Palais-Pläne

Der Neustädter Kirchplatz von oben, Blickrichtung Osten. (c) Aufnahme von Michael Mehle (Göttingen). Hier eine Galerie von einigen Luftbildern aus Einbeck.

Der Neustädter Kirchplatz von oben, Blickrichtung Osten. (c) Aufnahme von Michael Mehle (Göttingen). Hier eine Galerie von einigen Luftbildern aus Einbeck.

Langsam, aber beständig scheinen sich Stadt und Investor bei dem auf dem Neustädter Kirchplatz geplanten Bauprojekt wieder anzunähern. Zuletzt hatte man den Eindruck gewinnen können, dass nicht zuletzt wegen Funkstille und fehlender Kommunikation zwischen den Beteiligten das gesamte Vorhaben zur Disposition stehen könnte. Jetzt spricht man wieder miteinander. Und man spricht oft. Investor SEPA hatte im Juni angekündigt und erste Planungen vorgelegt, für sieben Millionen Euro auf dem Neustädter Kirchplatz einen dreigeschossigen Neubau errichten und 3000 Quadratmeter zusätzliche Verkaufsfläche für zwei Handelsunternehmen (C&A und Drogerie Müller) im Herzen der Altstadt schaffen zu wollen. Danach war nicht mehr viel zu hören, was im Oktober zu deutlicher Kritik im Stadtrat und zu Anfragen geführt hatte, ob der Investor denn überhaupt noch Interesse habe. Dieser hatte die Verzögerungen mit Problemen beim Abschluss von Mietverträgen erklärt, die jetzt beseitigt seien.

Am vergangenen Sonntag Abend haben sich die Ratsfraktionsvorsitzenden, die Bürgermeisterin und Vertreter der SEPA in Einbeck getroffen. Dabei sei auch erstmals ein aktuelles Modell des Projekts gezeigt worden. Auch überarbeitete Pläne liegen der Stadt inzwischen vor, sagte mir heute Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek auf Anfrage. Diese würden jetzt auch zu einem Großteil den Kriterien der eingesetzten Bewertungskommission entsprechen, nur noch architektonische Kleinigkeiten seien zu überarbeiten. Gestern im Verwaltungsausschuss hätten sich Politik und Verwaltung wiederholt überzeugt davon gezeigt, dass das Projekt auf dem Neustädter Kirchplatz ein wichtiger Faktor für die Innenstadt sein könne.

Was unverändert fehle, sei eine Einigung bei der Frage des Parkens im nahen Stadtwerke-Parkhaus sowie das Verkehrskonzept. Auch über die Gestaltung und die Kostenverteilung bei den Außenanlagen sei man sich noch uneinig. Ziel sei, sagte mir die Bürgermeisterin, und da sei sie optimistisch, in diesem Jahr eine Entscheidung und das Projekt unter Dach und Fach zu haben. Ende November bei der nächsten Verwaltungsausschuss-Sitzung solle es bereits weiteren Fortschritt geben.

Auch die SPD stützt das Projekt unverändert. „Wir sehen der weiteren Entwicklung positiv entgegen“, teilte mir SPD-Fraktionschefin Margrit Cludius-Brandt heute mit. „Die Verhandlungen in den letzten Wochen haben Bewegung in die Sache gebracht.“ Die SPD begrüße grundsätzlich die Investition, da man die Stärkung der Innenstadt durch die Ansiedlung eines Magneten für dringend nötig erachte, erklärte Cludius-Brandt.

Die FDP indes scheint sich von dem Projekt verabschieden zu wollen. Der Neustädter Kirchplatz sei für die Liberalen immer nur zweite Wahl gewesen, erklärte Fraktionsvorsitzender Dr. Reinhard Binder heute. Man habe immer die Bebauung des Möncheplatzes vorgezogen, die letztlich aber ja an einem Bürgerbegehren gescheitert sei. Die unentschlossene Haltung des Investors für den Neustädter Kirchplatz, die Binder schon früher kritisiert hatte, sowie das Ausbleiben von Lösungen lasse die FDP ihre Haltung überdenken, das Projekt zu tolerieren. „Es gibt ja auch andere Optionen“, schreibt Binder heute in einer Stellungnahme, ohne sie zu nennen.

Die FDP meint, dass auf ältere Menschen und Gehbehinderte bei der Planung des „Neustädter Palais“ zu wenig eingegangen worden sei. Das Parkhaus habe bisher keine Akzeptanz, und es sei auch nicht nachvollziehbar, wodurch sich diese nach Bau des „Palais“ verbessern sollte, zumal dieses nicht behindertengerecht gestaltet und kein Aufzug vorhanden sei. Die ebenerdigen Parkplätze reichen nach Meinung der FDP bei weitem nicht aus. Außerdem entstehen für die Stadt auch erhebliche Einnahmeverluste durch den Fortfall der Parkgebühren von mehreren 10.000 Euro jährlich, meint Dr. Reinhard Binder.

Bereits jetzt bestehe werktäglich Stau bei der Durchfahrt durch Einbeck. Nach der Eröffnung eines C&A, eines Kauflandes und einer Drogerie Müller werde sich dieses Verkehrsaufkommen erhöhen, meint der FDP-Vorsitzende. Daran werde auch ein wie immer gestaltetes Verkehrskonzept nichts ändern, „sondern das Problem bestenfalls verschleiern“, erklärte Dr. Reinhard Binder. „Wäre der 20 Jahre alten FDP-Forderung nach Entwickung einer südlichen Umgehung der Innenstadt  nachgegangen worden, würde dieses Problem jetzt nicht so gravierend sein.“

ScreenKühneMichalek131113Nachtrag 16.11.2013: Dem Northeimer Bundestagsabgeordneten Dr. Roy Kühne hat Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek das Modell des Neustädter Kirchplatzes schon mal gezeigt, wie dieser auf seiner Facebookseite postete. Interessant.

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