zeit zur Verfügung.
    Lieber Herr Bertram, ich lade Sie ganz herzlich ein, sich bei mir genauer zu informieren. Gerne werde ich Ihnen alle Zahlen und Abläufe zeigen.

    • Liebe Frau Henke,
      auf das Angebot komme ich bei Gelegenheit gerne zurück. Mit meiner Aussage „gleiche Voraussetzungen“ meinte ich, dass beide Schulen dann keinen Zuschuss erhalten. Dass beide Musikschulen unterschiedlich organisiert sind, ist bekannt, das kann man doch aber einem Wirtschaftsbetrieb nicht zum Vorwurf machen, oder? Die Mendelssohn-Musikschule kennt die Situation seit vielen Monaten und hat genügend Zeit, ihre Organisationsform zu verändern und an die bevorstehenden Zeiten optimal anzupassen.

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