Nachdenklich zuhören

Beim Pressefrühstück: Konstantin Kuhle (links) und Christian Grascha.

Beim Pressefrühstück: Konstantin Kuhle (links) und Christian Grascha.

Europawahl? Wann ist die? FDP? Wer ist das noch mal? Sie haben etwas gemeinsam, die Europawahl und die FDP, beide buhlen um Aufmerksamkeit. Während bei vielen Menschen unbekannt zu sein scheint, dass sie am 25. Mai ein neues Europaparlament wählen können, verdaut die FDP weiter ihre Wahlniederlage bei den Bundestagswahlen im vergangenen September. In Berlin spielt sie keine Rolle mehr, in Hannover ist sie zwar noch im Parlament, aber nicht mehr Regierungs-, sondern Oppositionsfraktion. Und muss als solche darum kämpfen, öffentlich wahrgenommen zu werden, das funktioniert durchaus mit plakativen Zuspitzungen.

„Der Erneuerungsprozess dauert“, sagte der Einbecker Landtagsabgeordnete Christian Grascha (FDP) heute bei einem Pressefrühstück. Immerhin aber habe der Kreisverband Northeim schon mehr als zehn neue Mitglieder begrüßen können, bei 120 Mitgliedern insgesamt eine durchaus beachtliche Zahl.

Nachdenklicher sein als die FDP in den vergangenen Jahren – das möchte Konstantin Kuhle. Der 25-Jährige ist auf Platz 20 der Wahlliste, was bedeutet, dass die FDP 20 Prozent erzielen müsste, damit er ins Europaparlament einziehen kann. Kuhle ist Realist genug, um das als wenig realistisch einzustufen. Vor fünf Jahren hat Konstantin Kuhle schon einmal bei den Europawahlen kandidiert, damals auf Platz 43.

Konstantin Kuhle, einst Wahlkreis-Mitarbeiter von Christian Grascha, möchte die neue FDP mit aufbauen, für die liberale Idee werben, das spürt man. Er weiß durchaus, wie man Schlagzeilen machen kann, der neue Bundesvorsitzende der FDP-Nachwuchsorganisation Junge Libeale (Julis). Im März ist er zum Vorsitzenden gewählt worden. Die FDP im Landkreis habe Anfang des Jahres überlegt, welche Bundesprominenz vor der Europawahl in die Region zu holen sei, lächelt Christian Grascha, da habe Kuhles „Metamorphose“ zum Julis-Bundeschef stattgefunden.

Grundsätzlich setzt Konstantin Kuhle auf die leiseren Töne. „Die Lebensrealität wieder aufsaugen“, dazu rät er allen Liberalen, und ergänzt und meint das durchaus mehrdeutig: Man habe jetzt, als außerparlamentarische Oppositon in Berlin, ja mehr Zeit zum Zuhören… Der Julis-Chef und Europa-Kandidat Kuhle ist gespannt, ob die Wahlbeteiligung wieder nur bei 43 Prozent liegen wird, wenn am 25. Mai die Europawahl ausgezählt wird. Besonders interessiert den aus Dassel-Eilensen stammenden Kandidaten, wie unterschiedlich die Wahlbeteiligung in den Orten sein wird, in denen gleichzeitig beispielsweise wie in Dassel Bürgermeisterwahlen stattfinden. Ob sich Menschen bewusst entscheiden, bei der Europawahl nicht zu wählen, wohl aber das Kreuz bei der kommunalen Direktwahl zu machen.

Woran das liegt, das fehlende Interesse an Europa? Konstantin Kuhle hat Gründe dafür ausgemacht, die er mit den Menschen diskutieren möchte. Viele, sagt er, wüssten bei politischen Entscheidungen in Brüssel nicht, aus welcher politischen Richtung diese kommen, nehmen die Kommissare dort als „anonym“ wahr, und meinten, dass in Brüssel deren Posten ausgeklüngelt würden. Da sei es beispielsweise ein Fortschritt, dass es Spitzenkandidaten bei der diesjährigen Europawahl gebe. Das Europaparlament müsse stärker werden, mehr mitentscheiden dürfe, ein stärkeres Haushaltsrecht bekommen.

Der Jura-Student arbeitet zurzeit drei Tage in Hamburg in einer Kanzlei. Für sein Studium hat er alle Scheine beisammen, bis Juni hat er Zeit. Zeit als Mutmacher, als der er in der Nachwuchsorganisation durch Deutschland tourt, und als Wahlkämpfer für eine starke liberale Stimme in Europa. Seitdem er Julis-Bundesvorsitzender ist, teilt er sich die verbleibenden vier Tage einer Woche zwischen seinen Engagments als Europakandidat und Julis-Chef auf.

 

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