Längst kein Feierabend mehr

Hartpapprohre: Wie diese hergestellt werden, erfuhr die CDU bei ihrem Besuch.

Hartpapprohre: Wie diese hergestellt werden, erfuhr die CDU bei ihrem Besuch.

Vielleicht tragen ja die sommerlichen Besuche der örtlichen Politik ein wenig dazu bei, dass die Einbecker zu dem Areal am östlichen Stadtrand in Zukunft immer öfter nicht mehr „Feierabend“ sagen – weil dort über Jahrzehnte von einer Firma dieses Namens Küchenmöbel produziert worden sind. Sondern dass sich der Name „Otto-Hahn-Park“ in den Köpfen festsetzt und einprägt. Zu wünschen ist es den zurückhaltenden Machern des Otto-Hahn-Parks. Schließlich hat sich in den riesigen Hallen seit der Insolvenz der Hans Feierabend GmbH 2001 und der langen Ungewissheit, was mit dem Industriekomplex passieren sollte, eine Menge getan. Vor wenigen Wochen erst eröffnete der PS-Speicher sein Lkw- und Bus-Depot in einer der großen Hallen. Längst ist das kein Feierabend mehr. Die Einbecker CDU-Stadtratsfraktion hat sich davon überzeugen können, heute schaut sich auch die Einbecker SPD im Otto-Hahn-Park um. Die Christdemokraten waren nach ihrem Besuch überrascht und begeistert über die Entwicklung des Geländes: Das Vater-Tochter-Team zeige, was man mit guten Ideen, einem hohen Maß an Eigenmotivation und hochgekrempelten Ärmeln erreichen könne.

Zum Dank für den Besuch überreichte CDU-Chefin Beatrix Tappe-Rostalski (r.) ein Insektenhotel an Josephine Egner und Michael Stadler.

Zum Dank für den Besuch überreichte CDU-Chefin Beatrix Tappe-Rostalski (r.) ein Insektenhotel an Josephine Egner und Michael Stadler.

Der Einbecker Kaufmann Michael Stadler entwickelt gemeinsam mit seiner Tochter Josephine Egner den Otto-Hahn-Park in Einbeck, mit seinen eigenen Firmen Einbecker Verpackungen GmbH, Stadler Papierverarbeitung GmbH und der Gesellschaft für Papier-, Kunststoff- und Metallverarbeitung und Vertrieb mbH nutzt er die Hallenfläche zu einem Drittel, der Rest wird vermietet, unter anderem an Sappi und KWS. Heute arbeiten rund 200 Menschen auf dem Gelände, mehr als 20 kleine und große Unternehmen sind ansässig. Im Jahr 2012 haben Stadlers das gesamte bisher auf mehrere Orte in Einbeck verteilte Handeln der Einbecker Verpackungen GmbH und der Stadler Papierverarbeitung GmbH unter einem Dach konzentriert und das ehemalige Feierabend-Gelände erworben, damals gab es mehr als 80 Prozent Leerstand. Dieses Verhältnis wurde inzwischen umgekehrt. Das Areal entwickelten, sanierten und restaurierten Michael Stadler und Josephine Egner, um es urbar für sich selbst und für Dritte zu gestalten. Was gelang. Der Otto-Hahn-Park Einbeck bietet über 40.000 Quadratmeter Produktions-, Lager- und Bürofläche mit optimaler logistischer Anbindung bis hin zum eigenen Gleisanschluss, der bereits 2013 reaktiviert wurde. Neben der Logistikhalle gibt es hochwertige Büroräume, die von verschiedenen Firmen gut genutzt werden. Stadler und Egner verstehen ihre Unternehmung als klares Bekenntnis zum Standort Einbeck. Die Übernahme und die Anpassung des vorher stark zur Industriebrache tendierenden ehemaligen Feierabend-Geländes und die erfolgreiche Umwandlung in den Otto-Hahn-Park Einbeck mit allen zeitgemäßen Einrichtungen bis hin zur 50-Tonnen-Fahrzeugwaage sind starkes Engagement. Das ist für Einbeck positiv. Und das dürfen durchaus mehr Menschen erfahren.

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Sofa-Sprechstunde

Rote Sofas im ersten Obergeschoss.

Hier wird die Bürgermeisterin-Sprechstunde stattfinden: Rote Sofas im ersten Obergeschoss des Neuen Rathauses.

Sie leuchten und sind unübersehbar. Sitzen kann man auf ihnen auch gut – hoffentlich nicht so gut, dass interessierte Bürger im Gespräch mit der Rathauschefin gar nicht wieder aufstehen mögen vom Roten Sofa im Wartebereich des ersten Obergeschosses im Neuen Rathaus… Am kommenden Donnerstag (28. Juli 2016) lädt Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek um 15 Uhr erstmals zu einer Bürgersprechstunde auf die zwei roten Sofas ein. Alle Interessierten sollen dabei Gelegenheit bekommen, ihre Fragen zu stellen oder ihre Anliegen zu erläutern. Maximal zehn Minuten soll ein Gespräch dauern, um möglichst viele zu Wort kommen zu lassen, heißt es aus dem Neuen Rathaus. Wer dabei sein möchte, kann sich vorab telefonisch unter 05561/916101 oder per E-Mail unter stadtverwaltung@einbeck.de anzumelden. So sollen möglichst keine Wartezeiten entstehen. Unverändert sei es weiterhin möglich, einen individuellen Gesprächstermin mit der Bürgermeisterin zu vereinbaren. Da bin ich ja mal gespannt, wie sich die Premieren-Sprechstunde zur Zufriedenheit vieler organisieren lässt, spätestens um 17 Uhr hat die Bürgermeisterin ihren nächsten Termin: Dann tagt der Gemeindewahlausschuss für die Kommunalwahlen im benachbarten Zimmer 107, und die Verwaltungschefin ist als Gemeindewahlleiterin unverzichtbar.

Im Rathaus tut sich auch sonst eine Menge, unter anderem sorgen die Maler nach 20 Jahren für einen frischen Anstrich in den Fluren der Stadtverwaltung. Neue Wegweiser-Schilder, neue Türschilder mit Stift, Informations-Bildschirme am Eingang, ePaper der Verwaltung – das alles ist Teil von „Rathaus 2020“, das mit dem Erwerb der Immobilie noch einmal mächtig Schub bekommen hat. Anfang des Jahres hatte die Bürgermeisterin ihre Verwaltung umgebaut, aus fünf wurden drei Fachbereiche. Weitere Personalien stehen an.

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Lasst die Tore stehen!

Benser Tor.

Am Benser Tor steht das Stadttor, das den schlechtesten Zustand hat.

Sie stehen seit längerer Zeit wenig beachtet an den Wallanlagen, in mehr oder weniger gutem Allgemeinzustand: die im Jahr 2007 im Rahmen der Aktion „Ab in die Mitte! Einbeck öffnet Tür und Tor“ aufgestellten fünf Stadttorskulpturen. Der Wettbewerb war ein Impulsgeber für die Bildung von kommunalen Netzwerken und die Entwicklung vieler kreativer Ideen. Eine Grundüberholung hat die Stadtverwaltung mit 5000 Euro kalkuliert, das wären 1000 Euro pro Tor, 800 Euro koste die jährliche Unterhaltung. 2000 Euro soll der Abriss kosten, dem der Kernstadtausschuss mehrheitlich mit 8:4 Stimmen zugestimmt hat. Ich will hier nicht wieder davon schreiben, dass das eigentlich ein klassisches Thema für den Bauausschuss gewesen wäre (und nicht für den überflüssigsten Ausschuss des Stadtrates, den Kernstadt-Ortsrat). Mich würde viel eher mal interessieren, was denn 800 Euro Unterhaltungskosten jährlich verschlingen soll, wenn doch erkennbar (zumindest an einigen Toren) in der jüngsten Zeit nichts gemacht worden ist, die Tore zu erhalten. Und warum gar 1000 Euro pro Skulptur notwendig sein sollen, wo doch einige Tore offenkundig noch ganz gut in Schuss sind, vielleicht lediglich mal einen holzpflegenden Anstrich nötig hätten. Dass die Tore bedeutungslos, überflüssig und entbehrlich sind, sehe ich nicht. Da muss ich CDU-Ratsherrn Bernd Huwald zustimmen, der sich im Ausschuss vehement für den Erhalt ausgesprochen hat, während es überraschenderweise ebenso vehement und kompromisslos SPD-Ratsherr Alexander Kloss gar nicht schnell genug zu gehen scheint, die Tore zu entfernen. Die Stadttorskulpturen könnten aber beispielsweise in den Einbecker Bierpfad eingebunden werden, der an vielen Stellen parallel läuft. Wenn man es geschickt anstellt, übernimmt bestimmt die rührige Bürgerinitiative „Sch(l)aufenster“ die pflegende Patenschaft für die Holztore, die kümmern sich ja längst nicht allein nicht mehr nur um leere Schaufenster und haben sicherlich noch Potenzial für weitere Aktionen. Aus Sicht der Verwaltung besteht für die Skulpturen keine touristische Bedeutung, was eine Anfrage bei der Einbeck Marketing GmbH bestätigt habe. Merkwürdig finde ich dann allerdings eine Begebenheit, die sich zugetragen hat, als ich die Tore für diesen Blogbeitrag fotografiert habe: Mit dem Fahrrad bin ich die Stationen angefahren – und an einer bin ich von einem zufällig vorbei kommenden freundlichen Mann angesprochen worden, ob ich denn Tourist und auf der Radtour-Durchreise sei, dann würde er mir gerne die Stadttore erläutern. Manchmal kommt es eben darauf an, wen man fragt…

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Gelbe Karte für Müllsünder

Zeigen die Gelbe Karte: Arnd Severidt (l.) und Thomas Eggers.

Zeigen die Gelbe Karte: Arnd Severidt (l.) und Thomas Eggers.

Einbeck zeigt ab sofort Müllsündern die Gelbe Karte, denn Einbeck soll sauberer werden, vor allem in der Innenstadt: Der Ordnungsdienst der Stadt wird den farbigen Karton zücken, wenn die Mitarbeiter bei ihren Streifen jemanden dabei erwischen, wie er beispielsweise seine Zigarette achtlos wegwirft, sich einer Mülltüte elegant entledigen will oder den Hundehaufen seines Vierbeiners einfach liegen lässt. Denn das alles und noch vieles mehr ist ein Verstoß gegen bestehende Vorschriften. „Heute drückt die Stadt Einbeck noch einmal ein Auge zu, setzt kein Verwarngeld fest“, heißt es auf der Gelben Karte. Wie teuer eine Strafe bei einem erneuten Verstoß wird, ist aufgelistet, zum Beispiel: Kaugummi 15 Euro, Aschenbecher ausleeren 25 Euro oder Wildes Plakatieren 35 Euro. Der im Rathaus zuständige Fachbereichsleiter Arnd Severidt und Sachgebietsleiter Thomas Eggers wünschen sich, stärker im Bewusstsein der Menschen zu verankern, dass ein sauberes Erscheinungsbild in der Stadt zum Wohle aller ist. Beide weisen darauf hin, dass die auf der Stadtverordnung basierenden Regelungen im gesamten Stadtgebiet inklusiver aller Ortsteile gelten, nicht allein in der City. Und: Umweltverschmutzung ist kein Kavaliersdelikt. Die Gelbe Karte ist Teil des im Juni vom Bau- und Umweltausschuss einstimmig beschlossenen Konzepts „Sauberes Einbeck“. Dieses sieht unter anderem vor, dass es wieder mehr Abfallbehälter in der Innenstadt geben wird – damit niemand eine Ausrede haben kann, er hätte ja gerne, wenn… In den Wallanlagen in Einbeck hat die Stadt außerdem 20 neue „Robydog“-Behälter installiert, die leuchtend orange Hundekot-Beutel spenden. Damit auch die Hundebesitzer, die eigentlich immer beim Gassigehen Beutel für die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner dabei haben müssten, im Zweifel zu den kostenlosen Tüten greifen können, wenn sie mal die eigenen vergessen haben sollten…

Und weil sich alle immer ordentlich benehmen, sobald eine Uniform in der Nähe zu sehen ist, wird der Ordnungsdienst der Stadt künftig nicht allein in Uniform unterwegs sein. Auch in Zivil werden die städtischen Mitarbeiter stärker ein Auge darauf haben, wenn Müllsünder aktiv werden, kündigen Arnd Severidt und Thomas Eggers an. Falls die Gelbe Karte nicht fruchtet, kassiert der Ordnungsdienst der Stadt wie heute das jeweilige Verwarngeld – beim Wegwerfen von Abfall ebenso wie etwa beim Parken in der Fußgängerzone, beim unerlaubten Fahrrad fahren dort oder beim Verrichten der Notdurft. Das alles ist „Störendes Verhalten“ und wird nach § 3 der zuletzt 2015 geänderten Verordnung zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in der Stadt Einbeck (kurz Stadtverordnung) als Ordnungswidrigkeit geahndet.

So sieht die neue Gelbe Karte für Müllsünder der Stadt Einbeck aus.

So sieht die neue Gelbe Karte für Müllsünder der Stadt Einbeck aus.

Seniorenrat-Wahlprüfsteine

Der Einbecker Seniorenrat hat vor der Kommunalwahl am 11. September an die im Einbecker Stadtrat vertretenen Fraktionen seine so genannten Wahlprüfsteine gerichtet, insgesamt acht Fragen. Wie halten es die Kommunalpolitiker aus den verschiedenen Parteien mit der Seniorenpolitik in Einbeck? Als erste Fraktion haben die Grünen geantwortet. Sobald mir die Antworten der anderen Fraktionen vorliegen, veröffentliche ich sie ebenfalls hier im Wortlaut.

Einbecker Seniorenrat: Was werden Sie und Ihre Partei konkret unternehmen, um Seniorenpolitik nach der Wahl als Aufgabe mit folgenden Wünschen zu realisieren:

  1. die Angebote selbständigen, bezahlbaren, seniorengerechten/barrierefreien Wohnens bis ins hohe Alter in Einbeck zu erweitern und neue Wohnformen als Alternative zum Heim zu fördern;

Grüne: Für alle Punkte gilt: Die Forderungen sind wünschenswert, sie liegen aber nicht immer in der Verantwortung der Kommunalpolitiker und sie müssen für die Stadt bezahlbar sein. Alternativen zur Heimunterbringung würden wir sehr begrüßen und unterstützen, die Initiative kann aber nicht von den Kommunalpolitikern ausgehen.

  1. in den ländlichen Ortschaften der Stadt die Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen sowie die Mobilität der Senioren durch den ÖPNV sicher zu stellen. – Würden Sie neben dem Busverkehr auch die Möglichkeiten für den Individualverkehr in der Kernstadt Einbeck verbessern? Denkbar ist eine Erweiterung des stadtnahen Parkplatzangebotes mit einer Reduzierung der Parkgebühren, um die Innenstadt attraktiver zu machen;

Grüne: Unser Wahlprogramm fordert ausdrücklich eine Verbesserung des Stadtbusnetzes und bessere Erschließung der Ortschaften durch Sammeltaxis.
Eine Erweiterung des Parkplatzangebotes erhoffen wir uns von der Umgestaltung des Neustädter Kirchplatzes und des Möncheplatzes. Eine Reduzierung der Parkgebühren halten wir allerdings für kontraproduktiv. Zum einen würden uns die Einnahmen fehlen, zum anderen müssen gerade die stadtnahen Parkplätze von Dauerparkern freigehalten werden.

  1. eine verantwortungsvolle Wirtschaftsförderung in und für Einbeck zu betreiben, um die Kaufkraft der Stadt zu steigern. Dadurch könnten die Beschäftigungschancen älterer Menschen (auch über das Rentenalter hinaus) erhöht werden, um eine Altersarmut abzufedern;

Grüne: Die Altersarmut ist vor allem dadurch gestiegen, dass ein großer Teil der Kosten für die Wiedervereinigung auf die Rentenkassen abgewälzt wurden. Eine verantwortungsvolle Lohn- und Rentenpolitik sollte sicherstellen, dass jeder von seiner Rente leben kann und nicht im Rentenalter auf Arbeit angewiesen ist. Für wichtig erachten wir, dass es in der Innenstadt genügend Geschäfte gibt, in denen der tägliche Bedarf abgedeckt werden kann. Darum darf es keine weitere Ausblutung der Innenstadt durch Geschäfte im Außenbereich mit innenstadtrelevanten Sortimenten geben.

  1. in der Stadt Einbeck die Bereiche Kultur, Bildung, Sport und Beratung im Sinne einer Generationen übergreifenden Begegnung für die Senioren voran zu bringen;

Grüne: Hier sei auf unsere Antwort zu Punkt 1 verwiesen.

  1. die Umgestaltung von öffentlichen Gebäuden zur Barrierefreiheit (inklusive der Toilettenproblematik!) während der nächsten Ratsperiode zu realisieren und den baulichen Zustand der Bürgersteige und die Straßenquerungen durch Bordsteinabsenkungen zu verbessern;

Grüne: Wer als Fußgänger durch Einbeck geht, merkt schnell, dass die Straßen für Autos ausgelegt sind und oft für Fußgänger nur wenig Raum bleibt. Aus Kostengründen gilt aber auch hier: Nur wenn ohnehin Straßen ausgebaut werden, muss auf Barrierefreiheit und breitere Bürgersteige geachtet werden.
Das Dixi-Klo auf den Hallenplan sollten wir sofort durch eine Edelstahltoilette ersetzen.

  1. die haus- und fachärztliche Versorgung sowie die Prävention in gesundheitlichen Bereichen und die geriatrische Versorgung sowie die Palliativ- und stationären Hospizangebote zu unterstützen;

Grüne: Es steht um die haus- und fachärztliche Versorgung überall auf dem Land nicht gut. Wir werden das Problem nicht durch neue Haus- und Fachärzte lösen können. Der Trend geht zu Ärztehäusern, die in der Nähe zu Krankenhäusern und Pflegeheimen angesiedelt werden. Daran arbeiten wir zur Zeit.

  1. die Rahmenbedingungen für freiwilliges, ehrenamtliches Engagement im sozialen Bereich durch Gewinnung und Qualifizierung von Helfern zur Betreuung von alleinlebenden und/oder dementen Senioren sowie die Unterstützung von Familien zu verbessern;

Grüne: Ehrenamtliches Engagement wird von uns immer unterstützt.

  1. die Mitwirkungsmöglichkeiten des Seniorenbeirates im Vorfeld politischer Entscheidungen zu erweitern.

Grüne: Der Seniorenrat unterscheidet sich kaum von einer politischen Partei. Wir würden es begrüßen, wenn er sich zur Wahl bei den Kommunalwahlen stellt. Eine von den Wählern legitimierte Gruppierung geniest dann den Vorteil, bei allen Entscheidungen mitwirken zu können.

 

Unterschiedliche Auffassungen

Jochen Beyes.

Jochen Beyes.

Walter Schmalzried.

Walter Schmalzried.

Wegen unterschiedlicher Auffassungen über Vorgehensweise und Entscheidungen des Einbecker Bürgerspitals ist Jochen Beyes bereits am 6. Juni von seiner Treuhänderfunktion und vom Beiratsvorsitz zurückgetreten, wie die Klinik erst heute mitteilte. Nachdem das Haus im Geschäftsjahr 2015 erstmals eine schwarze Null verzeichnen konnte, ist nach Auffassung der Gesellschafter auch die Funktion des Treuhänders in der bisherigen Form nicht mehr nötig, heißt es in einer Pressemitteilung des Bürgerspitals. Weitere Verwaltungsabläufe seien direkt ins Bürgerspital verlagert worden. Sprich: die Geschäftsführung hat wieder mehr zu entscheiden. Jüngst hatte die Gewerkschaft Verdi Beyes vorgeworfen, er habe Mitarbeiter zum freiwilligen Gehaltsverzicht gedrängt. Eine Stellungnahme der Klinik dazu gab es nicht, auch kein Dementi. Die von Jochen Beyes gehaltenen Geschäftsanteile der bei Gründung aktiv gewordenen Einbecker Familien werden an diese Initiativgemeinschaft zurück übertragen. Künftig wird der Einbecker Kaufmann und CDU-Ratsherr Walter Schmalzried die Verwaltung dieser Anteile übernehmen. Die damals in der Insolvenz des Krankenhauses initiativ gewordenen Gesellschafter haben dem Gründungstreuhänder den Ehrenvorsitz ihres Beirats angetragen und möchten damit seine großen Verdienste würdigen. „Ohne Jochen Beyes als Vorsitzenden des Beirats wäre das Bürgerspital nicht an dem Punkt, an dem es heute steht“, heißt es in der Mitteilung. „Jochen Beyes hat das einzigartige Modell eines Bürgerspitals mitentwickelt, durch unzählige Gespräche mit der Politik, den Krankenkassen und der kassenärztlichen Vereinigung die nötigen Bedingungen für die gute Entwicklung geschaffen, die Sanierungsphase kompetent begleitet und zahlreiche Kooperationen auf den Weg gebracht.“ Nach dem Sommer werden auch erste öffentliche Aussagen zum möglichen Standort des geplanten Krankenhaus-Neubau des Einbecker Bürgerspitals erwartet. Die Suche läuft.

Interesse an der Lücke?

Die Giebelwand zum Nachbarhaus Nummer 28 ist jetzt nach dem Abriss mit Folie verlattet.

Die Giebelwand zum Nachbarhaus Nummer 28 ist jetzt nach dem Abriss mit Folie verlattet.

Wer hat Interesse an der (größer gewordenen) Lücke? Und will sie bebauen? Nachdem das ursprüngliche Verfahren nach dem teilweisen Einsturz des Gebäudes Altendorfer Straße 26 umgehend gestoppt worden war, ist die Interessen-Abfrage für das knapp 500 Quadratmeter große Areal der Parzellen 26 und 24 jetzt wieder neu gestartet. Bis zum 18. Oktober 2016 bittet die Stadt Einbeck potenzielle Investoren, ihr Interesse zu bekunden; am 28. Juli um 10 Uhr findet eine Ortsbesichtigung statt. Die Grundstücke Altendorfer Straße 24 und 26 befinden sich im Eigentum des Sanierungstreuhänders DSK Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH & Co. KG der Stadt Einbeck. Auffällig an den auf der Website der Stadt bereitgestellten Unterlagen ist, dass der teilweise Einsturz des Hauses Nummer 26 am Nachmittag des 11. Juni 2016 mit keiner Zeile erwähnt wird, es sogar nüchtern und schlicht nur heißt: „Das Grundstück Altendorfer Straße 26 ist unbebaut“. Das ist es erst seit dem 28. Juni 2016. Warum wird das öffentlich intensiv diskutierte Ereignis mit wochenlanger Straßensperrung nicht thematisiert? Würde das Investoren abschrecken? Ich glaube kaum. Denn jeder clevere Interessent wird vorher sowieso erst einmal googeln. Auf dem bereitgestellten neuen Lageplan ist das Gebäude 26 einfach mit einem Kreuz durchgestrichen. Und der Verkehrswert für den Verkauf hat sich auf 55.500 Euro deutlich erhöht (vorher 37.500 Euro). Ich bleibe gespannt, ob sich unter den gestellten Prämissen mögliche Investoren finden, die nicht nur Geld, sondern auch Planungs- und Nutzungsideen investieren möchten. Und die entweder die Auflagen akzeptieren (Keller-Denkmale erhalten) oder mit dem Denkmalschutz für alle Seiten tragbare Kompromisse schließen können.

Es bleiben Fragen offen, die noch zu beantworten sein werden: Wie konnte es überhaupt zu dem Einsturz kommen, der zum Abriss führte? Wer hat da wann nicht ausreichend aufmerksam reagiert? Bei der Übernahme des Grundstücks von privat muss es doch wohl eine förmliche Übergabe gegeben haben, bei der hätte auffallen müssen, wenn die Dachfolie nicht mehr oder nicht mehr ausreichend Schutz für das marode Gebäude geboten hat. Man muss gar nicht von Schuld sprechen, wohl aber von Verantwortung. Für die Stadt als Eigentümerin müssen die gleichen Maßstäbe gelten wie für jeden privaten Eigentümer, der wahrscheinlich längst ein Bußgeld oder anderen Ärger am Hals hätte, wenn das Haus in seinem Eigentum so zusammengerutscht wäre. Wer zahlt eigentlich den Abriss und was kostet den Steuerzahler das? Oder sollen die Kosten durch den höheren Verkehrswert vom künftigen Besitzer kassiert werden? Das sind alles Fragen, die hoffentlich nicht nur ich allein stelle, sondern die sich auch die Politik vornimmt aufzuwerfen – selbst wenn die Gremien im Sommer nicht tagen. Und auch, wenn die Kommunalwahl naht. Oder vielleicht gerade deshalb. Falls die Politiker stumm bleiben: Fragen Sie am Infostand einer Partei doch mal nach…

Die Lücke in der Altendorfer Straße ist größer geworden. Jetzt startet eine neue Interessen-Abfrage.

Die Lücke in der Altendorfer Straße ist größer geworden. Jetzt startet eine neue Interessen-Abfrage.